Jetzt auf Goldpreis spekulieren?

Auf den steigenden Goldpreis spekulieren (Teil 2) – Diese Aktie kaufe ich!

Liebe Leser,

vor einigen Wochen habe ich mich im Rahmen dieses Beitrags: Spekulieren auf den Goldpreisanstieg? zum derzeitigen Stand im Goldpreis geäußert und ob ich es für eine gute Idee halte, ein Produkt zu kaufen, um auf den steigenden Goldpreis zu spekulieren. Die, meiner Meinung nach, wichtigsten Faktoren, die zum abrupten Anstieg im Goldpreis ab Anfang 2016 beigetragen haben, waren zum einen die steigende Inflation in den USA, das Brexit-Referendum, sowie später der fallende US-Dollar.

Aus dieser Analyse heraus stand für mich fest, dass ich auf den steigenden Goldpreis spekulieren würde, sofern einer der beiden Faktoren Inflation oder US-Dollar, die Aussicht auf einen weiter steigenden Goldpreis unterstützt. Da ich nicht viel davon halte auf (geo)-politische Risiken zu setzen, blende ich diesen Faktor aus. Die Inflation ist, wie wir wissen, in den letzten Monaten erneut schwächer ausgefallen. Der US-Dollar in Form des US-Dollar Index hat einen starken Verfall in Richtung des 200-Wochendurchschnitts verzeichnet.

US-Dollar Chartanalyse

 

Es tut sich etwas beim US-Dollar

Aus meiner Sicht, standen die beiden Parameter vor einigen Woche noch nicht unbedingt günstig, um auf den steigenden Goldpreis zu spekulieren. Inflation war geringer, US-Dollar an entscheidender technischer Unterstützung. Ich schrieb:

Denn, aus meiner Sicht und sofern ich die fundamentalen Einflüsse betrachte, bleibt das Aufwärts-Potential für den Goldpreis weiterhin begrenzt, auch wenn die Markttechnik hier zuletzt eine andere Sprache spricht.

Der Goldpreis-Anstieg ist, wie in der jüngsten Vergangenheit eindeutig sichtbar geworden, doch sehr von Risiken abhängig und wenn diese keine Rolle spielen, dann konsolidiert er und das hat auch einen guten und fundamentalen Grund.

Auf der einen Seite profitiert er zwar aktuell von einem schwächeren US-Dollar, auf der anderen ist aber die Inflationsentwicklung zu schwach, um die Nachfrage nach dem Edelmetall wirklich anheizen zu können.

Sollte die Inflation erneut anziehen, gleichzeitig der US-Dollar aus welchen Gründen auch immer, weiter geschwächt bleiben. Dann würde ich sicherlich meine Meinung wieder revidieren und überlegen über Einzelwerte auf einen Goldpreis-Anstieg zu spekulieren.

Diese Einschätzung behalte ich weiterhin bei. Längerfristig sehe ich im Goldpreis begrenztes Upside-Potential, es sei denn geopolitische Risiken treten stark in den Vordergrund. Kurz bis mittelfristig scheint sich nun zumindest im US-Dollar Index etwas zu Gunsten des Goldpreises zu tun, nachdem das Sysmposium in Jackson Hole am vergangenen Freitag gelaufen ist. Siehe Chart oben.

Es ist auch möglich, dass sich die Inflation demnächst ebenfalls aus ihrere Delle nach oben bewegen wird. Für eine kurz- bis mittelfristige Spekulation auf den steigenden Goldpreis, stehen die Ampeln nun daher aus meiner Sicht auf gelb. Hier sollte man selbst entscheiden, ob man bereits jetzt einsteigt, wie ich es vor habe oder die Bestätigung anderer Faktoren abwartet. Komme ich zu der Aktie, die ich dafür ins Blickfeld gefasst habe.

