Beiträge, die sich mit der passiven Geldanlage beschäftigen

cybersecurity-etf

Produktvorstellung: Cybersecurity-ETF

Liebe Leser,

laut Statista soll (Schätzung) der weltweite Markt für Cybersecurity, gemessen am Umsatz, bis 2021 auf 202 Mrd. US-Dollar anwachsen. In diesem Jahr liegt der Umsatz bei 135 Mrd. US-Dollar. Das wäre ein Anstieg von fast 50 % in diesem kurzen Zeitraum. Da ich Wachstumstrends liebe, ist es naheliegend, dass ich eine Aktie aus dieser Branche mit der secunet Security AG, bereits im Portfolio habe. Wer jedoch von dem Trend profitieren möchte ohne eine Aktienauswahl zu treffen, kann auch auf den Prime Cyber Defense Index in Form des Cybersecurity-ETF (HACK) zurückgreifen. Einziges Manko: Der Großteil der Aktien kommt aus dem US-Raum.

CYbersecurity Marktpotential

Einige Fakten zum Cybersecurity-ETF

  • AUM: 1,1 Mrd. US-Dollar
  • NAV: 29,47 US-Dollar
  • TER: 0,75 %
  • Durchschnittlicher Transaktions-Spread 0,07 %
  • Tracking-Differenz -0,73 %
  • Durchschnittliches tägliches Handelsvolumen: 320.998

Der Cybersecurity-ETF repliziert den Index physisch und investiert in die darin enthaltenen Aktien zu den selben Anteilen. Es werden keine Hedging-Methoden angewandt. Folgende Top 10-Aktien hat er laut etfmgfunds.com im Portfolio Stand 07.09.2017:

  1. Palo Alto Networks 4,88 %
  2. Cisco 4,65 %
  3. Symantec 4,2 %
  4. Splunk 4,1 %
  5. Qualys Inc. 3,8 %
  6. Sophos Group 3,75 %
  7. Juniper Networks 3,7 %
  8. Check Point Software Technologies 3,68 %
  9. Akamai Technologies 3,63 %
  10. Gigamon 3,60 %

Hier eine genau Liste der im Portfolio enthaltenen Aktien: HACK_fund_holdings_09072017

Werte konzentrieren sich folgendermaßen auf die einzelnen Branchenzweige:

  1. Software & IT Services (90,74 %)
  2. Communications & Networking (7,35 %)
  3. Aerospace und Defense (1,46 %)
  4. Electronic Equipments & Parts (0,46 %)

Per August bestand das Portfolio aus insgesamt 39 Werten, zwölf davon sind ausländische Unternehmen und 87,7 % des gesamten Portfolios besteht aus Midcaps, Small- und Microcaps. Die Rendite des ETF fällt seit Start in 2014 mit 18,4 % stattlich aus. Damit hinkt der Index jedoch für den gleichen Zeitraum, dem S&P500 Index mit 20 %, hinterher. In diesem Jahr hat der Cybersecurity-ETF den marktbreiten S&P 500 Index jedoch leicht outperformt. Zu dem ETF gibt es übrigens auch das europäische Gegenstück: ETFS ISE Cyber Security GO UCITS ETF

Cybersecurity-ETF Chartanalyse

Der Cybersecurity-ETF hat zu Beginn des aktuellen Jahres die technische Widerstandszone zwischen 26-28 US-Dollar überwinden können und hat damit die langfristige, technische Umkehrformation bestätigt. Zuletzt schwächelt der ETF ein wenig, die überwundene Zone sollte jedoch eine gute Unterstützung bieten. Kurse unterhalb von 26 würden auf weiteren Einbruch hindeuten. Kurse über 35 US-Dollar würden den Aufwärtstrend bestätigen.

cybersecurity-etf chartanalyse

 

Viel Erfolg!

Anmerkung: Die Produktvorstellung dient nur Informationszwecken. Sie ist nicht als Empfehlung oder Beratung zu verstehen.

Robo-Advisor und ETFs

Robo-Advisor und ETFs – Eine gesunde Mischung?

Liebe Leser,

Robo-Advisor und ETFs sind die zwei derzeit am meisten besprochenen Themengebiete in der Welt der privaten Kapitalanlage.

