Trading-Chancen in der Agrarbranche?

It`s a stock picker market. Diesen Satz hört und liest man zurzeit öfters. Und teilweise scheint das auch zu stimmen, denn, wenn wir uns die Performance so einiger führender Indizes anschauen und mit der von ausgewählten Einzelwerten vergleichen, dann wird das auf den ersten Blick bestätigt. Doch man sollte den Vergleich auch richtig anstellen. Ein Vergleich z.B. zwischen dem DAX-Index und der Wirecard-Aktie wäre leicht aus dem Kontext gegriffen.

Die Wirecard-Aktie ist im TecDAX Index gelistet und deren Performance sollte daher mit dem TecDAX Index verglichen werden. Dieser ist wiederum vor zwei Wochen auf ein neues Allzeithoch (seit Platzen der Dot-Com Blase) gestiegen und bestätigte damit die Outperformance von Technologiewerten gegenüber den Industriewerten, was aber seit bereits Anfang 2017 der Fall ist. Richtig wäre es daher womöglich zu sagen “it`s a sector/industry picker market”.

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Stock Picking könnte sich dennoch derzeit lohnen

Nichtdestotrotz schätze ich mal, dass ein Stock Picker derzeit stark auf seine Kosten kommen dürfte, insbesondere, wenn man in den Nebenwertebereich blickt und dann sogar noch unterteilt nach Ländern. Dass US Nebenwerte aufgrund der Steuerreform mehr gefragt sein dürften, als noch vor zwei Jahren, sollte klar sein.

Allerdings spiegelt das der Russel 2000 Index auf den ersten Blick nicht ganz so wider. Dieser konsolidiert innerhalb des zulaufenden Dreiecks und wurde sogar durch den S&P 500 Index in den letzten Wochen outperformt. Seit Beginn des Jahres hat der Russel 2000 allerdings mit 8,8 %, ca. 3,7 % mehr Rendite erzielt, als der breit gefasste Marktindex S&P 500. Was aber aufgrund des Bullenmarktes an sich nicht ungewöhnlich sein sollte.

S&P 500 Index im Vergleich zum Russel 2000 Small Cap Index

Konzentrierte externe Faktoren begünstigen das Stock Picking

Ein Stock Picker Markt wird per Definition als ein Markt bezeichnet, indem die positive Korrelation zwischen den Einzelwerten immer weiter abnimmt und weniger die konjunkturübergreifenden Faktoren in den Vordergrund rücken, sondern die unternehmensinternen. Bezogen auf das obige Beispiel mit der Steuerreform, dürften jedoch selbst diese unternehmensinternen Faktoren stark von externen beeinflusst werden. Nur eben in einer etwas konzentrierteren Form. Zu dem generellen Bullenmarkt, der im Allgemeinen die Big Player repräsentiert, gesellt sich ein weiterer, stützender Faktor hinzu.

Aus Sicht der Fonds-Manager ist das zu begrüßen, denn eine Outperformance zum ohnehin bereits stark laufenden US-Gesamtmarkt zu erzielen, wird mit Hilfe der klassischen Methoden nur sehr schwer sein. Daher ist ein sogenannter Stock Picker Markt eine willkommene Entwicklung. Dennoch, nur, weil ein Stock Picker Markt da ist, wird es dadurch nicht einfacher für die Manager oder die Trader. Denn Aktien auszuwählen, ist je nach Strategie, ein aufwändiger Prozess, der Ressourcen erfordert.

Trading-Chancen in der Agrarbranche tun sich auf

Ich persönlich finde daher den Ansatz des “Industry Pickings” oder in Deutsch der “Branchenauswahl” interessant. Dieser Ansatz kann die Basis im Auswahlprozess bilden und die weitere Suche nach Einzelwerten erleichtern. Die meisten werden mir wahrscheinlich zustimmen, wenn ich sage, dass es aus meiner Sicht, im kurz- bis mittelfristigen Trading von Aktien, wenig Sinn macht Werte zu handeln, die sich nicht in einem gesunden Branchentrend befinden. Ich halte daher immer wieder nach interessanten Entwicklungen in den jeweiligen Branchen und natürlich auch Sektoren Ausschau und eine, die ich nun seit einiger Zeit im Blick habe, ist die Agrarbranche. Hier könnten sich nun durchaus zumindest Trading-Chancen in der Agrarbranche auftun, die ein passables CRV nicht nur auf Basis der Charttechnik aufweisen.

