Darum wird der Bitcoin überschätzt!

Liebe Leser,

der Bitcoin ist nicht tot zu kriegen. Gründe dafür warum viele, selbst institutionelle Investoren immer mehr vom Potential des Bitcoin überzeugt sind, gibt es anscheinend genug. Diese reichen von einer digitalen Ersatzwährung, bis hin zum Status des digitalen Goldes. Es scheint so, als hätten Bitcoin-Fans immer ein Argument parat. Natürlich wird das Ganze vom starken Anstieg des Bitcoin-Kurses unterstützt und je länger der Anstieg andauert, umso mehr sieht es danach aus, als würden all diese Argumente bestätigt.

Doch die Berichterstattung seitens der Bitcoin-Befürworter ist oft zu einseitig. Es werden meist nur Vorteile hervorgehoben und Nachteile als weniger wichtig präsentiert, da die Technologie noch am Anfang steht. Aber gerade diese Gegenüberstellung ist bei neuen Entwicklungen wichtig. Denn was oft vergessen wird ist die Tatsache, dass hinter unserem bereits bestehenden Währungssystem ebenfalls technologische Entwicklungen stehen. Der Bitcoin konkurriert jedoch nicht nur auf Basis der Technologie mit unserem Währungssystem, sondern stellt auch das Währungssystem an sich infrage.

Anleger und Investoren sollten dabei folgendes nicht unberücksichtigt lassen. Der Bitcoin wird größtenteils von privaten Investoren als eine technologische Errungenschaft angesehen. In der Wirtschaft konnte der Bitcoin sein Potential und damit das Vertrauen seitens der Manager nicht gewinnen. Und dafür gibt es einen guten Grund. Nämlich, dass unser Fiatgeldsystem eine äußerst effektive und vor allem vertrauenswürdige Art ist Geschäfte zu betreiben.

Vertrauenswürdig? Unser Währungssystem? Niemals? Genau diese Voreingenommenheit, die so gut wie immer aus Unverständnis resultiert, machen sich Bitcoin-Anhänger zu nutze. Das Erstaunliche dabei ist, dass das System hinter dem Bitcoin ebenso wenig verstanden wird. Dennoch, etwas, dass sich der Kontrolle des Staates entzieht, muss ja besser sein. Dabei wird oft vergessen, dass es im Grunde genommen gar nicht um Kontrolle geht, sondern Vertrauen. Vertrauen daran, dass der Staat auf gewisse Weise ein geringes Risiko garantiert, wenn man Geschäfte betreibt.

Bei meiner Recherche bin ich vor einiger Zeit auf eine Präsentation gestoßen, die die andere Seite betrachtet. Nämlich unser bereits bestehendes, vom Staat kontrolliertes Geldsystem, auch Fiatgeldsystem genannt. Der Autor ist ein durchaus bekannter Programmierer und Ökonom. Da ich denke, dass hier sehr viele Dinge sehr gut dargestellt werden, nehme ich mir die Freiheit und übersetze es frei für Sie, mit teilweise einigen eigenen Überlegungen.

“Fiat is effective”

Fiatgeld ist sehr effektiv…auch wenn es nicht unbedingt ethisch ist

Während der Finanzkrise wies das fiatbasierte Geld nicht weniger, sondern mehr Wert auf. Das Problem der Geldpolitiker war nämlich nicht die Inflation, sondern Deflation. Die gängigen Annahmen, die gegenüber dem Fiatgeld getroffen werden sind:

  • Es ist schwach.
  • Regierungen haben einen Anreiz das Geld zu entwerten.
  • Es ist instabil.
  • Es ist zum Scheitern verurteilt.

Manchmal sind diese Annahmen wahr, aber: Fiatgeld wird von den Ländern herausgegeben. Jedes Land ist anders. Die pauschalen Annahmen oben sind daher so gut wie nie wahr, wenn:

  • Diese Länder wirtschaftlich stabil sind und in der Lage das Volk zu besteuern.
  • Das Bankensystem des jeweiligen Landes in der Lage ist Anreize zur effektiven Kreditaufnahme zu schaffen.
  • Die Ökonomie des Landes diversifiziert ist (Export/Import).
  • Die Verschuldung größtenteils in der Landeswährung erfolgt.

Der Autor ist davon überzeugt, dass zumindest jetzt noch keine der Kryptowährungen in der Lage ist, die Effektivität des Fiatgeldes zu ersetzen. Sicher gibt es Ansätze wie etwa den “Stablecoin”. Doch der wird an eine echte Währung gekoppelt, insofern liegt hier keine wirkliche Konkurrenz vor. Eine Währung sollte durch einen Wert gedeckt sein, im Falle des Fiatgeldes ist es die Ökonomie des Landes.

