Anleihemarkt Bulle

Ist der Bulle am Anleihemarkt tot?

Liebe Leser,

spätestens seit dem letzten Jahr spaltet der Anleihemarkt, besonders der US-Amerikanische Bondmarkt die Gemüter der Experten, Trader sowie Hedge-Fund Manager. Die Frage, die sich nun alle stellen ist: Könnte der 30-jährige Bullenmarkt bei Anleihekursen vorbei sein? Könnte die Rendite für die 10-jährigen Anleihen, den Ten Year Treasuries, mit dem Normalisierungspfad der FED, womöglich nun einen Boden ausbilden? Das folgende Chart zeigt den langfristigen Abwärtstrend bei den Renditen der 10-Jährigen Anleihen und macht gleichzeitig deutlich warum einige, die nun ein Massaker am Anleihemarkt erwarten, einen Vergleich zu den 1960 er Jahren ziehen.

10Year Treasury Renditen

 

In einem sind sich die meisten einig. Das könnte dann passieren, sofern die Inflation deutlich anzieht. Dass diese aktuell anzieht haben wir gesehen. Die Inflation in den USA scheint das Ziel der FED bereits übertroffen zu haben. Die Gesamtinflation liegt aktuell bei 2,7 % im Vergleich zum Vorjahr, die Kerninflation liegt bei 2,20 % und damit leicht über dem Ziel der FED. In der EU liegt die Inflation bei 2,0 %. Dass die FED ihren Normalisierungspfad fortsetzt, ist auf der einen Seite also berechtigt. Dennoch, wie die letzten Prognosen zeigen, sind die einzelnen Mitglieder nicht wirklich davon überzeugt, dass der aktuelle Anstieg bei den Verbraucherpreisen nachhaltig ist.

Zweitrundeneffekte fehlen

Dieser Meinung ist auch schließlich das Lager derjenigen, die aktuell noch von keiner langfristigen Trendwende in den Anleihekursen bzw. den Renditen ausgehen. Die sogenannten Zweitrundeneffekte sind bisher ausgeblieben. Was ist darunter zu verstehen? Eine nachhaltige Inflation sollte vor allem vom Arbeitsmarkt ausgehen. Steigende Verbraucherpreise ausgehend von den Rohstoffpreisen, womöglich auch durch einen Basiseffekt beeinflußt, haben nicht das Potential die Nachfrage, also das Wirtschaftswachstum alleine anzukurbeln. Genauer gesagt, kommt es auf die Arbeitskosten der Unternehmen an. Können Arbeitgeber ihre Arbeitskosten senken, dann wirkt sich das auf die Steigerung der Löhne aus und demzufolge auch auf die Ausgaben der Konsumenten.

Wie aber kann das Unternehmen die Arbeitskosten senken? Als aller Erstes durch eine optimale Kapazität. Die Kapazität eines Unternehmens zeigt auf, in welchem Maße dieses die vorhandene Nachfrage effizient bedienen kann. Arbeitet das Unternehmen bei einer hohen Kapazitätsauslastung, können die Arbeitskosten aufgrund der hohen Nachfrage über einen Zeitraum hinweg gesenkt werden. Ist das Unternehmen allerdings verpflichtet bei einer geringen Kapazitätsauslastung zu operieren, weil die Nachfrage nicht so hoch ist wie das Produktionsaufkommen, muss das Unternehmen zwangsläufig sparen.

Unternehmens Kapazität in den USA

 

Es entsteht eine Produktionslücke oder wie US-Geldpolitiker es nennen “Output-Gap”.  Das Wirtschaftswachstum kann sich dementsprechend nur unterdurchschnittlich entwickeln. Lohnsteigerungen sind in diesem Fall eher unwahrscheinlich. Genau hier besteht das Problem, welches die aktuelle Situation von der in den 60ern unterscheidet. Ja, wir haben eine sehr niedrige Arbeitslosenquote, die den 60 er Jahren sehr nahe kommt. Doch in den 60 er Jahren, war die Kapazitätsauslastung der  Unternehmen dementsprechend hoch. Die Partizipationsrate ebenfalls. 90 % aller Menschen konnten sehr schnell Arbeit finden, wenn sie danach suchten. Wer aus unserer Generation kann das von sich ehrlicherweise heute noch behaupten?

Fazit

Ob sich der Trend an den Anleihemärkten also tatsächlich in die Richtung entwickelt, die sich Short-Seller an den Bondmärkten so sehr wünschen, hängt weniger davon ab, ob eine Trendlinie gebrochen wird oder die FED die Fund Rate weiter anhebt. Dass die FED einen starken Einfluß auf die Inflation hat, ist gar nicht so sehr relevant. Den hat sie nachweislich gar nicht. Sie kann für die Preisstabilität sorgen, doch die Inflation nährt sich selbst. Inflation entsteht sozusagen durch Inflation. Es hängt am Ende also eher davon ab, ob sich der Arbeitsmarkt dahingehend entwickelt, dass auch Unternehmen die Inflation weiter geben können.

