goldpreis-anstieg nachhaltig?

Spekulieren auf den Goldpreis-Anstieg?

Liebe Leser,

der Goldpreis-Anstieg, der sich zuletzt ereignete, sowie die Erholungen in anderen Metallpreisen, lassen auf den ersten Blick den Schluss zu, dass die große Konsolidierung im Goldpreis womöglich vorbei sein könnte.

Nachdem der Preis nun über ein Jahr lang in seiner Konsolidierungsphase gefangen war, wagte er in der vergangenen Woche einen erneuten, technischen Ausbruch. Spielt hier das erhöhte geopolitische Risiko eine Rolle oder haben wir es womöglich mit andere relevanten Faktoren zu tun?

Revidieren wird doch einmal die Geschehnisse rund um den Goldpreis seit dem er in 2016 ein abruptes Reversal an den Tag gelegt hatte.

Im Goldpreis-Anstieg spielten Risiken eine wichtige Rolle

Erhöhte Risiken gingen in diesem Jahr vom Brexit-Referendum aus, sowie flammte kurz US-Rezessionsangst auf. Doch nicht nur das. Auch die Inflation näherte sich seit Langem wieder den oberen Gefilden.

Gleich im Anschluss an das Brexit-Referendum ging der Goldpreis erneut in den Abwärtstrend über. Dieser wurde zwar aufgrund von US-Wahlen leicht gestört, doch auch nachdem dieses Risiko vom Tisch war, brach der Goldpreis weiter ein.

Er erreichte dabei zwar nicht mehr das Tief aus Ende 2015, kam diesem aber sehr nahe. Das zeigt, dass die beiden Risiken doch eine durchaus entscheidende Rolle zuvor gespielt hatten.

Mehr noch, im Anschluss an die US-Wahlen, waren die Erwartungen an eine Konjunkturbelebung so hoch, dass man Risiken förmlich ausgeblendet hatte und davon ausging, die FED würde nun mit allen Händen und Füssen straffen müssen.

US-Dollar schießt übertrieben nach oben

Also schoss der US-Dollar, man kann sagen, übertrieben nach oben und der Goldpreis brach nochmals ein. Er erholte sich im Anschluss in Richtung 1.300 US-Dollar, hatte diese aber nicht überschritten und konsolidierte bis heute innerhalb einer Spanne zwischen ca.  1.200-1.295 US-Dollar je Feinunze.

Die Erholung des Goldpreises setzte gleichzeitig mit dem Hoch im US-Dollar Index ein und mit dem ersten Zinsschritt der FED im Dezember 2016. Wir sollten daher annehmen, dass der Goldpreis den Einbruch im US-Dollar Index, zumindest zum Teil bereits eingepreist hat.

Fasse ich also kurz zusammen, dann würde ich sagen, dass die beiden aktuell tatsächlich unterstützenden Faktoren für den Goldpreis eben der US-Dollar sowie das geopolitische Risiko sind. Denn die Inflation, wie man oben sieht, sendet zuletzt erneut deutliche Schwächesignale aus.

Die Details der zuletzt schwächeren Inflationsentwicklung legen jedoch auch nahe, dass Jennet Yellen womöglich Recht damit hat, wenn sie sagt, dass die schwache Entwicklung nur temporärer Natur ist. Nur, wie lange heisst temporär?

Es ist schwer zu sagen, ob der Goldpreis aus Gründen erhöhter Inflationserwartungen in 2016 nach oben geschossen ist oder weil die Risiken Brexit und US-Wahlen hier eine übergeordnete Rolle gespielt haben.

Am Preisverhalten gleich im Anschluss an das Reversal gemessen, erscheint mit eher das zweite plausibler. Da ich jedoch kein Freund davon bin, auf geopolitische Risiken bei meinen Trades zu setzen, bleibt mir also nur noch der US-Dollar sowie die Inflation als unterstützende Faktoren, wenn ich mir eine Story rund um einen steigenden Goldpreis bauen will.

Die zwei Faktoren

Schauen wir uns also an, wovon diese beiden Faktoren abhängen.

  1. Der US-Dollar ist derzeit zum Einen von den Erwartungen an Trumps Fiskalmaßnahmen abhängig sowie der FED-Geldpolitik.
  2. Die Inflation ist im ersten Schritt von sich selbst abhängig, oder besser gesagt von der Konjunktur und deren Fähigkeit höhere Preise weiter zu geben. Und im zweiten Schritt ebenfalls von der FED.

Dass Trumps geplante Maßnahmen noch in diesem Jahr umgesetzt werden, daran glauben derzeit nur noch die wenigsten. Der US-Dollar hat diese Erwartungen sehr schnell ausgepreist und der Goldpreis konnte damit Unterstützung finden.

Der Goldpreis-Anstieg könnte aus dieser Betrachtung heraus weitere Unterstützung finden, sofern der US-Dollar-Einbruch noch nicht gänzlich eingepreist ist. Doch viel Luft nach oben sehe ich da derzeit nicht mehr, zumal der US-Dollar Index nun an einer entscheidenden relevanten Unterstützung angekommen ist und ein Rebound zu erwarten ist.

Was die Inflation angeht, so wurde auch in dieser Hinsicht mit hoher Wahrscheinlichkeit nun eine wartende Haltung eingenommen. Unterstützend kann sie also derzeit kaum sein, es sei denn man spekuliert darauf, dass sie in Kürze wieder deutlich anzieht.

Diese Spekulation wäre aus meiner Sicht durchaus eine Überlegung wert, vor allem, wenn der US-Dollar weiter nachgibt. Doch aktuell sehe ich in den Daten keine Anhaltspunkte dafür.

Ich kann mich natürlich täuschen und die steigenden Metallpreise und womöglich bald der Ölpreis, deuten als Indikatoren auf eine Wiederbelebung der Inflation hin. Aus meiner Sicht es es aber noch zu früh, um darüber zu entscheiden. Und zu guter Letzt ist bei der ganzen Sache fraglich, wie die FED reagieren wird, sofern die Inflation erneut anzieht?

Fazit

Bevor ich angefangen habe diesen Artikel hier zu verfassen, war ich drum und dran den Goldmarkt als eine weitere aussichtsreiche Trading-Chance für das zweite Halbjahr 2017 zu begreifen. Doch im Laufe des Schreibens habe ich meine Meinung wieder geändert.

Denn, aus meiner Sicht und sofern ich die fundamentalen Einflüsse betrachte, bleibt das Aufwärts-Potential für den Goldpreis weiterhin begrenzt, auch wenn die Markttechnik hier zuletzt eine andere Sprache spricht.

Der Goldpreis-Anstieg ist, wie in der jüngsten Vergangenheit eindeutig sichtbar geworden, doch sehr von Risiken abhängig und wenn diese keine Rolle spielen, dann konsolidiert er und das hat auch einen guten und fundamentalen Grund.

Auf der einen Seite profitiert er zwar aktuell von einem schwächeren US-Dollar, auf der anderen ist aber die Inflationsentwicklung zu schwach, um die Nachfrage nach dem Edelmetall wirklich anheizen zu können.

Mir ist aber nur der reine Risiko-Aspekt für eine Spekulation nicht fassbar genug und eine Risiko-Chancen Einschätzung, ist aus meiner Sicht auf dieser Basis kaum möglich.

Sollte die Inflation erneut anziehen, gleichzeitig der US-Dollar aus welchen Gründen auch immer, weiter geschwächt bleiben. Dann würde ich sicherlich meine Meinung wieder revidieren und überlegen über Einzelwerte auf einen Goldpreis-Anstieg zu spekulieren.

Viel Erfolg!

 

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