Bekanntlich besteht diese Welt aus Rendite und Risiko und bevor man mittels eines Produktes in einen Wert investiert, sollte man sich nicht nur mit der möglichen Rendite anfreunden, sondern auch mit den Risiken des jeweiligen Produktes.

Das Risiko besteht aber nicht nur aus Kursverlusten, sondern auch aus produktspezifischen, meist auf der technischen Ebene existierenden Ereignissen, die zu Verlusten führen können.

Wie etwa das Liquiditätsrisiko. Nennen wir also das normale Kursrisiko das “fundamentale” Risiko und das produktspezifische, das “technische” Risiko. 

Auf die einzelnen technischen Risiken eines ETFs, (ja es gibt mehrere), gehe ich lieber in einem gesonderten Artikel ein. Hier geht es mir besonders um die Combo Robo-Advisor und ETFs.

Das technische Risiko eines Robo-Advisors kann ebenso vielfältig sein, denn es hängt davon ab, welche Produkte und Strategien der jeweilige Robo-Advisor verfolgt. Es gibt mittlerweile, wie hier in diesem Artikel

Robo-Advisor- Die Zukunft der Geldanlage?”

von der Trading-Treff Redaktion gut dargelegt, über 70 Robo-Advisor Anbieter in der EU. Viele von diesen Robo-Advisorn sind einfache Online-Portfolio-Builder. Andere wiederum treten bereits als Vermögensverwalter auf.

Mir geht es hier besonders um die Letzteren, denn Robo-Advisor auf Portfolio-Builder Ebene empfinde ich als durchaus nützlich, denn sie erleichtern schließlich mit Hilfe mathematischer Methoden die Auswahl von Produkten, setzen dabei aber keine Strategien anhand von festgelegten Parametern um.

Ein Robo-Advisor verfolgt in der Regel eine aktive Anlagestrategie

Wenn Sie auf der Suche nach einem Portfolio sind, das einem Buy&Hold Ansatz entsprechen soll, sind solche Robo-Advisor für Sie schlicht und ergreifend nicht geeignet. Egal wie ausgefeilt und formellastig die Parameter daher kommen.

Denn, welchen Sinn macht es im Rahmen einer Buy&Hold Strategie, sich auf Parameter zu stützen, die ihre Positionen im Fall der Fälle reduzieren oder gar alle auflösen? Keinen, denn der Sinn der Strategie ist es zu diversifizieren und Drawdown-Phasen auszusitzen.

Damit komme ich zum Problem Robo-Advisor und ETFs. Robo-Avisor brüsten sich gerne damit, dass sie ihre “angeblich” passiven Anlagestrategien auf Basis des ETF-Handels durchführen. Was ja in diesem Fall natürlich nur das Produkt betrifft und nicht die Anlagestrategie.

Aus diesem Zusammenspiel ergibt sich, aus meiner Sicht, ein enormes technisches Risiko, das von beiden ausgeht. Sowohl von der Strategie des Robo-Advisors als auch des ETFs selbst.

Das technische Risiko eines ETFs, das hier gemeint ist besteht in der Praxis, in einer bereits oft dagewesenen geringen Liquidität. Selbst die größten ETFs verzeichnen hin und wieder starke Abweichungen des aktuellen Börsen-Preises zum Net Asset Value, was sich sodann in einem krassen Spread zeigt. Wie das Ganze ausgehen kann, können Sie hier z.B. nachlesen:

“ETF-Flash-Crash”

Aus diesem Liquiditätsrisiko ergibt sich folgendes Problem, wenn man damit gleichzeitig aktive Handelsstrategien verfolgt. Die vorher festgelegten Parameter des Robo-Advisor könnten auf die “unreale” Kursstellung mit überstürzten Verkäufen reagieren, die sodann natürlich zu großen Verlusten bei den Anlegern führen.

In der Regel erholt sich der Kurs nach so einem Flash-Crash schnell wieder, nur dann haben die Börsen die Order des Robo-Advisors bereits ausgeführt.

Fazit für Robo-Advisor und ETFs

Robo-Advisor und ETFs müssen keine ungesunde Mischung sein.  Wie so immer, sollte es aber die richtige sein. Experten aus der ETF-Branche sind sich mittlerweile sicher, dass das größte Risiko, das ETFs betrifft das Liquiditätsrisiko und damit das technische Risiko ist.