Mit dieser Aktie auf den steigenden Goldpreis spekulieren

Ich habe bereits vor einiger Zeit angekündigt, dass ich meine Engagements immer mehr in Richtung Einzelwertehandel verlagere, was so viel heisst, dass ich nach Möglichkeit keine gehebelten Produkte wie CFDs oder Futures mehr bevorzugen werde. Selbst, wenn ich mich bei meiner Analyse weiterhin auf Indizes, Gold, Öl und andere stützen werde. Warum ich das für überaus sinnvoll halte und auch anderen empfehlen würde, dazu verfasse ich bei Gelegenheit einen speziellen Beitrag.

Viele der großen Goldproduzenten, wie etwa Barrick Gold oder Goldcorp, rechnen für dieses Jahr mit einer fallenden Goldproduktion. Bei generell niedrigen Goldpreisen, ist es jedoch in der Regel wichtig, dass Produzenten mehr produzieren, um das Umsatzwachstum gewährleisten zu können. Ebenso können über den Produktionspreis, Einsparungen dabei helfen das Umsatzwachstum oder zumindest Erwartungen daran aufrecht zu erhalten. Auf die Verschuldung gehe ich mal hier jetzt nicht ein.

Es ist daher naheliegend, dass Produzenten wie Newmont Mining, Kinross Gold oder auch IAMGOLD, in diesem Jahr mehr Zugewinne im Kurs verzeichneten als die Peers bei denen eine tendenziell fallende Produktion erwartet wird. Getrost dem Motto: Kaufe den stärksten Wert und verkaufe den schwächsten, würde ich persönlich daher in diesem Fall, den Kauf von IAMGOLD bevorzugen, um auf den steigenden Goldpreis zu spekulieren. Hinzu kommt, dass IAMGOLD anhand des erwartetes EV/EBITDAs im Vergleich zu den Peers, immer noch recht günstig bewertet ist.

IAMGOLD Chartanalyse

Eine ebenfalls interessante Einschätzung für den Goldpreis finden sie auch hier: “I’am buying Gold” von Investor und Blogger Michael Battnick. Er geht im Rahmen seiner statistischen Analyse davon aus, dass das Upside-Potential größer ist als das Downside-Potential. Was aber natürlich nicht heissen muss, dass es stark in Richtung Upside gehen wird. Einfach ausgedrückt, sieht er ein günstiges Chancen-Risiko-Verhältnis.

The reason why trend following works with gold is because gold doesn’t trade on fundamentals, it trades on sentiment and emotion, which looks something like this.

I view this purchase as a lottery ticket, with better odds. It has negative expected returns, but if it ends up in the black, it should be solidly gold.

Viel Erfolg!

goldpreis-anstieg nachhaltig?

Spekulieren auf den Goldpreis-Anstieg?

Liebe Leser,

der Goldpreis-Anstieg, der sich zuletzt ereignete, sowie die Erholungen in anderen Metallpreisen, lassen auf den ersten Blick den Schluss zu, dass die große Konsolidierung im Goldpreis womöglich vorbei sein könnte.

Nachdem der Preis nun über ein Jahr lang in seiner Konsolidierungsphase gefangen war, wagte er in der vergangenen Woche einen erneuten, technischen Ausbruch. Spielt hier das erhöhte geopolitische Risiko eine Rolle oder haben wir es womöglich mit andere relevanten Faktoren zu tun?

Revidieren wird doch einmal die Geschehnisse rund um den Goldpreis seit dem er in 2016 ein abruptes Reversal an den Tag gelegt hatte.

Im Goldpreis-Anstieg spielten Risiken eine wichtige Rolle

Erhöhte Risiken gingen in diesem Jahr vom Brexit-Referendum aus, sowie flammte kurz US-Rezessionsangst auf. Doch nicht nur das. Auch die Inflation näherte sich seit Langem wieder den oberen Gefilden.

