Anleihemarkt Bulle

Ist der Bulle am Anleihemarkt tot?

Liebe Leser,

spätestens seit dem letzten Jahr spaltet der Anleihemarkt, besonders der US-Amerikanische Bondmarkt die Gemüter der Experten, Trader sowie Hedge-Fund Manager. Die Frage, die sich nun alle stellen ist: Könnte der 30-jährige Bullenmarkt bei Anleihekursen vorbei sein? Könnte die Rendite für die 10-jährigen Anleihen, den Ten Year Treasuries, mit dem Normalisierungspfad der FED, womöglich nun einen Boden ausbilden? Das folgende Chart zeigt den langfristigen Abwärtstrend bei den Renditen der 10-Jährigen Anleihen und macht gleichzeitig deutlich warum einige, die nun ein Massaker am Anleihemarkt erwarten, einen Vergleich zu den 1960 er Jahren ziehen.

10Year Treasury Renditen

 

In einem sind sich die meisten einig. Das könnte dann passieren, sofern die Inflation deutlich anzieht. Dass diese aktuell anzieht haben wir gesehen. Die Inflation in den USA scheint das Ziel der FED bereits übertroffen zu haben. Die Gesamtinflation liegt aktuell bei 2,7 % im Vergleich zum Vorjahr, die Kerninflation liegt bei 2,20 % und damit leicht über dem Ziel der FED. In der EU liegt die Inflation bei 2,0 %. Dass die FED ihren Normalisierungspfad fortsetzt, ist auf der einen Seite also berechtigt. Dennoch, wie die letzten Prognosen zeigen, sind die einzelnen Mitglieder nicht wirklich davon überzeugt, dass der aktuelle Anstieg bei den Verbraucherpreisen nachhaltig ist.

Zweitrundeneffekte fehlen

Dieser Meinung ist auch schließlich das Lager derjenigen, die aktuell noch von keiner langfristigen Trendwende in den Anleihekursen bzw. den Renditen ausgehen. Die sogenannten Zweitrundeneffekte sind bisher ausgeblieben. Was ist darunter zu verstehen? Eine nachhaltige Inflation sollte vor allem vom Arbeitsmarkt ausgehen. Steigende Verbraucherpreise ausgehend von den Rohstoffpreisen, womöglich auch durch einen Basiseffekt beeinflußt, haben nicht das Potential die Nachfrage, also das Wirtschaftswachstum alleine anzukurbeln. Genauer gesagt, kommt es auf die Arbeitskosten der Unternehmen an. Können Arbeitgeber ihre Arbeitskosten senken, dann wirkt sich das auf die Steigerung der Löhne aus und demzufolge auch auf die Ausgaben der Konsumenten.

Wie aber kann das Unternehmen die Arbeitskosten senken? Als aller Erstes durch eine optimale Kapazität. Die Kapazität eines Unternehmens zeigt auf, in welchem Maße dieses die vorhandene Nachfrage effizient bedienen kann. Arbeitet das Unternehmen bei einer hohen Kapazitätsauslastung, können die Arbeitskosten aufgrund der hohen Nachfrage über einen Zeitraum hinweg gesenkt werden. Ist das Unternehmen allerdings verpflichtet bei einer geringen Kapazitätsauslastung zu operieren, weil die Nachfrage nicht so hoch ist wie das Produktionsaufkommen, muss das Unternehmen zwangsläufig sparen.

Unternehmens Kapazität in den USA

 

Es entsteht eine Produktionslücke oder wie US-Geldpolitiker es nennen “Output-Gap”.  Das Wirtschaftswachstum kann sich dementsprechend nur unterdurchschnittlich entwickeln. Lohnsteigerungen sind in diesem Fall eher unwahrscheinlich. Genau hier besteht das Problem, welches die aktuelle Situation von der in den 60ern unterscheidet. Ja, wir haben eine sehr niedrige Arbeitslosenquote, die den 60 er Jahren sehr nahe kommt. Doch in den 60 er Jahren, war die Kapazitätsauslastung der  Unternehmen dementsprechend hoch. Die Partizipationsrate ebenfalls. 90 % aller Menschen konnten sehr schnell Arbeit finden, wenn sie danach suchten. Wer aus unserer Generation kann das von sich ehrlicherweise heute noch behaupten?