Logischerweise aber besteht dieses Risiko für den privaten Anleger besonders dann, wenn aktive Handelsstrategien verfolgt werden. Also Parameter existieren, die zu überstürzten Verkäufen führen. Stop-Loss Order sind da besonders anfällig.

Das Argument, ETFs wären für den kurzfristigen Handel besser geeignet, als für den langfristigen, ist meiner Meinung nach daher nicht wirklich schlüssig.

Ob ein Robo-Advisor hier einen Unterschied macht zwischen einem Flash-Crash oder einem echten Crash, kann ich nicht genau beantworten, ist aber im Rahmen einer Buy&Hold Strategie oder einer langfristig ausgelegten passiven Anlagestrategie auch gar nicht relevant.

Denn der Verkauf würde ja normalerweise in keinem der beiden Fälle stattfinden. Sie sollten daher, bevor Sie sich für einen Robo-Advisor entscheiden, erst einmal sich selbst die Frage beantworten, welche Strategie Sie verfolgen möchten.

Bei einer klassischen Buy&Hold, wäre es empfehlenswert einen Robo-Advisor zu nutzen, der Ihnen nur Portfoliovorschläge unterbreitet. Bei vermögensverwaltenden Robo-Advisorn sollte man hingegen genau hinschauen und zwar nicht nur nach der Strategie, sondern mit welchen Produkten diese umgesetzt wird.

Denn, passiv ist hier nicht gleich passiv, sondern kann in der Praxis aktiv schön in die Hose gehen.

Viel Erfolg!

Risiko ETF-Blase berechtigt?

Wie hoch ist derzeit das Risiko ETF-Blase?

Lieber Leser,

immer wieder kursieren Berichte in den Medien darüber, dass das Risiko ETF-Blase größer wird. Das kommt den Vertretern des Stock-Pickings natürlich gelegen, aber wie Sie bereits wissen sollten, mache ich mir nichts aus Verkaufsargumenten. Obwohl ich selbst Stock-Picking betreibe, liegt mir dennoch viel daran, den objektiven Blick auf die Märkte zu bewahren.

Deshalb habe ich nun einiges an Daten gesammelt, die Ihnen einen guten Überblick darüber verschaffen sollten, wo wir in Bezug auf das angebliche Risiko ETF-Blase stehen. Folgend daher eine Auflistung der Daten, die ich für wichtig erachte. Daten stammen unter anderem von: ETFGI, XTF, Goldman Sachs, Federal Reserve Board, etf.com.

  • Weltweite ETF gebundene AUM (Assets Under Management) betragen derzeit 4 Bio. US-Dollar, davon 3,06 Bio. in den USA.
  • Weltweite AUM in Publikumsfonds betragen 16,3 Bio. US-Dollar.
  • Im Vergleich zu den gesamten gebundenen Assets in Fonds, beträgt der Anteil der Assets, der in ETFs gebunden ist, gerade einmal 17 %.
  • Weltweites Wachstum der AUM in diesem Jahr beträgt +18,5 %, davon 2,13 % in den USA.
  • US-Wachstum in 2016 beträgt +32 %.
  • Weltweite Anzahl an ETFs beträgt derzeit 6.834, davon 2.011 in den USA.
  • Anteil an der gesamten Marktkapitalisierung von US-Aktien beträgt 6,29 %.
  • ETFs besitzen in etwa 4,7 % an der gesamten Marktkapitalisierung von Apple und 4,7 % an der Marktkapitalisierung des S&P500 Index. Publikumsfonds hingegen besitzen mehr als 20 % der gesamten Marktkapitalisierung von US-Aktien. Auf den größten Anteil von 37 % kommen private Investoren.
  • Die fünf größten US-ETFs (BlackRock, Vanguard, State Street, Invesco, Charles Schwab) verwalten 89 % aller von ETFs verwalteten Assets in den USA.

Fazit für das Risiko ETF-Blase

ETFs verzeichnen sowohl an der Anzahl gemessen als auch an den AUM, weiterhin ein rasantes Wachstum. Dennoch konzentriert sich der größte Anteil des weltweit institutionell verwalteten Kapitals, mit einem Anteil von über 80 %, auf aktiv gemanagte Publikumsfonds.