Die existierenden Fiatgeldsysteme sind vom ethischen Standpunkt aus zu kritisieren. Denn sie bevorteilen einige Völkergruppen und schaden anderen. Konkurrenzfähig wäre eine Kryptowährung daher durchaus aus der ethischen Sicht. Aktuell kann man das aber keineswegs behaupten, denn mit all den ICOs und den Geschäften auf dem Schwarzmarkt ist man noch meilenweit vom Status einer ethischen Währung entfernt.

Was ist Geld?

  1. Tauschmittel
  2. Wertaufbewahrung
  3. Rechnungseinheit

Der Tausch findet so gut wie kaum mehr auf Basis von Bargeld statt. Annahmen, die über unser Geld getroffen werden, basieren dennoch in der Regel immer noch auf der Tauscheigenschaft mittels Bargeld, obwohl wir in der Realität längst digital bezahlen. Im Vordergrund steht daher nicht mehr nur die Tauscheigenschaft, sondern die Art der Abrechnung im Rahmen der Tauschaktion.

Du bezahlst die Miete mittels einer Transaktion, während die Leistung über den ganzen Monat bezogen wird. Du zahlst den Anwalt mittels Honorar je Stundensatz. Du verhandelst über einen Vertrag bei dem ein Teil der Finanzierung noch vor der Leistung erbracht wird und der Rest bei Erreichen von Meilensteinen. Bei nicht synchronen Tauschaktionen (synchron: Zahlung und Leistung werden gleichzeitig erbracht) bestehen Risiken für beiden Parteien.

  • Wird der Vertragspartner zahlen/liefern?
  • Bewertungsrisiko- Ist die Leistung bzw. die Währung immer noch so viel wert wie zu Beginn der Vereinbarung?

Währungssysteme, die nicht in der Lage sind die beiden Risiken abzumildern, dürften dafür sorgen, dass Geschäftsabschlüsse und damit die ökonomische Aktivität in einem Land begrenzt bleiben. Selbst wenn es die Möglichkeit gibt synchrone Tauschaktionen durchzuführen, häufen sich mit der Zeit Verpflichtungen, die mit nicht synchronen Tauschaktionen verbunden sind.

  • Wir planen unseren zukünftigen Bedarf für Essen, Wasser, Unterkunft usw.
  • Geschäftssubjekte planen ihre zukünftigen Einnahmen und Ausgaben, Umsätze usw.

Dafür benötigen wir eine Rechnungseinheit, die in der Lage ist diese von Unsicherheit betroffene Kalkulation anzustellen. Darüber hinaus wollen wir, dass diese Rechnungseinheit bis zum Abschluss des Tausches so wenig wie möglich an Wert verliert. In gewisser Weise wollen wir ein System, das uns ermöglicht diese Risiken zu hedgen, denn wir wissen, dass Preise für Güter und Leistungen über einen gewissen Zeitraum Fluktautionen ausgesetzt sind.

Gelder mit denen man nicht in der Lage ist solche Kalkulationen annähernd real anzustellen, werden ebenso gemieden werden und die ökonomische Aktivität begrenzen. Die Rechnungseinheit, die wir am Ende wählen, wird die Basis unserer Werte darstellen. Werte sind allerdings nicht nur, die wir besitzen, sondern auch, die wir schulden.

Wir wollen, dass diese Schulden nicht alleine dadurch mehr werden nur weil die Einheit nicht stabil ist. Wir wünschen uns nicht, dass diese Einheit im Laufe der Zeit durch übermäßige Inflation abwertet. Aber wir wünschen uns auch nicht, dass diese Einheit unerwartet aufwertet, da das unsere Verschuldung erhöhen würde.

Die Rechnungseinheit ist eine weitaus wichtigere Eigenschaft des Geldes als die Tauscheigenschaft. In einigen Ländern werden beispielsweise Verträge in ausländischer Währung ausgehandelt, während die Bezahlung in heimischer Währung erfolgt. Die Wertaufbewahrung folgt in der Regel der Rechnungseinheit. Wenn die Bezahlung in heimischer Währung erfolgt, sind Menschen gewillt diese wieder umzutauschen, um das Abwertungsrisiko zu verringern.

Das Fiatgeld sichert Preisstabilität

Der Verbraucherpreisindex misst die Kosten eines typischen Haushaltes. Er ist nicht perfekt, denn einen typischen Haushalt gibt es in der Regel nicht. Doch genauere Maßeinheiten haben wir leider nicht und viele statistische Auswertung haben gezeigt, dass der Verbraucherpreisindex die Realität annähernd korrekt wiederspiegelt. Die folgende Grafik vergleicht den US-Verbraucherpreisindex in US-Dollar und in Bitcoin seit 2014.