 

Agrarbusiness ETF Van Eck Vectors MOO Chart auf Tagesbasis

Der Chart oben repräsentiert die Agrarbranche in Form des VanEck Vectors Agribusiness ETFs (MOO). Der ETF hält zurzeit insgesamt 58 Werte aus der Branche weltweit, mit der größten Position in der kanadischen Aktie des Unternehmens Nutrien. 48,17 % des Exposures sind in den USA, gefolgt von 8,23 % in Kanada. Seit ca. 2016 scheint die Agrarbranche gemäß dem ETF in einem Aufwärtstrend zu sein und die markanten Hochs aus den Jahren 2011 und 2015 wurden im vergangenen Jahr überschritten, also wurde die langfristige Konsolidierung verlassen.

Konsolidierung könnte im ETF beendet werden

In diesem Jahr konsolidiert der ETF erneut und bietet damit womöglich eine gute Gelegenheit, um Käufe zu tätigen. Da der ETF auch in Schwellenländern investiert ist, dürfte der generelle Bullentrend in den Schwellenländern vor Beginn des aktuellen Jahres stark zur positiven Entwicklung im ETF beigetragen haben. Seit Anfang dieses Jahres dürften jedoch viele der gehaltenen Werte aus den Schwellenländern im Minus notieren und hauptsächlich Werte aus Nordamerika eine Outperformance aufweisen. Hier kommt nun das oben besagte Stock Picking ins Spiel.

Insbesondere Werte, die Düngemittel herstellen, zeigen nun seit einigen Monaten eine positive Entwicklung in Form einer technischen Bodenbildung. So sieht es in der Aktie von Nutrien (CA67077M1086), einem direkten Konkurrenten der deutschen K+S AG (DE000KSAG888) und der größten Position in dem Van Eck ETF, nach einer Bodenbildung aus. Weitere Werte, die auf meine erste Auswahlliste kommen, sind CF Industries (US1252691001), Mosaic (US61945C1036), ICL Israel Chemicals (IL0002810146), CVR Partners (US1266331065) oder Interpid Potash (US46121Y1029). Ich werde in Kürze einen näheren Blick im Rahmen eines anderen Blog-Beitrags auf die einzelnen Unternehmen werfen. Unter anderem auf die Charttechnik sowie die fundamentalen Daten.

Erwartungen einiger Nitrogen-Düngemittel Herstellen deuten auf ein positiven CRV hin

Einige dieser Unternehmen haben bereits die Zahlen per zweites Quartal präsentiert und damit Analysten und Anleger teilweise überraschen können. Auch die Prognosen fielen teilweise positiv aus. Einige nordamerikanische Werte laufen derzeit nicht nur generell besser, sondern weil zum einen sich die Gaspreise im Vergleich zu anderen Ländern auf einem niedrigen Niveau halten, bei gleichzeitig steigender Nachfrage nach Nitrogen-Düngemitteln, dessen Herstellung mittels Erdgas bewerkstelligt wird.

Nitrogen-Düngemittel nehmen laut IFA (International Fertilizer Industry Association) ca. 60 % des gesamten weltweiten Düngemittelbedarfs ein. Zudem werden sie, anders als Kalium- und Phosphor-Dünger, jedes Jahr, also kontinuierlich, benötigt. Zu den Unternehmen, die im Nitrogen-Segment stark involviert sind, gehören z.B. CF Industries oder CVR Partners.

CF Industries Aktie Chart auf Tagesbasis mit technischer Bodenbildung

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