Robo-Advisor und ETFs

Robo-Advisor und ETFs – Eine gesunde Mischung?

Liebe Leser,

Robo-Advisor und ETFs sind die zwei derzeit am meisten besprochenen Themengebiete in der Welt der privaten Kapitalanlage.

Bekanntlich besteht diese Welt aus Rendite und Risiko und bevor man mittels eines Produktes in einen Wert investiert, sollte man sich nicht nur mit der möglichen Rendite anfreunden, sondern auch mit den Risiken des jeweiligen Produktes.

Das Risiko besteht aber nicht nur aus Kursverlusten, sondern auch aus produktspezifischen, meist auf der technischen Ebene existierenden Ereignissen, die zu Verlusten führen können.

Wie etwa das Liquiditätsrisiko. Nennen wir also das normale Kursrisiko das “fundamentale” Risiko und das produktspezifische, das “technische” Risiko. 

Auf die einzelnen technischen Risiken eines ETFs, (ja es gibt mehrere), gehe ich lieber in einem gesonderten Artikel ein. Hier geht es mir besonders um die Combo Robo-Advisor und ETFs.

Das technische Risiko eines Robo-Advisors kann ebenso vielfältig sein, denn es hängt davon ab, welche Produkte und Strategien der jeweilige Robo-Advisor verfolgt. Es gibt mittlerweile, wie hier in diesem Artikel

Robo-Advisor- Die Zukunft der Geldanlage?”

von der Trading-Treff Redaktion gut dargelegt, über 70 Robo-Advisor Anbieter in der EU. Viele von diesen Robo-Advisorn sind einfache Online-Portfolio-Builder. Andere wiederum treten bereits als Vermögensverwalter auf.

Mir geht es hier besonders um die Letzteren, denn Robo-Advisor auf Portfolio-Builder Ebene empfinde ich als durchaus nützlich, denn sie erleichtern schließlich mit Hilfe mathematischer Methoden die Auswahl von Produkten, setzen dabei aber keine Strategien anhand von festgelegten Parametern um.

Ein Robo-Advisor verfolgt in der Regel eine aktive Anlagestrategie

Wenn Sie auf der Suche nach einem Portfolio sind, das einem Buy&Hold Ansatz entsprechen soll, sind solche Robo-Advisor für Sie schlicht und ergreifend nicht geeignet. Egal wie ausgefeilt und formellastig die Parameter daher kommen.

Denn, welchen Sinn macht es im Rahmen einer Buy&Hold Strategie, sich auf Parameter zu stützen, die ihre Positionen im Fall der Fälle reduzieren oder gar alle auflösen? Keinen, denn der Sinn der Strategie ist es zu diversifizieren und Drawdown-Phasen auszusitzen.

Damit komme ich zum Problem Robo-Advisor und ETFs. Robo-Avisor brüsten sich gerne damit, dass sie ihre “angeblich” passiven Anlagestrategien auf Basis des ETF-Handels durchführen. Was ja in diesem Fall natürlich nur das Produkt betrifft und nicht die Anlagestrategie.

Aus diesem Zusammenspiel ergibt sich, aus meiner Sicht, ein enormes technisches Risiko, das von beiden ausgeht. Sowohl von der Strategie des Robo-Advisors als auch des ETFs selbst.

Das technische Risiko eines ETFs, das hier gemeint ist besteht in der Praxis, in einer bereits oft dagewesenen geringen Liquidität. Selbst die größten ETFs verzeichnen hin und wieder starke Abweichungen des aktuellen Börsen-Preises zum Net Asset Value, was sich sodann in einem krassen Spread zeigt. Wie das Ganze ausgehen kann, können Sie hier z.B. nachlesen:

“ETF-Flash-Crash”

Aus diesem Liquiditätsrisiko ergibt sich folgendes Problem, wenn man damit gleichzeitig aktive Handelsstrategien verfolgt. Die vorher festgelegten Parameter des Robo-Advisor könnten auf die “unreale” Kursstellung mit überstürzten Verkäufen reagieren, die sodann natürlich zu großen Verlusten bei den Anlegern führen.

In der Regel erholt sich der Kurs nach so einem Flash-Crash schnell wieder, nur dann haben die Börsen die Order des Robo-Advisors bereits ausgeführt.

Fazit für Robo-Advisor und ETFs

Robo-Advisor und ETFs müssen keine ungesunde Mischung sein.  Wie so immer, sollte es aber die richtige sein. Experten aus der ETF-Branche sind sich mittlerweile sicher, dass das größte Risiko, das ETFs betrifft das Liquiditätsrisiko und damit das technische Risiko ist.

Logischerweise aber besteht dieses Risiko für den privaten Anleger besonders dann, wenn aktive Handelsstrategien verfolgt werden. Also Parameter existieren, die zu überstürzten Verkäufen führen. Stop-Loss Order sind da besonders anfällig.

Das Argument, ETFs wären für den kurzfristigen Handel besser geeignet, als für den langfristigen, ist meiner Meinung nach daher nicht wirklich schlüssig.

Ob ein Robo-Advisor hier einen Unterschied macht zwischen einem Flash-Crash oder einem echten Crash, kann ich nicht genau beantworten, ist aber im Rahmen einer Buy&Hold Strategie oder einer langfristig ausgelegten passiven Anlagestrategie auch gar nicht relevant.

Denn der Verkauf würde ja normalerweise in keinem der beiden Fälle stattfinden. Sie sollten daher, bevor Sie sich für einen Robo-Advisor entscheiden, erst einmal sich selbst die Frage beantworten, welche Strategie Sie verfolgen möchten.

Bei einer klassischen Buy&Hold, wäre es empfehlenswert einen Robo-Advisor zu nutzen, der Ihnen nur Portfoliovorschläge unterbreitet. Bei vermögensverwaltenden Robo-Advisorn sollte man hingegen genau hinschauen und zwar nicht nur nach der Strategie, sondern mit welchen Produkten diese umgesetzt wird.

Denn, passiv ist hier nicht gleich passiv, sondern kann in der Praxis aktiv schön in die Hose gehen.

Viel Erfolg!

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