Sie zeigt wie stabil sich die Kosten in Form des VPIs in US-Dollar ausgedrückt über den Zeitraum gehalten haben. Während die Kosten in Bitcoin einem Glücksspiel geglichen haben. Damit bleibt die Kostenkalkulation in US-Dollar zumindest planbar. Bitcoin-Anhänger wenden jedoch ein, dass alleine die Akzeptanz zu mehr Stabilität verhelfen würde. Das zeigt, wie wenig Verständnis dafür vorhanden ist, wie Preisstabilität überhaupt erreicht wird.

Aus der Historie ist bekannt, dass Preisfluktuationen trotz Akzeptanz zugegen waren. Erst der Einfluss der Geldpolitik sorgte dafür, dass die notwendige Stabilität gegeben war. Und zwar über das Steuern des Nachfrage-Angebot-Verhältnisses des Geldes und durch Anreize (Forward Guidance). Hierfür bedient man sich sodann den allseits bekannten aber oft nicht verstandenen geldpolitischen Maßnahmen.

Um diese Steuerung zu gewährleisten, ist eine kontinuierliche Beobachtung der aktuellen Gegebenheiten vonnöten. Die Stabilität, die für uns oft als selbstverständlich erscheint, basiert auf äußerst durchdachten Zusammenhängen und hängt von vielen Faktoren ab, für die jeweils unterschiedliche Steuerungsinstrumente Anwendung finden. Aus der Perspektive der Preisstabilität, ist die Konzeption einer Kryptowährung im Vergleich zum bestehenden System alles andere als fortschrittlich.

Sicher sind jedoch auch kritische Einwände gegenüber dem Fiatgeldssystem nicht unberechtigt. Die meisten zielen auf die vielen Instrumente zur Steuerung der Preisstabilität ab, denn je nachdem welche gewählt werden, entstehen dadurch für manche Gruppen Vorteile und für andere Nachteile. Länder, die auf eine langjährige Historie der Preisstabilität zurück blicken können, haben es einfacher das Vertrauen von Wirtschaftssubjekten zu gewinnen und werden daher gegenüber anderen bevorteilt.

Reversibilität fördert vernünftiges Handeln

Ein weiterer Vorteil des Fiatgeldes ist die Reversibilität. Dieser Vorteil ergibt sich direkt aus dem Bankensystem und bezieht sich auf die Bezahlung, die rückgängig gemacht werden kann. Damit wird das Partnerrisiko verringert. So können beispielsweise Zahlungen oft wieder rückgängig gemacht werden, sofern die Leistung nicht oder nicht wie gewünscht erbracht worden ist. Diese Reversibilität erfordert keine Rechtsstreitigkeiten und sichert damit einen Anreiz für vertrauenswürdige Geschäftspartnerschaften.

Kritisch wird in diesem Zusammenhang oft vorgetragen, dass Banken als Intermediäre/Treuhänder im Transaktionsprozess auftreten und damit ein Interessenskonflikt besteht. Das ist nicht unwahr, doch das System funktioniert gut genug, um Geschäfte abzuschließen, die ohne dieses Vertrauen überhaupt nicht zustande gekommen wären.

Die Reversibilität wäre auch bei Kryptowährungen vorstellbar, doch die meisten Lösungsvorschläge basieren eben auf einem Intermediär, der die Transaktion bewerkstelligt. Ein Intermediär ist immer mit höheren Kosten verbunden. Doch wer soll die tragen, da wo das Blockchain-System gar nicht dafür gedacht ist, Zwischeninstanzen zu zu lassen? Geschweige denn Zwischeninstanzen, die Geld kosten sollen? Oft wird daher die nicht vorhandene Reversibilität als Vorteil von Kryptowährungen dargestellt, wobei es genau genommen aber eher ein Bug ist.

Dass es sich um einen Vorteil handelt, mag auf gewisse Nischenbereiche zu treffen. Vor allem wenn es um Bereiche geht, in denen Transaktionen sich der staatlichen Kontrolle entziehen sollen. In der Regel sind das jedoch illegale Geschäfte. Der Großteil der getätigten wirtschaftlichen Geschäfte ist in den weiter entwickelten Ländern nicht illegal. Es gibt für das Funktionieren von diesen Geschäftstätigkeiten daher auch keinen Grund sich der staatlichen Kontrolle entziehen zu wollen.