Gleich im Anschluss an das Brexit-Referendum ging der Goldpreis erneut in den Abwärtstrend über. Dieser wurde zwar aufgrund von US-Wahlen leicht gestört, doch auch nachdem dieses Risiko vom Tisch war, brach der Goldpreis weiter ein.

Er erreichte dabei zwar nicht mehr das Tief aus Ende 2015, kam diesem aber sehr nahe. Das zeigt, dass die beiden Risiken doch eine durchaus entscheidende Rolle zuvor gespielt hatten.

Mehr noch, im Anschluss an die US-Wahlen, waren die Erwartungen an eine Konjunkturbelebung so hoch, dass man Risiken förmlich ausgeblendet hatte und davon ausging, die FED würde nun mit allen Händen und Füssen straffen müssen.

US-Dollar schießt übertrieben nach oben

Also schoss der US-Dollar, man kann sagen, übertrieben nach oben und der Goldpreis brach nochmals ein. Er erholte sich im Anschluss in Richtung 1.300 US-Dollar, hatte diese aber nicht überschritten und konsolidierte bis heute innerhalb einer Spanne zwischen ca.  1.200-1.295 US-Dollar je Feinunze.

Die Erholung des Goldpreises setzte gleichzeitig mit dem Hoch im US-Dollar Index ein und mit dem ersten Zinsschritt der FED im Dezember 2016. Wir sollten daher annehmen, dass der Goldpreis den Einbruch im US-Dollar Index, zumindest zum Teil bereits eingepreist hat.

Fasse ich also kurz zusammen, dann würde ich sagen, dass die beiden aktuell tatsächlich unterstützenden Faktoren für den Goldpreis eben der US-Dollar sowie das geopolitische Risiko sind. Denn die Inflation, wie man oben sieht, sendet zuletzt erneut deutliche Schwächesignale aus.

Die Details der zuletzt schwächeren Inflationsentwicklung legen jedoch auch nahe, dass Jennet Yellen womöglich Recht damit hat, wenn sie sagt, dass die schwache Entwicklung nur temporärer Natur ist. Nur, wie lange heisst temporär?

Es ist schwer zu sagen, ob der Goldpreis aus Gründen erhöhter Inflationserwartungen in 2016 nach oben geschossen ist oder weil die Risiken Brexit und US-Wahlen hier eine übergeordnete Rolle gespielt haben.

Am Preisverhalten gleich im Anschluss an das Reversal gemessen, erscheint mit eher das zweite plausibler. Da ich jedoch kein Freund davon bin, auf geopolitische Risiken bei meinen Trades zu setzen, bleibt mir also nur noch der US-Dollar sowie die Inflation als unterstützende Faktoren, wenn ich mir eine Story rund um einen steigenden Goldpreis bauen will.

Die zwei Faktoren

Schauen wir uns also an, wovon diese beiden Faktoren abhängen.

  1. Der US-Dollar ist derzeit zum Einen von den Erwartungen an Trumps Fiskalmaßnahmen abhängig sowie der FED-Geldpolitik.
  2. Die Inflation ist im ersten Schritt von sich selbst abhängig, oder besser gesagt von der Konjunktur und deren Fähigkeit höhere Preise weiter zu geben. Und im zweiten Schritt ebenfalls von der FED.

Dass Trumps geplante Maßnahmen noch in diesem Jahr umgesetzt werden, daran glauben derzeit nur noch die wenigsten. Der US-Dollar hat diese Erwartungen sehr schnell ausgepreist und der Goldpreis konnte damit Unterstützung finden.

Der Goldpreis-Anstieg könnte aus dieser Betrachtung heraus weitere Unterstützung finden, sofern der US-Dollar-Einbruch noch nicht gänzlich eingepreist ist. Doch viel Luft nach oben sehe ich da derzeit nicht mehr, zumal der US-Dollar Index nun an einer entscheidenden relevanten Unterstützung angekommen ist und ein Rebound zu erwarten ist.

