Rohstoffe im freien Fall- Ist China der Grund?

Rohstoffe geben wieder nach

Die Erholung im Rohstoffesektor war nur von kurzer Dauer. Sowohl Öl als auch Industriemetalle verlieren aktuell an Wert. Die nordamerkanische Ölsorte WTI hat in dieser Woche den größten Tagesverlust seit Anfang des Jahres verzeichnet.

Kupfer und Aluminium haben in den letzen beiden Monaten stark an Wert verloren (-18,6 %, -17,50 %). Wohingegen Weizen und Soja kürzlich sehr stark aufgewertet haben, was jedoch an Überflutungen im mittleren Westen der USA gelegen hat. Ist wie immer der starke US-Dollar dafür verantwortlich?

Zumindest die Erwartungen an einen wieder steigenden US-Dollar dürften einen Einfluss haben. Für den kurzfristigen und starken Abverkauf, würden wir den US-Dollar alleine jedoch nicht verantwortlich machen. Obgleich man sagen muss, dass der USD-Index seinen in den letzten Monaten etablierten Abwärtstrend nach oben hin gebrochen hat.  Das ist kein unwichtiges Kriterium.

Iran-Deal, die Opec und US-Output drücken den Ölpreis

Was den Ölpreis angeht, spielen jedoch noch einige weitere Faktoren eine Rolle. Wie zum Beispiel die aktuellen Verhandlungen um den Iran-Deal. Zwar konnte keine Einigung wie geplant bis zum 07. Juli gefunden werden, die Verhandlungen wurden dennoch verlängert und es hat den Anschein als stünden die Chancen gut, dass es zu einem Deal kommt.

Sollte es wirklich dazu kommen, dann plant die iranische Regierung den Ölexport auf den Vor-Sanktionen Stand zu bringen. Damit würde dieser in etwa 2,5 Millionen Barrel pro Tag betragen. Zum Vergleich: Laut EIA betrug der durchschnittliche Export des Landes im Jahr 2014, 1,4 Millionen Barrel. Der zweitgrößte Exporteur Rußland exportierte 4,8 Millionen Barrel durchschnittlich pro Tag.

Derweil hat auch die OPEC  Pläne zur Ausweitung des Angebots sowie weiteren Preisnachlässen bekundet. Im Wettkampf um die Vormachtsstellung sieht sich die OPEC immer weiter in die Enge gedrängt. Dem begegnet sie eben mit Preissenkungen und Angebotausweitung. Zudem versorgen Brasilien und Rußland den Markt weiterhin mit einem sehr großem Angebot.

Besonders belastend wirken sich unserer Meinung nach der erhöhte US-Output ( aktuell bei 10 Millionen Barrel pro Tag ) sowie die Bohraktivitäten der Plattformen aus. Diese haben sich das erste Mal seit acht Monaten erhöht.

Der Grund für einen weiter fallenden Preis sehen Experten auch darin, dass neue, kostengünstigere Techniken nun zum Einsatz kommen. Das sogennante Re-Fracking erlaubt es alte Förderstätten wieder in Betrieb zu nehmen, was mit geringeren Kosten verbunden ist. So hat der Global Player Halliburton ausgerechnet, dass mittels Re-Fracking Kosten von bis zu 6 Millionen US-Dollar gegenüber einer neuen Erschließung von Bohrlöchern eingespart werden könnten.

Und der Trend des Re-Fracking wird sicher nicht abklingen. Seit 2011 haben sich die Fracking-Förderstätten mehr als verdoppelt. Da einige teuere Plattformen in den letzten Monaten aufgegeben wurden, ist ein Umschwenken der Unternehmen in die neue Technik durchaus annehmbar.

Kupfer und Chinas Aktienmarkt Crash

Industriemetalle haben einen kurzfristigen jedoch starken Aufwärtstrend Anfang des zweiten Quartals verzeichnet. In diesem Zeitraum spielte die EU-Inflation und damit die Erwartung an einen steigenden Euro eine Rolle womit auch Rohstoffe gut unterstützt waren. Auch die chinesischen Konjukturdaten ließen auf eine Verbesserung hoffen.

Doch nun scheint sich das Blatt wieder zu wenden und der langfristige Trend kann ins Auge gefasst werden. Kupfer hat seit Mitte Mai 18,6 % verloren, während Aluminum ebenfalls stark nach gegeben hat. Die sinkende Nachfrage kann durch mehreren Faktoren begründet werden. Zum einen ist da wieder die Erwartung an den steigenden US-Dollar. Zum anderen haben sowohl Australien als auch Brasilien Pläne bekundet das Angebot weiter auszuweiten.