Die Reversibilität ist ein enormer Vorteil von Fiat-Währungssystemen. Sie kostet den Käufer kaum etwas und wenn, dann oft nur hypothetisch. Für den Verkäufer können dadurch zwar Kosten entstehen, doch diese werden mit einem höheren Vertrauen seitens des Käufers belohnt. Der Einwand könnte natürlich der sein, dass sich mehr geschäftsähnliche und vor allem vertrauenswürdige Nischen bilden würden, sofern man Transaktionen ohne die Zensur des Kontrollorgans im großen Maße akzeptiert.

Diese müssten dann jedoch so vertrauenswürdig sein, dass die Reversibilität in Bezug auf das Partnerrisiko uninteressant wird. Das ist jedoch genauso unrealistisch, wie die Behauptung vieler Bitcoin-Fans, der Wohlstand würde mit einem regulierten Bankensystem negativ korrelieren. Viele Studien zeigen genau das Gegenteil. Da wo ein reguliertes Bankensystem existiert, floriert in der Regel auch die Wirtschaft und damit auch der Wohlstand.

Es kommt darauf an wie man spart

Papiergeld bricht irgendwann wertlos zusammen. Der Wert des Goldes überdauert. Jede Fiatwährung wird irgendwann kollabieren, weil jeder Staat irgendwann kollabiert. Genauso könnte man auch sagen: Der Mensch stirbt irgendwann, der Stein überdauert. Entscheidend ist also oft der eigene Lebenshorizont und nicht die mögliche “Lebensdauer” der von uns betrachteten Werte. Für unsere Lebensdauer hingegen scheint das Fiat-Währungssystem von Vorteil zu sein und das nicht ohne gute Gründe.

Die Fiatwährung ist in der Regel durch die ökonomische Stärke des jeweiligen Landes gedeckt und ein Kollaps der Wirtschaft ist nicht auszuschließen. In diesem Fall dürfte die Währung relativ zu anderen ohne Frage entwerten. Doch die Währung wertet auch ohne einen Kollaps ab. Schauen wir uns die Kaufkraft des US-Dollars seit 1913 an. Der folgende Chart (100/CPI) macht deutlich: Die Kaufkraft des US-Dollars hat in dem langen Zeitraum um 96 % nachgegeben.

Wenn du oder deine Oma also in diesem Zeitraum Geld unter der Matratze versteckt hättet, dann ist dieses Geld heute 96 % weniger wert als in 1913. Anzumerken dabei ist, dass die stärkste Phase der Geldentwertung inbesondere in der Zeit stattgefunden hat, in der der Goldstandard existierte. Und die geringste Abwertung zu Zeiten der grossen Depression statt fand. Wie der folgende Chart ebenfalls deutlich macht, dürfte sich die Kaufkraft des Geldes, sofern investiert in kurzfristige US-Anleihen, über den gleichen Zeitraum fast verdoppelt haben.

Stimmen, die behaupten das Fiatgeldsystem würde Sparer benachteiligen, missverstehen das gesamte System. Es kommt darauf an, wie man spart. Wenn man das Geld wie im oberen Beispiel dargestellt als Cash (unter der Matratze versteckt) hält, würde es seinen Wert verlieren. Im Falle eines Investments in risikolose Anleihen, die vom Risiko in etwa dem Cash-Halten gleichen, würde die Kaufkraft des investierten Geldes im Zeitraum zwischen 1925-2006 um 70 % steigen.

Fazit

Fiatgeldsysteme sind äußerst effektiv. Man kann sie mögen oder hassen, doch der Wohlstand wird derzeit in Fiatgeld gemessen. Über viele Jahrhunderte hinweg hat sich der ökonomische Wohlstand und die militärische Macht nachweislich in Länder verlagert, die statische Einschränkungen des Währungssystem immer mehr aufgehoben haben und das Vertrauen für die Kreditaufnahme in eigener Währung durch Deckung des Staates gefestigt hatten.

Die Preisstabilität wird nicht statisch, sondern dynamisch erreicht. Das ist schließlich der Grund, warum Zentralbanken oft dynamische Zielwerte für Preisschwankungen festlegen. Das wesentliche Merkmal der Preisstabilität ist ein über einen gewissen Zeitraum voraussehendes Preisniveau.

Fiatwährungen sind zum einen gedeckt durch die Arbeitskraft und den Assets aller Menschen, die ihren Verpflichtung durch die Bezahlung mittels Fiatgeld nachgehen. Zum anderen durch die Macht des Staates diese Verpflichtungen in Form des Steuersystems zu gestalten. Und zu guter Letzt durch das Bankensystem, dass Anreize dafür schafft diese Verpflichtungen zu akzeptieren.