Brechen wir die Anteile der AUM im ETF-Bereich nach Ländern herunter, dann wird der größte Anteil von US-basierten ETFs verwaltet. Genaugenommen 76,5 % des weltweit von ETFs verwaltetem Kapital. Gehen wir noch weiter ins Detail, dann wird erkennbar, dass dieser von US-ETFs verwalteter Anteil zu 89 % von den fünf größten ETFs verwaltet wird.

Es wird deutlich, dass der Trend zwar besteht und wächst, jedoch zeigen die Daten auch, dass wir von einer ETF-Blase noch meilenweit entfernt sind. Ein gravierendes Risiko einer ETF-Blase besteht daher aktuell zumindest noch nicht. Auswirkungen auf Kurse, geschweige denn das Risiko eines ausgemachten Crashs, verursacht durch ETFs, sind derzeit eher unwahrscheinlich.

Meine Meinung zur zukünftigen Entwicklung

Die Anzahl der angebotenen ETFs steigt stetig, weil irgendwelche exotischen ETFs auf den Markt geworfen werden, doch die echte Nachfrage konzentriert sich, wie der Anteil des weltweit verwalteten Kapitals zeigt, auf die größten ETFs in den USA. Exotische ETFs werden nach einer Weile höchstens als Randerscheinungen kommen und gehen. Es kann gut möglich sein, dass der Trend sich in naher Zukunft weiter in der EU ausbreitet.

Doch das wird kein leichtes Unterfangen, denn einige Anbieter haben bereits vor einigen Jahren ihr EU-Geschäft aufgrund der geringen Nachfrage einstellen müssen. Die Europäer sind ja nicht einmal leicht von Aktieninvestments zu überzeugen, mit einem ETF können sie erst recht wenig anfangen. Aber ich bin guter Hoffnung, dass sich das bald ändern könnte. Das steigende Volumen der AUM, sollte im Auge behalten werden.

Viel Erfolg!

ist Alpha mit Stock-Picking überhaupt möglich?

Zwei Gründe warum Alpha mit Stock-Picking ein Wunschtraum bleiben könnte

Lieber Leser,

viele aktive Anleger sind überzeugt davon, dass positives Alpha mit Stock-Picking über einen langfristigen Zeitraum möglich ist. Auch ich bin aktiver Anleger. Jedoch lasse ich mich ungerne von Überzeugungen leiten, das sollten Sie als treuer Leser bereits erkannt haben.

Sie kennen die Debatte aktives versus passives Investment sicherlich zu Genüge. Die Debatte ist meiner Meinung nach nicht unbegründet und spätestens seit dem der Trend ETFs Einzug in den Kapitalanlagemarkt gehalten hat, ist die Fragestellung, ob aktives Management überhaupt renditestärker sein kann, durchaus berechtigt.

Positives Alpha mit Stock-Picking

Positives Alpha zu erreichen, bedeutet in der Regel den Markt in Form von beispielsweise dem S&P 500 Index nach Kosten zu schlagen. Sicher gibt es andere Formen Alpha zu berechnen, aber ich beschränke mich auf die wesentliche. Selbst ein ETF versucht nicht positives Alpha zu erreichen, sondern annähernd die Rendite des Marktes.

Ich habe mal einen Vergleich zwischen einem aktiv gemanagten Fonds sowie einem Portfolio aus ETFs hier in diesem Beitrag

Warum Sie mit Honorarberater investieren sollten!” 

angestellt. Das sollte Ihnen aufzuzeigen, wie viel alleine die Kosten von der Rendite eines aktiv gemanagten Fonds auffressen können.

Das Ergebnis macht Sinn und deutlich, warum man die laut vielen Anbietern von Fonds angeblich theoretischen Annahmen, bei der langfristigen Kapitalanlage ernst nehmen sollte. In der Praxis sind einige wenige Beispiele bekannt, die das dennoch schaffen, doch deren Edge liegt, wie ich denke woanders und ist eher die Seltenheit als die Regel. Dazu etwas weiter unten mehr.