Was die Inflation angeht, so wurde auch in dieser Hinsicht mit hoher Wahrscheinlichkeit nun eine wartende Haltung eingenommen. Unterstützend kann sie also derzeit kaum sein, es sei denn man spekuliert darauf, dass sie in Kürze wieder deutlich anzieht.

Diese Spekulation wäre aus meiner Sicht durchaus eine Überlegung wert, vor allem, wenn der US-Dollar weiter nachgibt. Doch aktuell sehe ich in den Daten keine Anhaltspunkte dafür.

Ich kann mich natürlich täuschen und die steigenden Metallpreise und womöglich bald der Ölpreis, deuten als Indikatoren auf eine Wiederbelebung der Inflation hin. Aus meiner Sicht es es aber noch zu früh, um darüber zu entscheiden. Und zu guter Letzt ist bei der ganzen Sache fraglich, wie die FED reagieren wird, sofern die Inflation erneut anzieht?

Fazit

Bevor ich angefangen habe diesen Artikel hier zu verfassen, war ich drum und dran den Goldmarkt als eine weitere aussichtsreiche Trading-Chance für das zweite Halbjahr 2017 zu begreifen. Doch im Laufe des Schreibens habe ich meine Meinung wieder geändert.

Denn, aus meiner Sicht und sofern ich die fundamentalen Einflüsse betrachte, bleibt das Aufwärts-Potential für den Goldpreis weiterhin begrenzt, auch wenn die Markttechnik hier zuletzt eine andere Sprache spricht.

Der Goldpreis-Anstieg ist, wie in der jüngsten Vergangenheit eindeutig sichtbar geworden, doch sehr von Risiken abhängig und wenn diese keine Rolle spielen, dann konsolidiert er und das hat auch einen guten und fundamentalen Grund.

Auf der einen Seite profitiert er zwar aktuell von einem schwächeren US-Dollar, auf der anderen ist aber die Inflationsentwicklung zu schwach, um die Nachfrage nach dem Edelmetall wirklich anheizen zu können.

Mir ist aber nur der reine Risiko-Aspekt für eine Spekulation nicht fassbar genug und eine Risiko-Chancen Einschätzung, ist aus meiner Sicht auf dieser Basis kaum möglich.

Sollte die Inflation erneut anziehen, gleichzeitig der US-Dollar aus welchen Gründen auch immer, weiter geschwächt bleiben. Dann würde ich sicherlich meine Meinung wieder revidieren und überlegen über Einzelwerte auf einen Goldpreis-Anstieg zu spekulieren.

Viel Erfolg!

 

Geht der Ölpreis Kampf in die zweite Runde?

Ölpreis – Das Gesamtbild trübt sich ein!

Liebe Leser,

Aktienindizes haben gestern den Rückwärtsgang eingelegt. Das kommt wenig überraschend, denn das ist, was ich bereits seit der letzten Rede von Donald Trump erwartet hatte und mehrmals angesprochen habe. Es gibt seit dem kaum mehr etwas einzupreisen und der Vorlauf von Soft-Daten gegenüber den Hard-Daten, unterstützte diese Sichtweise. Es ist daher der beste Zeitpunkt für eine Anpassung der Erwartungen an die Realität.

Ob der Ölpreis dabei nun eine zusätzliche Rolle spielt, das kann man nicht genau beantworten. Aber Fakt ist, dass es unter der Decke in den US-Indizes bereits erste Anzeichen einer Schwächephase  gab. So hat beispielsweise der Dow Jones Transportation Index massiv nachgegeben. Auch  der Dow Jones Industrials Average Index hat seit der Rede Trumps nicht mehr zu neuen Hochs gefunden.

 

Dow Jones Trasportation Index

 

 

 

Aber, im Nachhinein hört sich das alles sehr plausibel an und wenn die Märkte weiter gestiegen wären, dann würde ich das jetzt hier wahrscheinlich nicht schreiben. So funktioniert das Börsenmediengeschäft.  Ich will mich daher ganz bestimmt nicht in Beweihräucherung verlieren, sondern einfach nur darauf hinweisen, dass es sich manchmal lohnt, zwischen den Zeilen zu lesen.