Fiatgeld wird nicht wie oft fälschlicherweise behauptet aus der Luft erschaffen. Vergleichbar mit der Kreditkartenzahlung. Wenn du mit der Kreditkarte zahlst, dann entsteht für den Moment zusätzliches Geld im Umlauf. Doch dieses Geld muss tatsächlich vorhanden sein, ansonsten besteht für dich das Risiko das Vertrauen zu verlieren. Du bist am Ende schlicht und ergreifend kreditunwürdig.

Dasselbe gilt auch für Staaten und Zentralbanken im globalen Währungssystem. Währungen kollabieren in der Regel infolge undisziplinierter Vorgehensweise von Staaten/Politikern. Die Währung zeigt das weltweite Vertrauen gegenüber einem Land an, weshalb alleine hier ein Anreiz bestehen sollte vernünftig zu handeln.

Das tatsächliche Problem des Fiatgeldsystems ist weniger die von Bitcoin-Anhängern verbreitete Annahme, es wäre den Kryptowährungen technologisch unterlegen. Nein, es ist viel mehr überlegen, sowohl technologisch als auch ökonomisch. So sehr überlegen, dass sich daraus ein enormer Vorteil für diejenigen ergibt, die in der Lage sind solch ein System am besten zu managen.

Viel Erfolg!

EURUSD nach FED reagiert richtig

EURUSD nach FED bärisch?

Lieber Leser,

das wohl wichtigste Ereignis vor der Sommerpause ist gestern gelaufen. Die Spannung nahm im Laufe des Tages um einiges zu, als US-Inflationsdaten per Mai unter den Erwartungen ausgefallen waren. Damit wurden drei Monate in Folge schwache Daten verzeichnet. Innerhalb der Daten lässt sich immer mehr erkennen, dass der schwache Preisanstieg nun auf viele Bereiche übergreift.

Während man bei den Daten per März noch den steilsten Preisverfall im Telekommunikations-Sektor verzeichnete, griff der Preisverfall im April bereits auf den Dienstleistungssektor über. Genau genommen fielen die Preise damals schon für medizinische Dienstleistungen. Auch Mieten verzeichneten rückläufige Preise per April. Per Mai ist ein Preisrückgang in vielen Bereichen zu erkennen, Immobilien, Gesundheit, Kleidung. Die Kern-Inflation hat sich damit seit drei Monaten nicht mehr verändert.  Für eine gute Zusammenfassung kann ich diesen Artikel empfehlen:

“Summary of My Post-CPI Tweets (June 2017)”

EURUSD nach FED und Yellen bricht ein

Und was macht Jennet Yellen? Sie hebt den US-Zins an und deutet an, dass Inflationsdaten sehr “noisy” sein können. Sie ignoriert also die Entwicklung der Inflation in den letzten drei Monaten und bleibt hart bei ihrem Plan. Die Erwartungen, die sich vorher aufgebaut hatten, hat die FED damit aber erfüllt und den Markt vorerst nicht enttäuscht. Mehr noch gab sich Yellen hawkisher als gedacht und kündigte den Beginn der Bilanzverkleinerung an.

Der EUR/USD-Kurs reagiert darauf wie er darauf reagieren sollte. Es war ein hawkishes Statement. So dass der US-Dollar an Wert gewann. Doch für mich und meinen EUR/USD-Long Trade, heisst es nun erst einmal: Don`t fight the FED. Ich verstehe, dass der Markt mit hoher Wahrscheinlichkeit, Yellen die Aussagen zur Inflation über kurz oder lang nicht abkaufen wird, doch wenn ich perspektivisch in Richtung 6 Monate denke, dann will ich in diesem Zeitraum nicht in den Seilen hängen oder eben die FED bekämpfen. Daher habe ich gestern über Twitter direkt meinen Ausstieg aus dem Trade bekannt gegeben:

EURUSD Long Trade geschlossen

Viel Erfolg!

EUR/USD-Trend setzt sich erst einmal weiter fort

EUR/USD-Trend setzt sich nach EU-Inflationsdaten fort

Liebe Leser,

der EUR/USD-Trend setzt sich trotzt der Euro-Inflationsdaten fort. Wie von mir in diesem Artikel “Euro-Inflation, EZB und Italien” erwähnt, haben bereits die deutschen Daten am Dienstag angedeutet, wie sich die Inflation in der EU per Mai entwickelt haben könnte. Wie man gesehen hat, bleiben die Daten weiterhin gute Indikatoren für die EU-Inflation.

Verbraucherpreise in der EU sind per Mai und im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 % gestiegen, 0,1 % weniger als erwartet und 0,4 % weniger als per April. Das sieht wahrlich nicht nach Inflationsdruck aus. Dennoch, der Euro macht sich nichts draus und nimmt nach einem mustergültigen Retest des Trendkanals wieder die Richtung aufwärts auf.