Stock-Picking birgt im Vergleich zur Benchmark keinen Edge

Ein aktiv gemanagter Fonds betreibt also in erster Linie Stock-Picking. Das erhöht die Kosten. Das wäre ja noch nicht so schlimm, denn wenn derjenige Manager in der Lage ist die Aktien auszuwählen, die eine starke Überrendite zum Markt erzielen, dann können die Kosten bei einer erreichten Überrendite gedeckt werden.

Aber nicht nur die Kosten, sondern alleine die Auswahl könnte sich derweil als sehr schwierig darstellen. Dazu folgend ein Zitat aus einem Artikel aus dem Blog “The Fat Pitch”

“Using breadth to anticipate market”,

das ich aufgegriffen habe und das vordergründig zwar ein anderes Thema behandelt, aber auch hier ausschlaggebend sein könnte:

Indices have typically been driven higher based on a small number of stocks contributing disproportionately large gains. Over the past 20 years, just 4% of stocks have typically accounted for almost 70% of annual gains in the SPX.

Die Aussage lässt sich auf eine nachweisliche Auswertung stützen, die ich bereits in vielen Artikeln nachlesen konnte. Daher ist sie nicht einfach nur aus einem einzelnen Artikel herausgegriffen. Sie besagt frei übersetzt, dass in den vergangenen zwanzig Jahren lediglich 4 % aller im S&P Index notierten Aktien, für 70 % des gesamten Anstieges des Index verantwortlich waren.

Damit lässt sich einerseits, wie der Artikel darlegt, die gängige Interpretation der Marktbreite widerlegen (Sie sollten das wirklich lesen), doch was noch wichtiger ist aus meiner Sicht: Es macht deutlich warum Stock-Picking, statistisch betrachtet, eine geringere Wahrscheinlichkeit besitzt eine im Schnitt langfristige Überrendite zum S&P 500 Index zu erzielen. Sofern sich die größten Kursgewinne im Index tatsächlich weiterhin auf nur einige wenige Aktien konzentrieren.

Der Stock-Picker wählt also, wenn man es so will, freiwillig ein statistisch gesehen, niedrigeres Chancen-Risiko-Verhältnis, wenn er in andere Aktien, als die den Indexkurs größtenteils bestimmenden investiert. Das werden überzeugte Stock-Picker nicht gerne lesen oder hören, das ist mir klar. Und Gegenbeispiele für die oben aufgestellte These gibt es ebenfalls. Doch genau diese Gegenbeispiele bringen mich zu einem weiteren Gedankengang.

Gegenbeispiele haben einen nicht zu unterschätzenden Edge

Die oben angestellte Annahme bedeutet ja nicht, dass es nicht Fonds-Manger und Stock-Picker gibt, die positives Alpha über einen längeren Zeitraum erzielen können. Doch ich persönlich glaube, dass deren Edge woanders liegt, nicht im Stock-Picking selbst. Entweder sie sind in der Lage günstige Konditionen bei Banken und Brokern durchzudrücken oder sie sind in der Lage das richtige Timing zu treffen, also eine Aktie auch tatsächlich günstig zu kaufen und zu einem hohen Preis zu verkaufen. Oder beides.

Über günstige Konditionen brauchen wir uns als Kleinanleger gar nicht unterhalten, denn ich glaube selbst institutionelle Verwalter bekommen nur in Einzelfällen gute Konditionen zugesichert. Das Timing ist wahrlich nicht so einfach. Wenn man Warren Buffets Aussagen zum richtigen Timing kennt, dann ist es eigentlich unwichtig.

Das ist zu pauschal gedacht, denn Warren Buffet ist einer, der das richtige Timing bestimmt. Wenn Warren Buffet sagt, dass die Aktie günstig ist, dann ist sie das. Sein Timing ist also so gut wie immer richtig. Das ist sein Edge. Dass er bessere Konditionen bei Banken bekommt, davon können Sie ebenfalls ausgehen.

Ernüchterndes Fazit für Stock-Picker

Im Fazit lässt sich also sagen: Entweder sollte man sich eine andere Benchmark suchen. Das ist aber eher unwahrscheinlich, denn was sich erst einmal eingebürgert hat, lässt sich nur schwer wieder ändern. Oder aber wir als Kleinanleger sollten uns einen Edge aneignen, der in der Lage ist dem Markt ein Schnippchen zu schlagen. Meiner Meinung nach ist das überaus wichtig, wenn man positives Alpha erzielen will.