Denn der Fokus liegt weniger auf definitiven Prognosen, sondern Gedankengängen, die für den ein oder anderen Trader oder aktiven Anleger von Nutzen sein könnten, zumal ich des Öfteren Analysemittel- und Methoden vorstelle, die ebenfalls neu und interessant sein könnten. Der passive Anleger kann sich derweil zurück lehnen und abwarten. Für diesen habe ich demnächst ebenfalls etwas parat :-).

Der Ölpreis hat in den vergangenen Wochen mehr als 10 % nachgegeben. Diesbezüglich habe ich mich etwas intensiver mit dem COT-Report beschäftigt. Denn, laut den Medienberichterstattungen soll die Nettolong-Positionierung der großen Spekulanten zwischenzeitig auf ein Rekord-Level gestiegen sein.

Das ist mit Sicherheit ein gefundenes Fressen für die Medien, aber wie ich hier in diesem Bericht Die Sache mit den Ölspekulanten fest gestellt habe. Im Verhältnis zum Open Interest, fällt das Volumen im Vergleich zu 2014 geringer aus. So bullisch, wie angenommen, waren die Spekulanten also noch lange nicht. Was das Open Interest ist, können Sie auch hier in diesem Gastbeitrag von mir Die Ölspekulanten und das Open Interest nachlesen.

Gleichzeitig hatte ich festgestellt, dass es, wenn überhaupt und für kurz- bis mittelfristige Händler, mehr Sinn macht die Veränderungen bei den Bruttopositionen und dem Open Interest zu beobachten. Denn per COT-Report vom 21. Februar, haben große Spekulanten erstmals massiv ihre Bruttolong-Long Positionen abgebaut, unter einem gleichzeitig stark verringerten Open Interest.

Zu diesem Zeitpunkt, war der Ölpreis noch nicht gefallen. Fallen beide, sowohl das Open Interest als auch Brutto-Positionen, sollte man hellhörig werden. Die erste Schlussfolgerung  ist, dass hier tatsächlich Positionen aufgelöst wurden und nicht einfach nur die Hände getauscht. Man muss dann noch feststellen, welche Gruppe ihre Positionen deutlich reduziert hat. In diesem Fall waren es die Spekulanten mit ihren Bruttolongs.

Ich gehe nun deshalb nicht davon aus, dass diese Analysemethode per se stark aussagekräftig ist. Das muss entweder empirisch überprüft werden oder im Zeitverlauf beobachtet. Allerdings sehe ich darin zumindest für den kurzfristig orientierten Trader, mehr Potential als bei der Analyse der einfachen Netto-Positionierungen.

Diese dürften, wenn überhaupt nur für längerfristige Händler relevant sein. Weshalb man über den Stand der Netto-Positionierungen jede Woche aufs Neue berichtet ohne dabei in die Brutto-Positionen zu schauen, bleibt für mich bis heute ein Rätsel. Denn mehr als den Preis bestätigen, können die Bewegungen in den Netto-Positionierungen definitiv nicht.

Ölhändler werden langsam skeptisch

Die Volatilität war in den Wochen vor dem Ausbruch nach unten, im Ölpreis sehr niedrig. Das unterstützt die Dynamik. Die hohen Rekordstände bei den US-Rohölbeständen schüren weiterhin Skepsis an einem zunächst erwarteten möglichen Angebotsdefizit im ersten Halbjahr 2017. Doch dazu wird es nicht mehr kommen und je näher das zweite Halbjahr rückt, für das so oder so bereits eine rückläufige Nachfrage und erhöhtes Angebot prognostiziert wurden, umso mehr trübt sich die Zuversicht ein. Zusätzlich überwiegt nun wieder die Sorge, dass es zu einem erneuten Preiskampf zwischen der OPEC und den USA kommen könnte.