EUR/USD-Trend ist weiter aufwärts gerichtet

Meine Erwartung war eher, dass der Euro bei Daten unter den Erwartungen, beginnen würde zu schwächeln, doch zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Gerüchte darüber, dass die EZB eventuell erwägt in der nächsten Sitzung die Forward Guidance zu überdenken. Das werten manche Marktteilnehmer als klare Positionierung innerhalb eigener Reihen (EZB) gegen die lockere Geldpolitik von Draghi.

Realzinsunterschied unterstützt den EUR/USD-Trend

Ob aber nur dieses Gerücht den Euro stabil gehalten hat, ist fraglich. Eher die weiterhin ebenfalls stabilen aber moderaten Inflationsdaten aus den USA. Denn erinnern wir uns: Momentan sorgt auch der Realzinsunterschied für eine gewisse Unterstützung im EUR/USD-Trend. Bei einer niedrigeren Inflation in der EU fällt der Realzins höher als sonst aus, während bei einer moderaten Inflation in den USA, aber einem nur geringfügig steigenden Zins der US-Realzins geringer ausfällt. Der Realzinsunterschied entwickelt sich in diesem Umfeld zu Gunsten des Euros.

Der US PCE-Preisindex fiel per Mai im Rahmen der Erwartungen, aber dennoch unter den Werten im Vormonat aus. “Das Beige Book legt nahe, dass die FED weiterhin nur eine moderate US-Inflation erwartet. In Anbetracht eines möglichen, baldigen Taperings seitens der EZB, dürfte die Stabilität im Euro wahrscheinlich solange bestand behalten bis

  1. entweder diese Erwartungen deutlich gedämpft werden, also die EZB einen bestimmten Plan vorstellt, der Marktteilnehmer enttäuscht oder
  2. die US-Inflation sichtbar anzieht und Erwartungen an einen schneller steigenden Zins schürt. Diese Erwartungen könnte die FED beschleunigen, indem sie trotzt der aktuellen Inflationsentwicklung eine stark hawkishe Stellung im Rahmen der nächsten Sitzung einnimmt.

Mögliche politische Einflüsse lasse ich in diesen Überlegung mal außen vor.

Hat China seine Finger wieder im Spiel?

Wie es auch ausgeht, interessant ist die aktuelle Situation allemal. Denn Notenbanken, allen voran die EZB stehen vor einem Dilemma: Einer soliden Konjunktur und trotzdem nur einer sich mäßig entwickelnden Inflation. Die Frage ist, liegt diese Entwicklung generell in der Natur der Sache, also haben sich Märkte dermaßen gewandelt, sodass sich Lohninflation auf einem normalen Weg nicht durchsetzen kann, oder aber liegen hier tatsächlich vorübergehende Faktoren zugrunde. So frage ich mich beispielsweise, ob nicht erneut China eine bremsende Wirkung auf die Inflation ausübt?

Diese Tatsache wäre sogar aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich, denn China ist durchaus in der Lage, wie wir  bereits wissen, durch schnelle geldpolitische und politische Maßnahmen Inflation oder Deflation in die entwickelten Länder zu exportieren. Das tut die Regierung bewusst. Vor allem in Anbetracht steigender Zinsen in den USA, durften wir das bereits mehrmals beobachten. Auch wahrscheinlich ist aus meiner Sicht, dass China, das sich gerade abschwächende Momentum in der Wirtschaft bewusst in Kauf nimmt, oder mehr noch, bewusst durch die restriktiven Maßnahmen hervorruft.

Fazit

Im Fazit heisst das: Kurz-bis mittelfristig betrachtet, bleibt mein Fokus was den EUR/USD-Trend angeht, weiterhin auf der EZB und der FED sowie der Markttechnik. Diese deutet weiterhin Potential bis ca. 1,13-1,14 US-Dollar je Euro an,  jedoch gehe ich nicht davon aus, dass wir es mit einer bereits nachhaltigen Wende im Euro zu tun haben. Weshalb ich mir so langsam Gedanken über den Ausstieg mache. Denn ich handel in der Regel Erwartungen und diese haben erfahrungsgemäß gegenüber fundamentalen Fakten das Nachsehen.

Von einer nachhaltigen Wende im EUR/USD-Trend ging ich aber auch vorher nicht aus, sondern von einer größeren Erholung. Und so langsam dürfte auch der Großteil der Erwartungen eingepreist sein und Fakten sollten nun eine größere Rolle spielen. Schaue ich aber auf die aktuellen Fakten, so sehe ich derzeit noch keinen Grund für diese Wende. Das heisst nicht, dass sich das nicht ändern kann. Der Zinsunterschied EU/USA dürfte möglicherweise aus meiner Sicht eine zu starke Aufwertung des Euro zu verhindern wissen. Es sei denn die EZB gibt sich deutlich hawkischer, was ich aber im Moment noch bezweifle.

