cfd-trader verlieren öfter als sie gewinnen

Die Geschichte eines CFD-Traders

Liebe Leser,

der Börsenhandel ist simpel. Sie können heutzutage mit einem kleinen Konto ab, sagen wir mal 500 Euro, bereits starten. Alles kein Problem mehr in Zeiten von CFDs, binären Optionen, Zertifikaten und Optionsscheinen. Früher war der langfristig erfolgreiche Börsenhandel nur Leuten vorbehalten, die sich Aktien von guten Unternehmen leisten konnten oder aber Zugang zu bestimmten Börsenplätzen hatten, der jedoch ebenfalls mit einer Mindestvoraussetzung an Kapital verbunden war.

Und ich spreche hier noch nicht von Kleinaktionären, denn an der Börse richtig Geld verdienen, bedeutet aus meiner Sicht eben nicht mal zehn Aktien von Microsoft zu kaufen und diese bis zur Rente liegen zu lassen. Um an der Börse seinen Lebensunterhalt zu bestreiten oder an Investments zu verdienen, benötigt man einen Batzen an Kapital. Denn es macht einen Unterschied, ob eine Rendite von 10 % auf 100.000 Euro erzielt wurde oder auf 1.000 Euro.

Was, wenn ich Ihnen sage, dass sich das bis heute größtenteils nicht verändert hat? Der Zugang, den der Kleinaktionär von damals heute zum Markt hat, scheint aufgrund der Digitalisierung offen zu sein. Doch die Produkte, die ihm hier angeboten werden, versperren ihm gleichzeitig den Weg zum erfolgreichen Börsenhandel. Am Ende ist meistens derjenige erfolgreich, der diesen Batzen Kapital hat und in solide Investments steckt, weil er sich diese leisten kann. Nicht derjenige, der sich mit CFDs oder gar binären Optionen abrackert.

Was für die früheren Kleinaktionär Penny-Stocks waren, sind für die heutigen Anleger oft Produkte wie CFDs, Zertifikate oder binäre Optionen. Börse für die Unterschicht so zusagen. Wahrscheinlichkeit auf Erfolg ist im Handel mit diesen Produkten verschwindend gering und dafür gibt es natürlich auch Gründe. Die Krönung des Ganzen wurde nun, meines Erachtens, mit der Erfindung der binären Option bewerkstelligt.

Lesen Sie dazu doch bitte diese beiden Beiträge:

Binäre Optionen- Was ist dran?

Zwei Gründe gegen binäre Optionen

Doch auch CFDs sind nicht unbedingt die besseren Produkte. Sicher sind CFDs nicht so schlimm wie binäre Optionen, doch die Eigenschaften eines CFDs reichen bereits aus, um diese Wahrscheinlichkeit auf Erfolg für den Händler zu verringern. Wie das?

It`s the Leverage, Stupid!

Es ist wie so immer der Hebel, der hier eine sehr große Rolle spielt. CFDs ermöglichen dem Händler sozusagen den Handel auf Kredit. Stellen Sie sich einen Anfänger CFD-Trader vor, der einen CFD auf die Apple-Aktie kaufen möchte. Er zahlt dafür in der Regel nur 10 % des Börsenpreises. Aktuell steht der Kurs bei 163 US-Dollar. Er würde für eine Long-Position in der Apple-Aktie mittels CFD also gerade einmal 16,3 US-Dollar zahlen (Transaktionskosten, Spread usw. nicht berücksichtigt).

Steigt der Kurs nun, sagen wir mal um 10 % auf 179,3 US-Dollar, dann hat unser CFD-Trader nicht lediglich 10 % Gewinn gemacht, sondern bezogen auf den Kaufpreis von 16,3 US-Dollar, 100 %. Wow! Hört sich doch super an, oder? Und genau hier beginnt nun die Maschinerie an zu arbeiten. der CFD-Trader denkt sich: “Wenn ich mir zum Preis einer Apple-Aktie gleich zehn CFDs auf diese Aktie kaufe und dabei 100 % Rendite in kurzer Zeit erzielen kann, dann gehöre ich bald zu den Glücklichen, die an der “Börse” handeln und Geld verdienen, ohne dabei viel Kapital zu haben.

Wie gut, dass die Digitalisierung auch an der Börse Einzug gehalten hat. Unser CFD-Trader wird übermütig und denkt er hätte die Welt neu entdeckt und keiner wusste davon. Zumindest nicht in seinem Umfeld. Die Realität lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Denn der Hebel wirkt nicht nur in die eine Richtung, sondern auch in die andere.

Er bekommt es erstmals mit seinen negativen Emotionen zu tun, nachdem er merkt, dass ein 10 % – Wertverlust der Aktie schneller erreicht werden kann, als ihm lieb ist und dabei befindet sich die Aktie eigentlich immer noch im langfristigen Aufwärtstrend. Er fängt an zu begreifen, dass er an das Trading systematisch herangehen sollte.

“Aber hey, das wird schon. Mit ein wenig Mühe bekomme ich das hin. Andere schaffen das ja auch, und vor allem gibt es da diese coole Analysemethode, die technische Analyse. Da gibt es Bücher zu, die ich mir kaufe, studiere und dann geht es ganz bestimmt aufwärts. Ich werde reich und erfolgreich, schlau und beliebt. Auf geht`s!”