Der US Oil-Rig Count hat sich nun seit April letzten Jahres verdoppelt. Die US-Produktion steigt weiter an. Die Bestände steigen zwar auch saisonalbedingt an, jedoch ist der Anstieg so stark, dass die Skepsis dabei überwiegt. Einige Non-Opec Länder wie Russland kommen bei den Kürzungen nicht in die Pötte, Saudi-Arabien hat zwar mehr als vereinbart im Januar gekürzt, jedoch ist die Produktion im Februar wieder gestiegen.

Lybien und Nigeria nehmen der Export wieder auf, der Iran als drittgrößter OPEC-Produzent pumpt fleißig weiter. Per Februar ist die Produktion nun im Vergleich zum Vorjahr um 23 % gestiegen. Der Iraq als zweitgrößter Produzent spricht sich zwar für die Verlängerung bei den Kürzungen ins zweite Halbjahr aus, jedoch sind hier einige Analysten skeptisch. Der Iraq könnte die Produktion in Kürze wieder hoch fahren, um den Kampf gegen die Extremisten in dem Land finanzieren zu können.

Was könnte den Ölpreis stützen?

Es ist also das Gesamtbild, das sich so langsam eintrübt. Der massive Abbau bei den Bruttolongs der Spekulanten könnte ein erstes Indiz dafür gewesen sein. Was könnte den Ölpreis kurz- bis mittelfristig stabilisieren? Aus meiner Sicht drei Dinge. Entweder die OPEC-Länder sprechen sich massiv dafür aus, den Ölpreis zu stützen. Das haben sie bereits annähernd in der vergangenen Woche versucht, jedoch ist das Ganze verpufft. Es war den Händlern nicht genug.

Oder aber die Non-Opec Länder, allen voran Russland, reduzieren ihre Produktion nachweislich. Wobei ich letzteres aktuell für wichtiger halte. Und zu Guter Letzt sollte die Aussicht auf eine steigende US-Produktion und Überangebot auf irgendeine Weise wieder eingetrübt werden. Es könnten wieder fallende US-Bestände sein.

Die saisonalen Effekte dürften ab Ende März nachlassen, gleichzeitig hat die EIA ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die OPEC-Kürzungen erst später in den Beständen zeigen werden. Das nächste OPEC-Treffen findet am 25. Mai statt. Dann wollen die Länder darüber entscheiden, ob eine Ausweitung der Kürzungen ins zweite halbe Jahr stattfinden oder nicht. Bis zum 25. Mai ist noch ein langer Weg.

Längerfristig betrachtet, ist die Bodenbildung in Form der iSKS Formation weiterhin intakt, im Preis für die nordamerikanische Rohölsorte WTI. Zudem wird der Preis aktuell durch den 100-Wochendurchschnitt unterstützt. Aus der markttechnischen Perspektive, sollte der Absturz daher noch nicht überbewertet werden.

Ölpreis Chartanalyse

 

Viel Erfolg!

David Iusow

 

Öl Spekulanten wetten auf höhere Preise

Die Sache mit den Öl Spekulanten

Liebe Leser,

wie ich zu dem COT-Report (Commitments of Traders Report) stehe, müssten sie spätestens seit dem Beitrag Der Verstand als Indikator wissen. Meine Meinung ist, dass die Netto-Positionen in der Regel preisbestätigenden Charakter haben und damit keinen wirklichen Vorteil zu diesem bieten. Schauen sie sich beispielsweise die Positionierungen der Spekulanten für Gold und die letzten sechs Monate an. Ich für meinen Teil sehe da keine indikativen Bewegungen in den Nettolong-Positionen, die nicht bereits vom Preis selbst unterlegt waren.