Viel Erfolg!

Euro-Inflation, EZB und Italien

Liebe Leser,

wie ich bereits in dem Artikel “Von Hoch zu Hoch im S&P500?” angemerkt habe, wird diese Woche für den EUR/USD-Kurs wichtig sein, da die Euro-Inflation zur Veröffentlichung ansteht. Wenn Sie meine Beiträge zum EUR/USD bereits seit einiger Zeit verfolgen, dann haben Sie wahrscheinlich mitbekommen, dass ich die nächsten Inflationsdaten sowohl aus den USA als auch der EU, als beeinflussende Faktoren für die weitere Entwicklung im EUR/USD-Kurs, besonders in den Fokus gerückt habe.

Denn diese werden aus meiner Sicht entscheidend dafür sein, ob Erwartungen an das EZB-Tapering realistischer werden oder nicht. Die letzten Daten waren erwartungsgemäß schwächer, daher auch weniger gewichtig im Rahmen meiner Analyse. Die nächsten Daten werden zeigen, ob die Inflation tatsächlich einen Peak erreicht hat oder nicht. Der EUR/USD-Kurs nimmt in Erwartung der Daten folglich die Richtung abwärts auf. Was jetzt noch dazu kommt ist allerdings das politische Italien-Risiko.

Italien-Risiko zeigt erstmals sein Gesicht

Einigen Berichten zufolge könnte es zu vorgezogenen Wahlen in Italien kommen. Ich hatte bereits im Rahmen eines anderen Beitrages am Rande erwähnt, dass dieses politische Risiko signifikanter ausfallen könnte, als das aus Frankreich. Das Risiko ist nämlich, dass der rechtsextremen Partei von Beppe Grillo mehr Chancen zugesprochen werden und seine Agenda zum Italexit aggressiver ausfallen könnte als die von Le Pen. Anzumerken ist, dass man sich in Italien nun auf ein neues Wahlsystem geeinigt hat, bei dem es keine Bonussitze für den Gewinner im Parlament geben wird. Damit will man vermeiden, dass es zu einer regierenden Partei kommt. Das dürfte das Risiko von politischen Verwerfungen eindämmen.

Wie dem auch sei, das Risiko eines Kopf an Kopf Rennens zwischen Five Star Movement und Mateo Renzis PD, wird jetzt bereits teilweise eingepreist. Das zeigen auch die anderen Märkte, allen voran italienische Aktien und Anleihen. Ich halte es dennoch für etwas verfrüht, um hier bereits aufgrund von Spekulationen eindeutige Entscheidungen zu treffen, auch wenn man trotzdem hellhörig werden sollte. Mein hauptsächlicher Fokus bleibt daher bezüglich des EUR/USD-Kurses vorerst weiterhin auf den Inflationsdaten sowie der EZB und der FED.

Deutsche und Euro-Inflation stehen an

Heute Mittag bereits werden erste Inflationsdaten per Monat Mai aus Deutschland veröffentlicht. Es wird eine Steigerung von 1,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat erwartet, bei 2,0 % im April. Im Vergleich zum Vormonat soll die Inflation um 0,1 % gefallen sein, bei keiner Veränderung im April. Kurze Zeit später steht der PCE-Preisindex aus den USA an. Die Daten aus Deutschland werden mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits einiges an Erwartungen an die EU-Inflation hegen. Hier wird eine Jahresrate von 1,5 % gegenüber 1,9 % im Vormonat erwartet.

Im Fazit lässt sich sagen, dass unter den Erwartungen ausgefallene Daten den EUR/USD-Kurs aller Voraussicht nach weiter belasten werden. Und zwar womöglich mehr als andersherum, denn die Erwartungen sind bereits niedrig angesetzt. Zeichnet sich zeitgleich eine festere US-Inflation in Form der Konsumausgaben ab, könnte auch das die Korrektur im EUR/USD-Kurs beschleunigen. In diesem Szenario würde ich mir dann erste Gedanken über den Ausstieg aus meiner EUR/USD- Position machen.