Er liest also zig Bücher zur technischen Analyse, liest etliche Blogs und schaut sich Videos an, stürzt sich also richtig in die Materie des Tradings und ist fest davon überzeugt, dass der Erfolg nur von seinem Können abhängt. Und wenn es nicht so richtig funktionieren mag, dann liegt das einzig und allein daran, dass er es noch nicht begriffen hat.

Denn, wie kann es sein, dass einem zwar solch eine Möglichkeit gegeben wird (den guten Banken und Brokern sei Dank) am Börsenhandel teilzunehmen, bei der anscheinend jeder zweite erfolgreich ist? Man selbst aber dort noch nicht angekommen ist? “Irgendetwas muss ich übersehen haben. Das Produkt kann es aber in keinem Fall sein. Es muss an mir selbst liegen.”

Es ist das Risiko-Management, Stupid

Da war doch noch etwas. Achja, ich weiss. Es ist das Risiko-Management. Wie kann man nur so doof sein? Ohne das Risiko-Management geht eben nichts. Irgendwo habe ich gelesen, dass man unbedingt einen Stop-Loss benutzen sollte, damit man eben nicht mehr pro Trade verliert als eingesetzt. Also weiter geht`s!

Kurzer Cut: An dieser Stelle sollten Sie nun langsam bemerkt haben, dass unser CFD-Trader in eine bestimmte Handelsstrategie gedrängt wurde. Er ist jetzt aufgrund des Stop-Loss, der ja auf jeden Fall notwendig ist, dazu gezwungen kurzfristig und hoch frequentiert zu handeln. Er hat es aber wahrscheinlich selbst noch nicht einmal bemerkt, denn an allem Misserfolg, den er bisher hatte, ist er ja selbst schuld.

Weiter unser CFD-Trader: Auch habe ich irgendwo gelesen, dass man neben dem Stop-Loss nicht mehr als 1-2 % seines vorhandenen Kapitals pro Trade einsetzen sollte um die Überlebenschance des Kontos zu erhöhen. Würde aber im Umkehrschluss zweierlei bedeuten: Entweder muss mein Kapital deutlich höher sein, damit die Rendite am Ende hoch genug ausfällt oder aber ich gebe mich mit der geringen Rendite zufrieden?

Das war leider so mit dem CFD-Handel aber nicht geplant. Es gibt noch eine andere Möglichkeit: Ich lasse es mit den 1-2 % und versuche es mit 10 %. Ansonsten lohnt sich das Ganze für mich nicht, genauso als würde ich mir zehn Apple-Aktien ohne Hebel kaufen. Außerdem habe ich ja noch den Stop-Loss. Auf den kann ich mich ja verlassen. Tja, leider hat unser CFD-Trader aber immer noch nicht begriffen, dass der zumeist enge Stop-Loss für überaus wahrscheinliche Verlustserien sorgt und damit sein Erfolg über kurz oder lang begrenzen wird.

Wie ergeht es unserem CFD-Trader?

Wie man es dreht und wendet, der CFD als Produkt mag zwar transparent und an einigen Stellen flexibel sein. Doch alleine die Hebelwirkung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes enorm. Das führt unter anderem dazu, dass gewisse Risiko-Management Methoden zum Tragen kommen, die aber nur an der Oberfläche das Risiko minimieren, Stichwort Stop-Loss. Mehr noch, wird der Händler damit sogar in hochfrequentierte Strategien gedrängt, was ja auch im Sinne der Broker ist.

Eine einzige Möglichkeit, sich dem Risiko eines Hebels zu entziehen, ist es ihn zu entkräften. Das geht z.B. indem man die Positionsgrößen im Verhältnis zum bestehenden Kapital äußerst gering hält. Damit wäre man im Fall der Fälle flexibel, hätte die Möglichkeit zur Diversifikation und müsste sich entweder keine engen Stop-Loss Grenzen aufdrängen lassen oder aber wäre in der Lage Verlustserien zu überleben. Doch in diesem Fall benötigen wir, wie oben bereits dargelegt ein hohes Volumen an Kapital (was ja unser Kleinaktionär von damals oder CFD-Trader von heute eben nicht haben), damit die Rendite am Ende ausreichend ausfällt.

Sie sehen, Digitalisierung, CFDs, binäre Optionen oder schlicht und ergreifend Penny-Stocks, es hat sich kaum etwas verändert, wenn man langfristig erfolgreich an der Börse handeln möchte. Natürlich gibt es auch erfolgreiche CFD-Trader. Auch Futures oder Optionen sind mit einem Hebel versehen, der jedoch einen verhältnismäßig kleinen Teil der Händler nicht daran hindert erfolgreich zu sein.

Doch dieser relativ kleine Anteil (und sie wissen jetzt warum er klein ist) sind eben Profis, die sich Tag ein Tag aus mit dem Trading beschäftigen. Dennoch, erfolgreich sind die meisten davon mit hoher Wahrscheinlichkeit nur deshalb, weil sie den Hebel, wie oben dargelegt durch ein hohes Volumen an Kapital entkräften können.

Da man am Ende also so gut wie immer beim selben Ergebnis landet, frage ich mich warum man überhaupt noch CFDs oder andere Hebelprodukte handeln sollte. Es macht eigentlich nur dann Sinn, wenn man eingefleischter, kurzfristig orientierter Daytrader ist. Statistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit auf langfristigen Erfolg hier jedoch nur einigen wenigen vergönnt. Ich weiss nicht wie es Ihnen geht, aber ich für meinen Teil, möchte mich lieber auf Produkte konzentrieren, bei denen diese Wahrscheinlichkeit höher ist und nicht geringer.

Viel Erfolg!

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