Denn nicht nur der Kostenfaktor spielt hierbei eine Rolle, sondern spricht auch die statistische Wahrscheinlichkeit im aktuellen Umfeld eher gegen eine Überrendite, sofern man Stock-Picking betreibt. Das Timing bekommt hier meiner Ansicht nach als möglicher Edge, durchaus seine Relevanz, auch wenn das viele Anleger nicht wahrhaben wollen.

Wenn natürlich positives Alpha zur gängigen Benchmark nicht das Ziel ist, dann muss das Timing auch nicht relevant sein. Aber dann können Sie auch ein Portfolio aus ETFs erstellen, sofern Sie mit den Risiken eines ETFs vertraut sind.

Viel Erfolg!

 

Mit Honorarberater investieren spart in vielen Fällen Kosten

Warum Sie mit Honorarberater investieren sollten?

Liebe Leser,

letzte Woche hat mich ein Freund darum gebeten sich einige Angebotsunterlagen einer Bank anzuschauen. Er würde gerne investieren, hat jedoch kein Vertrauen und kennt sich mit den jeweiligen Produkten nicht aus. Als ich diese vor Kurzem durchsah, dachte ich, es wäre eine gute Idee, das Beispiel für den Vergleich zwischen den Kosten eines aktiv gemanagten Fonds und eines passiven Portfolios, heran zu ziehen.

Fakt ist, dass es viele Anleger gibt, die keine Vorstellung davon haben, welche Kosten Sie beim Investieren, vor allem in Fondsprodukte, tragen. Es ist vielleicht eine Sache sich bei Versicherungsprodukten auf einen provisionsbasierten Berater zu verlassen. Wenn es aber um die Geldanlage geht, sollten Sie lieber nicht ohne einen Honorarberater investieren. Sofern dieser Ihnen nicht die selben Produkte empfiehlt, wie der Bankberater, kommen Sie so gut wie in jeden Fall günstiger weg.

Damit Sie ein ungefähres Bild davon bekommen, wie groß die Unterschiede sind, stelle ich die Kosten des Fonds, der meinem Freund empfohlen wurde, einem ETF-Portfolio gegenüber. Das ETF Portfolio wird zwecks Vergleichbarkeit aus den selben Anteilen an Anlageklassen bestehen, wie im aktiv gemanagten Fonds. Die jährlichen Renditen sollen bei beiden ebenfalls gleich sein.

Damit das Ganze jedoch nicht den Rahmen sprengt, halte ich mich bewusst nur an die ausgewiesenen Kosten und die Berechnung der arithmetischen, durchschnittlichen Rendite. Das sollte für ein repräsentatives Beispiel ausreichen. Auch werden keine eventuellen Steuerbelastungen oder Inflation berücksichtigt sowie keine Transaktionskosten. Diese Belastungen können sich bei beiden Produktgruppen ergeben.

Das Wucher-Angebot schlechthin

Aus dem Prospekt der Fondsgesellschaft geht hervor, dass in den letzten 5 Jahren eine Gesamtrendite, unter Berücksichtigung des Ausgabeaufschlags, von 21,22 % erzielt wurde. Die durchschnittliche Rendite beträgt somit 4,24 %. Mit einem Anlagebetrag von 20.000 Euro, würde der Anleger damit auf den ersten Blick 4.240 Euro an Rendite vor anderen Kosten erzielen. Die Kosten des Fonds stellen sich folgendermaßen auf:

  1. Ausgabeaufschlag 5,0 % im ersten Jahr (abzüglich von der Rendite)
  2. Laufende Kosten 1,7 % p.a.
  3. Vertriebsfolgeprovision der Bank 0,50 % p.a.

Der Fonds ist zudem defensiv aufgestellt mit folgenden Anteilen an Anlageklassen im Portfolio:

  1. Anleihen 55 %
  2. Aktien 22 %
  3. Kasse 15 %
  4. Gold 6 %
  5. Wandelanleihen 4 %

Die 5,0 % Ausgabeaufschlag fallen gleich zu Beginn des Investments an. Wer sich also darüber gefreut hat, einen Honorarberater nicht bezahlen zu müssen, der zahlt dann eben den Ausgabeaufschlag von 1.000 Euro. Diese werden vom Anlagebetrag in der Regel direkt abgezogen. Die übrigen Kosten summieren sich auf 2,3 % pro Jahr.