Fazit

Ob sich der Trend an den Anleihemärkten also tatsächlich in die Richtung entwickelt, die sich Short-Seller an den Bondmärkten so sehr wünschen, hängt weniger davon ab, ob eine Trendlinie gebrochen wird oder die FED die Fund Rate weiter anhebt. Dass die FED einen starken Einfluß auf die Inflation hat, ist gar nicht so sehr relevant. Den hat sie nachweislich gar nicht. Sie kann für die Preisstabilität sorgen, doch die Inflation nährt sich selbst. Inflation entsteht sozusagen durch Inflation. Es hängt am Ende also eher davon ab, ob sich der Arbeitsmarkt dahingehend entwickelt, dass auch Unternehmen die Inflation weiter geben können.

Hier ist aber zum gegebenen Zeitpunkt noch einiges an Skepsis angebracht. Auch das Infrastrukturprogramm von Donald Trump wird auf dieselben Probleme stoßen. So viele Projekte wie geplante Investitionen, würde es aller Voraussicht nach gar nicht geben.  Die Wirkung des Programms könnte auf die Inflation durchaus durchschlagen und ist letztendlich auch der hauptsächliche Grund, warum Inflationserwartungen seit der Wahl des neuen Präsidenten hoch geschnellt sind. Dass das aber nachhaltig sein wird, kann unter den aktuellen US-Arbeitsmarktumständen eher verneint werden.

Viel Erfolg

David Iusow

US-Anleihen shorten

Jetzt US-Anleihen shorten?

Lieber Leser,

vor einiger Zeit habe ich darauf hingewiesen, dass, aus meiner Sicht, bei US-Anleihen bald eine gute Gelegenheit zum shorten besteht. Genau genommen habe ich diesen Trade bereits vor dem Sommer ins Visier genommen. Leser werden sich daran erinnern. In diesem Beitrag “US-Aktien stürzen ab-jetzt verkaufen?”, ging ich darauf ein, wie ich mir das in etwas vorstelle, da der Zeitpunkt aus meiner Sicht immer näher kam. Das war am 10. September. Ich empfehle diesen Beitrag zu lesen. Aufgrund von zeitlichem Mangel, habe ich es bis heute nicht geschafft eine ausführliche Analyse dazu im Blog zu verfassen. Kurz gesagt sind mir folgende Dinge bei dem Trade wichtig:

  1. Bald steigende Zinsen in den USA
  2. Anziehende Inflationserwartungen
  3. Anziehender Ölpreis
  4. Keine weiteren Zinssenkungen seitens der EZB und der BoJ
  5. Anziehende Konjunktur in den USA
  6. Technischer Ausbruch in den Treasury Notes Futures
  7. Intermarket-Korrelationen deuten auf Veränderungen zwischen Aktien- und Anleihenkursen hin

Dabei sollte man stets beachten, dass der Handel wie sonst auch immer, auf Basis einer Prognose stattfindet und zwar einer Prognose hinsichtlich einiger der hier genannten Faktoren. So kann ich beispielsweise nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass sich die US-Konjunktur im nächsten Jahr weiter erholt. Für nachhaltig steigende Renditen, wäre das aber Grundvoraussetzung. Aktuell muss ich mich mit dem begnügen, was da ist und diese Dinge deuten zumindest aus meiner Sicht darauf hin, dass sich hier etwas zusammenbraut.