Doch ein grundlegender Faktor könnte auch der aktuelle Absturz des chinesischen Aktienmarktes sein. Die beiden Indizes haben innerhalb eines Monats 30 % verloren, während sie davor einen regelrechten Boom erlebt haben. Dieser Boom war mit der allmählichen Liberalisierung des chinesischen Marktes verbunden. Stichworte Shanghai-Hong Kong Börsenlink, Marginanforderungen usw.. Sowie durch die Sicherheit, dass die Public Bank of China alles erdenkliche tun würde um die Märkte zu stimulieren, was sie in der Folge auch tat.

Mit diesen Maßnahmen im Rücken war die Bevölkerung nun bereit zu investieren. Der Großteil der Aktieninvestoren in China stellt die breite Öffentlichkeit dar. Durch die gelockerten Marginverpflichtungen und den Handel an den Terminmärkten sind nun auch Absicherungsgeschäfte möglich. Mit diesen Absicherungsgeschäften kann jedoch auch auf fallende Kurse spekuliert werden.

Doch welche Verbindung besteht in diesem Zusammenhang zu den Industriemetallen? Wir haben zwei Theorien. Die erste ist: Der Zusammenhang ist konjunkturbedingt. Aufgrund des Crashs erwarten viele eine gedämfpte Konsumbereitschaft. Und da die letzten Daten nicht wirklich auf eine Verbesserung der Wirtschaft hindeuten, hat diese Erwartung umso mehr Gewicht. Das würde sich besonders im Automobilsektor bemerkbar machen und wenn das eintrifft, dann sehen wir weiterhin schlechte Karten für Industriemetalle.

Auf der kurzfristigen Seite könnten auch Kreditfinanzierungen dazu beigetragen haben, dass Kupfer und Co. verstärkt fallen. In China gibt es eine besondere Form von Kreditfinanzierungen. Unternehmen, die große Bestände an Kupfer lagern und es zum aktuellen Zeitpunkt nicht benötigen, können diese Bestände als Sicherheiten für Kredite stellen. Diese Kredite können sie für die Anlage in Wertpapieren verwenden.

Die zweite Theorie ist gewagt, jedoch wollen wir sie aufstellen. Im Grunde genommen unterstellt sie umgekehrt, dass nicht Der Aktienmarkt Crash für den Verfall von Rohstoffpreisen verantwortlich ist, sondern der fallende Rohstoffpreis zum Teil für den Aktienmarkt Crash.

Das klingt zunächst etwas widersprüchlich, denn fallende Rohstoffpreise sind in der Regel gut für produzierende Unternehmen. Besonders im Falle von China wird Kupfer allerdings als ein konjuktureller Indikator betrachtet. Der Zusammenhang ist daher erwartungsbedingt.

In der Benchmarkanalyse erkennen wir deutlich, dass der erste starke Aufwärtstrend im Aktienmarkt mit dem Shanghai-Hong Kong Börsenlink zusammenfiel, obwohl der Kupferpreis stagnierte. Der Shanghai-Hong Kong Börsenlink war ein Signal für die Liberalisierung des chinesischen Marktes womit der fallende Kupferpreis keinen bremsenden Effekt haben konnte.

Der zweite starke Schub im Aktienmarkt war vebunden mit geldpolitischen Lockerungen als auch einem steigenden Kupferpreis. Dieser hat den Trend in der Hoffnung einer sich verbessernden Konjuktur angeheizt. Die Hoffnungen verpufften allerdings recht schnell, als Kupfer wieder begann zu fallen und die Konjunkturdaten sich wieder verschlechterten.

Der Aktienmarkt in China geht mit der chinesischen Makrobewertung nicht konform. Heisst so viel, als dass der Markt überhitzt und überbewertet ist. Solange der Kupferpreis also stabil war, waren auch die Investoren zuversichtlich.

Fazit

Derzeit fällt der Ölpreis sowie die Preise für Industriemetalle. Für den Verfall des Ölpreises sehen wir die Erwartung an ein steigendes Angebot und den wieder starken US-Dollar verantwortlich. Für die Industriemetalle sehen wir den chinesischen Aktienmarkt Crash und die Erwartung an die sich fortsetztende konjukturelle Schwäche Chinas verantwortlich.

Darüber hinaus hat sich eine Überbewertung im Aktienmarkt etabliert. Dann fällt der Crash besonders stark aus. Wenn auch für viele schmerzhaft. Wir haben die Lage um den chinesischen Markt nun auch stärker ins Blickfeld genommen.  Zwar denken wir noch nicht an starke Verwerfungen befürchten allerdings, dass der Crash früher oder später Ansteckungseffekte mit sich bringen könnte.

Viel Erfolg!

Ihr 2i-Services Team