Schauen wir uns an wie viel der Anleger davon im Verlauf der fünf Jahre tatsächlich bezahlt hätte. Dazu lege ich nicht die Durchschnittsrendite, sondern die tatsächlich erzielten jährlichen Renditen (0,9 %, 0,6 %, 14,8 %, -1,4 %, 5,7 %) zu Grunde. Die gesamten Kosten würden sich dabei auf 2.433 Euro belaufen. Der Enddepotwert, mit Berücksichtigung aller Kosten, auch dem Ausgabeaufschlag, nach 5 Jahren auf lediglich 21.622 Euro. Die Gesamtrendite von 20.000 Euro beträgt gerade einmal 8,11 % und durchschnittlich 1,62 % pro Jahr. Hört sich schon ganz anders an als 21,22 % und 4,24 %, oder?

Wie schlägt sich das ETF-Portfolio unter gleichen Umständen?

Bei sonst den gleichen Annahmen, habe ich ein ETF-Portfolio zusammengestellt. Bitte beachten Sie, dass ich hier nicht akribisch auf die Inhalte in den jeweiligen ETFs geachtet habe, da ich das hinsichtlich des Themas Kosten nicht für wichtig halte. Lediglich habe ich mich an ETFs gehalten, die keinen Ausgabeaufschlag oder anderweitige Kosten verursachen, außer der Total Expense Ratio. Auch Transaktionskosten wurden nicht berücksichtigt. Folgende ETFs mit den jeweiligen Total Expense Ratios habe ich ins Portfolio nach den gleichen Anteilen rein genommen:

  1. 22 % auf Amundi MSCI World ETF Eur (0,38 %)
  2. 55 % auf iShares Gobal AAA-AA Government Bond ETF (0,20 % p.a)
  3. 6 % auf db Physical Gold ETC (0,45 % p.a)
  4. 4 % auf SPDR Thomson Reuters Global Convertible Bond ETF (0,50 % p.a)
  5. 15 % Cash oder Tagesgeld (0,00 % p.a)

Hier ist die Berechnung der Kosten etwas aufwendiger, aufgrund der Verteilung der Kosten auf vier einzelne ETFs. Man müsste für die genaue Berechnung die jährliche Performance der einzelnen ETFs kennen. Zwecks Vereinfachung gehen wir davon aus, dass es sich um einen einzelnen Fonds handelt, mit den gesamten Kosten pro Jahr in Höhe von 1,53 %. Der Ausgabeaufschlag entfällt, daher fällt auch die Rendite im ersten Jahr um 5,0 % höher aus.

Die gesamten Kosten belaufen sich bei den sonst gleichen jährlichen Renditen auf 1.726 Euro. Der Enddepotwert, ohne die Berücksichtigung etwaiger Zinsen auf Tagesgeld, würde 23.603 Euro betragen. Das macht dann eine Rendite auf den Anlagebetrag von 20.000 Euro, von 18,05 %. Das kommt schon unserer angeblichen Rendite des aktiv gemanagten Fonds näher. Die durchschnittliche jährliche Rendite beträgt somit 3,6 %.

Fazit

Würden Sie immer noch sagen ein Honorarberater ist zu teuer? Die Gegenüberstellung mag zwar von einigen Annahmen ausgehen, sie ist jedoch durchaus repräsentativ. Fakt ist, dass die Kosten beim aktiv gemanagten Fonds höher sind als die Rendite über den besagten Zeitraum. Sie stehen also überhaupt nicht im Verhältnis zu der erbrachten Leistung, weder seitens der Fondsgesellschaft noch des Bankberaters. Ein Honorarberater kann Sie vor solchen Wucher-Angeboten bewahren und ist, wenn man es genau nimmt, sogar günstiger. Auch liegt der Vorteil darin, dass die Auswahl der angebotenen Anlageprodukte viel sorgfältiger ausfällt.

Viel Erfolg!

David Iusow