Sollte die deutsche sowie Euro-Inflation im Rahmen der Erwartungen oder sogar darüber ausfallen, bleibe ich weiterhin bullisch für den EUR/USD, sofern sich die Spekulation um die italienischen Wahlen nicht zuspitzt. Zumal ich nun teilweise auch davon ausgehe, dass der Ölpreis im Laufe des Jahres aufgrund einiger Faktoren weiterhin stabil bleiben wird. Er wird die Inflation zwar nicht unbedingt nachhaltig anschieben können, sofern er weiterhin nur seitwärts verharrt. Aber Sie wissen ja: Den größten Teil in einer Kursentwicklung macht die Erwartung aus, alles andere kommt meist zu spät.

EUR/USD Chartanalyse

Viel Erfolg!

Platzt die Bitcoin-Blase bald oder nicht?

Die Sache mit der Bitcoin-Blase

Liebe Leser,

der Bitcoin oder besser gesagt die Bitcoin-Blase, ist aktuell in aller Munde, denn der Preis hat sich alleine in diesem Jahr verdoppelt. Rein markttechnisch betrachtet, sieht es stark nach einer Blasenbildung aus. Ich persönlich vertrete jedoch die Meinung, dass das fundamental betrachtet, ebenfalls der Fall sein könnte. Sie fragen sich höchstwahrscheinlich woher ich meine Überzeugung her nehme. Denn es ist ja nicht so, als wäre ich Experte auf dem Gebiet Kryptowährungen. Geschweige denn verstehe ich wie eine Blockchain aufgebaut ist oder was sie tatsächlich ausmacht.

wann platzt die bitcoin-blase?

Nein da haben Sie recht. Mein Wissenstand, was Kryptowährungen angeht, ist ziemlich gering. Wenn ich ehrlich bin, haben mich Kryptowährungen noch vor ein Paar Monaten kaum interessiert. Ich gehe trotzdem soweit zu sagen, dass der Bitcoin als echte Alternativwährung zurzeit keine nennenswerten Chancen hat. Meine Einschätzung basiert dabei weniger auf der Technik und den ganzen Details rund um den Bitcoin selbst. Sie basiert auf den Eigenschaften einer stabilen und akzeptierten Währung.

Das ist es. Nicht mehr und nicht weniger. Ich halte es aufgrund dessen für unwahrscheinlich, dass der Bitcoin oder eine andere nicht von der Regierung akzeptierte, digitale Währung derzeit eine echte Chance darauf hat, mehr als nur eine Spekulation zu sein. Für mich ist z.B. klar: Eine echte Währung muss das Vertrauen der Menschen in ihre Stabilität haben.

Alleine diese Eigenschaft kann ich im Falle des Bitcoins jedoch verneinen. Jetzt können Sie natürlich einwenden, dass man das Vertrauen in die Notenbanken und in das Währungssystem längst verloren hat. Auch dieses Argument geht, meiner Meinung nach, am eigentlichen Thema vorbei.

Der Bitcoin entzieht sich dem demokratischen Rechtssystem

Es geht nämlich nicht um die Institutionen, in die Sie Vertrauen haben sollten. Institutionen sind nur die ausführenden Organe. Es geht um das System, dass mit Hilfe von Gesetzen und der Regulierung kontrolliert wird. Nur mit Hilfe dieser Gesetze und der entsprechenden Regulierung kann ein gewisses Vertrauen in ein System aufgebaut und schließlich auch langfristig orientierte Investoren angezogen werden. Ein demokratisches Rechtssystem. Darin leben wir seit vielen Jahren und darauf basiert auch unser Währungssystem.

Wenn ich also immer wieder lesen oder hören muss, wie toll doch der Bitcoin ist, weil er sich diesem System entzieht, muss ich mich immer wieder fragen, ob ich derjenige bin, der nicht verstanden hat, was der Zweck der gesetzlichen Regulierung ist oder die anderen. Ist klar, dass ich eher zum letzteren tendiere, auch wenn es etwas arrogant klingt. Aber besser arrogant als am Ende pleite.

Denn, am Ende wird es auch der letzte merken. Spätestens dann, wenn die Bitcoin-Blase geplatzt ist, die Liquidität aber nicht ausreicht, um glimpflich aus der Misere zu kommen. Dann versteht vielleicht auch der letzte, was mit “Vertrauen in eine Währung” gemeint ist. Nicht das Vertrauen in eine Institution, sondern in ein Recht, das einem zusichert sein Kapital zu jeder Zeit umschichten zu können.

Und falls Sie immer noch denken, “was weiss der denn schon”. Dann empfehle ich Ihnen diesen Beitrag zu lesen. “My great bitcoin bungle”. Der Autor dieses Blogs hat mehr als zwanzig Jahre Erfahrung im institutionellen Handel und tatsächlich auch Erfahrung im Handel von Bitcoins. Vielleicht wird Sie seine Meinung überzeugen können.

Viel Erfolg!