Gold Spekulanten Nettolong COT-Bericht

Das wissen auch die COT-Veteranen, weshalb sie sich in der Regel darauf konzentrieren Extrempositionen zu identifizieren und diese als Kontraindikatoren zu nutzen. So würde beispielsweise die Nettolong-Position in Gold, im Juli des vergangenen Jahres, eher als Kontraindikation für bald stagnierende Preise angesehen. In der Regel fokussieren sich COT-Profis sogar mehr auf die Produzenten und weniger auf die Spekulanten, da Produzenten eine Trendwende in den Preisen, theoretisch betrachtet, besser prognostizieren sollten.

Spätestens jedoch seit dem die Liquidität in allen Märkten stetig steigt, darf das meiner Meinung nach vernachlässigt werden. Ich habe mir aber vorgenommen nun etwas mehr darauf zu achten, ob es zeitlich versetzte Unterschiede zwischen den beiden Gruppenpositionierungen gibt. Ich kann mir das zum gegebenen Zeitpunkt jedoch nicht vorstellen, da sich die Kontrakte der beiden Händlergruppen per Definition ausgleichen sollten.

Wie dem auch sei, ich sehe den COT-Bericht daher nur aus zwei verschiedenen Sichtweisen für sinnvoll bei der Analyse an. Entweder auf der längerfristigen Basis und der Identifikation von Extrempositionierungen (Wie wir aber gleich im Fall vom Ölpreis sehen werden, ist auch das eher schwierig) sowie kurzfristig, um fest zustellen ob auf Wochenbasis gravierende Anpassungen stattgefunden haben. Gravierend würde bedeuten, Anpassungen von mehr als 10.000 Kontrakten zum Beispiel. Aber auch hier tue ich mir schwer eine Aussage zu tätigen, die nicht bereits vom Preis selbst gemacht worden ist. Kommen wir zu dem Problem bei den Nettolong-Positionierungen im Ölpreis.

Öl Spekulanten sind auf Rekord Nettolong

WTI Spekulanten Rekord Nettolong

Ich habe extra das langfristige Chart gewählt um zu zeigen, dass die Nettolong-Positionierung der Spekulanten tatsächlich auf Rekordstände gestiegen ist. Die Positionierung ist höher als zu Zeiten, zu denen der Preis bei über 100 US-Dollar notiert hat. Gehen wir also nach der langfristigen Analysemethode, würde die Extremposition kontraindikativ auf bald fallende Preise hindeuten. Nur ist das mit der Extremposition nun mal so eine Sache, die so gut wie jeden Indikator betrifft und davon ist auch der COT-Report nicht ausgeschlossen. Sie kann noch extremer werden oder zumindest sehr lange auf hohen Werten verweilen. Also, kaum aussagekräftig das Ganze, auch wenn uns das so einige Analysten anders erklären wollen.

Aber ich will in diesem Zusammenhang noch auf etwas anderes eingehen. Die Positionen im COT-Report sollten nämlich nicht immer nur für sich alleine betrachtet werden, sondern mit der gesamten Anzahl an gehandelten Kontrakten, das auch als Open Interest im COT-Report selbst angegeben wird. Warum ist das wichtig? Die Anzahl der gehandelten Kontrakte an den Terminmärkten ist nicht wie am Aktienmarkt endlich. Sie steigt mit jedem neu eröffneten Kontrakt. Im Verhältnis zu dem Open Interest also, dürfte die “vermeintliche” Rekord-Position bei den Nettolongs gar nicht so rekordmäßig ausfallen. Diese Analyse von The Macro Tourist macht das ebenfalls mehr als deutlich.

Kevin Muir von The Macro Tourist analysiert in Folge dessen die Nettolong-Positionierung nicht auf absoluter Basis, sondern im Verhältnis zum Open Interest. Wie erwartet ist das Ergebnis ernüchternd und deutet zwar eine bullische Position an aber noch lange nicht so bullisch wie in 2014, als die letzte Nettolong-Extremposition verzeichnet wurde. Er geht aber noch einen Schritt weiter, da er annimmt, dass der US-Dollar Wert sowie der hohe Ölpreis zu dem damaligen Zeitpunkt ebenfalls eine Rolle spielen. Er misst daher die Positionierung nicht in Kontrakten, sondern in US-Dollar. Die Nettolong-Position fällt auch in diesem Fall alles andere als rekordmäßig aus.