Und denjenigen, der meint, mit der technischen Preisanalyse, wäre er stets besser bedient, möchte ich nur daran erinnern, dass er ebenfalls nichts anderes als Prognosen trifft, nur eben auf Basis von Preismustern. Warum also nicht das Ganze Repertoire an vorhandenen Informationen nutzen? Ich kann das nur immer und immer wiederholen. Es existiert, meiner Meinung nach, kein Edge nur auf Basis der technischen Preisanalyse. Den Edge erreichen technische Analysten in der Regel durch weitere Parameter. Sei es enge Absicherungen oder bestimmte Methoden, wie Contra-Trend Einstiege. Das sind jedoch, wenn man es genau betrachtet, strategische Überlegungen. Bei strategischen Dingen spielen Erfahrungswerte und die eigene Risikotoleranz eine Rolle, weniger die Analysemethode. Es ist wie beim Schachspielen. Jeder weiß, wie es geht, aber nur wenige können es wirklich.

US-Anleihen Chartanalyse

Zurück zum Anleihen-Short. Das obere Chart habe ich in dem genannten Beitrag Anfang September veröffentlicht. Markttechnisch sieht es also ebenfalls gar nicht mal so schlecht aus und ich vermute, sollte der T-Note Future die 130 Punkte deutlich unterschreiten, wird sich an der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie entscheiden, ob das Top wirklich relevant ist oder nicht. Bis dahin werden wir mehr zu den Gerüchten um das geplante Tapering der EZB wissen und über weitere Pläne der Bank of Japan.

Produkte zum Shorten

Ich persönlich bevorzuge den T-Note Future (Dezember-Kontrakt), allerdings habe ich parallel dazu zwei weitere Produkte ins Visier genommen. Nämlich ein ETF-ähnliches Produkt, den ETN von iPath sowie das gehebelte Faktor-Zertifikat von der Commerzbank WKN CZ34KG. Ich finde den ETN interessanter, da Zertifikate nie mein Ding waren. Wer allerdings lieber ein Zertifikat als Future bevorzugt, für den könnte das eine Alternative sein.

iPath® US Treasury 10-year Bear ETN

 

ETN US Anleihen

Fazit

Alles in einem sehe ich den Short immer noch als aussichtsreich an, sowohl auf der kurz- als auch auf der längerfristigen Seite. Jedoch sollte man dabei bedenken, dass die Notenbanken immer noch den Gegenpart spielen. Diese sind allerdings von den oben genannten Faktoren ebenso abhängig und werden erst dann aktiv, wenn sich dunkle Wolken am Konjunkturhimmel auftun. Das kann man, zumindest kurzfristig, für die EU und die USA nicht erwarten. Japan ist ein Fall für sich.

Wenn Sie sich für tiefergehende Analysen der oben genannten Faktoren interessieren oder einfach nur beraten werden wollen, kontaktieren Sie mich gerne hier. Ein weiterer Hinweis an dieser Stelle an alle Leser, die weniger erfahren sind. Generell gilt: Je mehr das Produkt gehebelt ist, desto enger sollte man sich absichern. Für unerfahrene Anleger sind ungehebelte Produkte daher die bessere Alternative.

Hinweis: Die in diesem Beitrag besprochenen Inhalte, stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Derivaten dar, sondern sind als allgemeines Research zu verstehen. In keinem Fall gibt der Verfasser Anweisungen zum Handel mit den im Beitrag genannten Produkten. 

Viel Erfolg!

David Iusow

Carry-Trades

Trading-Idee und warum Carry-Trades jetzt wieder greifen

Liebe Blogleser,

ich habe in der letzten Woche mich darüber geärgert, dass man in den breiten Medien immer alles auf Carry-Trades schiebt. Dass es diese gibt, bestreite ich natürlich nicht, nur muss man auch manchmal erkennen, dass sich eben nicht alles um Carry-Trades dreht.

Genau deshalb ist der Aktienmarkt ja auch trotz steigendem Yen weiter gestiegen. In einem normalen Carry-Trade Umfeld, müsste der SP500 in diesem Fall fallen. Jedoch hatten wir aufgrund der Quartalssaison und der weiterhin dovishen FED hier womöglich andere Impulse im Markt.

Um festzustellen, ob auf dem Aktienmarkt vermehrt Carry-Trades ihre Wirkung zeigen oder andere Impulse herrschen, könnte man daher auch folgendes tun. Man vergleicht die Korrelation zwischen der Rendite der zehnjährigen Treasury-Notes und dem SP500 Index.

Die beiden Werte weisen nicht nur aufgrund der Carry-Trade-Beziehung eine enge positive Korrelation auf, sondern sind auch generell positiv korreliert aufgrund der Risiko-Eigenschaften der beiden Asset-Klassen. Werden Aktien vermehrt nachgefragt, steigt die Rendite für Bonds und umgekehrt.

US 10-jährige Anleiherendite vs. SP500

 

Driftet die Korrelation auseinander, so ist das ein Zeichen dafür, dass hier andere Impulse als Carry-Trades vorhanden sind. Vor allem für den Aktienmarkt gilt das, denn er ist volumenmäßig kleiner als der Bond-Markt.

In diesem Fall dürfte sich der US-Markt in Form des SP500 Index für eine Zeit lang, aus den oben genannten Gründen entkoppelt haben, sowohl von der Rendite der zehnjährigen US Treasury-Notes als auch vom Währungspaar USDJPY. Besonders deutlich wird das im Zeitraum März-April. Die Rendite fiel hier rapide ab, während der SP500 Index weiter angestiegen ist.

USDJPY Chartanalyse

 

Zur gleichen Zeit fiel das Währungspaar USDJPY unter die psychologisch wichtige Preiszone von 110 japanische Yen je US-Dollar (siehe Chart). Die im Zuge des steigenden Yen erfolgte Auflösung der Carry-Trades zeigte sich also vermehrt im Bond-Markt aber nicht im Aktienmarkt.

Schwinden die zusätzlichen Impulse, so dürfte sich die Korrelation zwischen den beiden wieder nähern und zwar fällt in diesem Fall meistens der Aktienmarkt in Richtung der Rendite, wenn diese zuvor gefallen war. Das ist auch größtenteils der Grund, warum Aktien in der letzten Woche stagnierten. Somit zeichnet sich auch die positive Korrelation zwischen dem Aktienmarkt und dem Währungspaar USDJPY langsam wieder ab.

Trading-Idee

Das Währungspaar USDJPY steigt in dieser Woche wieder und so steigt auch der SP500 und der Dow-Jones-Index wieder an. Hier spielt also nicht nur der Ölpreis eine Rolle, sondern auch der wieder aufgenommene Carry-Trade.  Sollte sich der Trend weiter fortsetzen, und wichtig, nur dann!! So entstünde womöglich auch eine Trading-Chance im Bond-Markt.

Meiner Meinung nach dürfte sich die Rendite der zehnjährigen US-Anleihen im Idealfall ebenfalls weiter erholen und damit der Futures-Kurs (siehe Chart unten) der besagten Anleihe in Kürze wieder fallen. Da auf der Short-Seite oft schnellere Gewinne möglich sind, halte ich den Trade für die bessere Wahl, im Gegensatz zum steigenden US-Markt. Wie geht man aber nun an so einen Trade heran?

US 10 Year T-Notes Chartanalyse

So wie im Chart ersichtlich, sieht es zunächst danach auch, als würde hier ein Durchbruch aus dem Dreieck nach oben erfolgen. Sollte es wirklich dazu kommen, dann wäre es ideal, wenn es sich dabei um einen Fehlausbruch handelte. Ein Eintauchen wieder zurück in das Dreieck, wäre womöglich ein Signal für den Short-Trade.

Im anderen Fall muss man wohl oder übel versuchen die Markttechnik auf kürzeren Zeitebenen zu bedienen. Aber wie gesagt, das Ganze nur unter der Voraussetzung, dass der japanische Yen wieder schwächer wird und der Carry-Trade voll greift.

Viel Erfolg!

David Iusow