Fazit

Der COT-Report ist schon ein cooler Bericht, wenn man das so sagen darf. Allerdings lässt sich mit Hilfe seiner Daten im Großen und Ganzen nur eine preisbestätigende Aussage tätigen, es sei denn man nutzt ihn längerfristig und kontraindikativ. Aber selbst dann wird der COT-Report nicht von den gängigen Problemen verschont, wie etwa der Frage: Wie lange können Positionierungen auf extremen Leveln verweilen? Darüber hinaus sollten Positionierung auf absoluter Basis, so wie wir das gerade für die Öl-Kontrakte gesehen haben, mit Skepsis und zumindest im Verhältnis zu dem Open Interest betrachtet werden. Auf der kurzfristigen Basis ist es möglicherweise sinnvoll auf extreme Anpassungen zu achten. Was ich mir hingegen vorstellen könnte, wäre beispielsweise der Vergleich zwischen den Positionierungen für Gold und Silber, um fest zu machen ob es dort zeitversetzte Unterschiede gibt, die dann kurz- bis mittelfristig durchaus indikativ betrachtet werden könnten.

Viel Erfolg!

David Iusow

 

Opec-Treffen

Opec-Treffen – Intradayride voraus?

Lieber Leser,

der September nähert sich dem Ende zu. Gott sei dank könnte man meinen, wenn man bedenkt, was an Nachrichten und Entscheidungen alles herein kam. Was wir noch überstehen müssen, ist das informelle Opec-Treffen, das heute in Algiers in Algerien stattfindet. Der Ölpreis (Brent) hat sich seit der Bekanntgabe einigermaßen stabilisieren können. Die große Frage ist, werden sich die einzelnen Mitglieder auf zumindest ein Einfrieren des Produktionsniveaus einigen?

Ölpreis Opec-Treffen

Eins steht fest. Werden sie sich nicht einig, wird der Ölpreis mit hoher Wahrscheinlichkeit einbrechen. Auch wenn nur wenige mit einer Einigung rechnen, so sind die vielen gegensätzlichen Aussagen der einzelnen Mitglieder, die seit letzter Woche besonders stark zugenommen haben, nur dazu da um den Ölpreis stabil zu halten. Marktkenner sind sich dessen sicher, würde es diese gegensätzlichen Aussagen nicht geben, stünde der Ölpreis bereits bei 10 US-Dollar je Fass. Auch wenn es für Außenstehende nach einem ziemlichen Durcheinander aussieht, sollte man die Strategie dahinter nicht verkennen.

Sollte eine Einigung auf zumindest ein Einfrieren erzielt werden, so könnte das ebenfalls zu einer starken Intraday-Bewegung nach oben führen. Saudi-Arabien hat sich dazu bereit erklärt die Produktion zu kürzen, sofern der Iran seine auf dem aktuellen Niveau einfriert. Der Iran hat diesen Vorschlag abgelehnt. Zumal, saisonal betrachtet stagniert die Produktion im 4 Quartal, was Saudi-Arabien anbetrifft, sowieso. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnten Mitglieder auf das nächste Treffen hinweisen, dann aber gleichzeitig mit der Aussicht auf eine Produktionskürzung. Derweil setzt sich der Abbau der Rohöllagerbestände in den USA fort. Nach der EIA fiel  ein Abbau der Bestände drei mal in Folge an. Die Baker Hughes Zählung der aktiven Plattformen hingegen, steigt weiter an.

EIA Rohöllagerbestand

baker hughes

 

Viel Erfolg!

David Iusow