Hier ist aber zum gegebenen Zeitpunkt noch einiges an Skepsis angebracht. Auch das Infrastrukturprogramm von Donald Trump wird auf dieselben Probleme stoßen. So viele Projekte wie geplante Investitionen, würde es aller Voraussicht nach gar nicht geben.  Die Wirkung des Programms könnte auf die Inflation durchaus durchschlagen und ist letztendlich auch der hauptsächliche Grund, warum Inflationserwartungen seit der Wahl des neuen Präsidenten hoch geschnellt sind. Dass das aber nachhaltig sein wird, kann unter den aktuellen US-Arbeitsmarktumständen eher verneint werden.

Viel Erfolg

David Iusow

US-Anleihen shorten

Jetzt US-Anleihen shorten?

Lieber Leser,

vor einiger Zeit habe ich darauf hingewiesen, dass, aus meiner Sicht, bei US-Anleihen bald eine gute Gelegenheit zum shorten besteht. Genau genommen habe ich diesen Trade bereits vor dem Sommer ins Visier genommen. Leser werden sich daran erinnern. In diesem Beitrag “US-Aktien stürzen ab-jetzt verkaufen?”, ging ich darauf ein, wie ich mir das in etwas vorstelle, da der Zeitpunkt aus meiner Sicht immer näher kam. Das war am 10. September. Ich empfehle diesen Beitrag zu lesen. Aufgrund von zeitlichem Mangel, habe ich es bis heute nicht geschafft eine ausführliche Analyse dazu im Blog zu verfassen. Kurz gesagt sind mir folgende Dinge bei dem Trade wichtig:

  1. Bald steigende Zinsen in den USA
  2. Anziehende Inflationserwartungen
  3. Anziehender Ölpreis
  4. Keine weiteren Zinssenkungen seitens der EZB und der BoJ
  5. Anziehende Konjunktur in den USA
  6. Technischer Ausbruch in den Treasury Notes Futures
  7. Intermarket-Korrelationen deuten auf Veränderungen zwischen Aktien- und Anleihenkursen hin

Dabei sollte man stets beachten, dass der Handel wie sonst auch immer, auf Basis einer Prognose stattfindet und zwar einer Prognose hinsichtlich einiger der hier genannten Faktoren. So kann ich beispielsweise nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass sich die US-Konjunktur im nächsten Jahr weiter erholt. Für nachhaltig steigende Renditen, wäre das aber Grundvoraussetzung. Aktuell muss ich mich mit dem begnügen, was da ist und diese Dinge deuten zumindest aus meiner Sicht darauf hin, dass sich hier etwas zusammenbraut.

Und denjenigen, der meint, mit der technischen Preisanalyse, wäre er stets besser bedient, möchte ich nur daran erinnern, dass er ebenfalls nichts anderes als Prognosen trifft, nur eben auf Basis von Preismustern. Warum also nicht das Ganze Repertoire an vorhandenen Informationen nutzen? Ich kann das nur immer und immer wiederholen. Es existiert, meiner Meinung nach, kein Edge nur auf Basis der technischen Preisanalyse. Den Edge erreichen technische Analysten in der Regel durch weitere Parameter. Sei es enge Absicherungen oder bestimmte Methoden, wie Contra-Trend Einstiege. Das sind jedoch, wenn man es genau betrachtet, strategische Überlegungen. Bei strategischen Dingen spielen Erfahrungswerte und die eigene Risikotoleranz eine Rolle, weniger die Analysemethode. Es ist wie beim Schachspielen. Jeder weiß, wie es geht, aber nur wenige können es wirklich.

US-Anleihen Chartanalyse

Zurück zum Anleihen-Short. Das obere Chart habe ich in dem genannten Beitrag Anfang September veröffentlicht. Markttechnisch sieht es also ebenfalls gar nicht mal so schlecht aus und ich vermute, sollte der T-Note Future die 130 Punkte deutlich unterschreiten, wird sich an der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie entscheiden, ob das Top wirklich relevant ist oder nicht. Bis dahin werden wir mehr zu den Gerüchten um das geplante Tapering der EZB wissen und über weitere Pläne der Bank of Japan.

Produkte zum Shorten

Ich persönlich bevorzuge den T-Note Future (Dezember-Kontrakt), allerdings habe ich parallel dazu zwei weitere Produkte ins Visier genommen. Nämlich ein ETF-ähnliches Produkt, den ETN von iPath sowie das gehebelte Faktor-Zertifikat von der Commerzbank WKN CZ34KG. Ich finde den ETN interessanter, da Zertifikate nie mein Ding waren. Wer allerdings lieber ein Zertifikat als Future bevorzugt, für den könnte das eine Alternative sein.

iPath® US Treasury 10-year Bear ETN

 

ETN US Anleihen

Fazit

Alles in einem sehe ich den Short immer noch als aussichtsreich an, sowohl auf der kurz- als auch auf der längerfristigen Seite. Jedoch sollte man dabei bedenken, dass die Notenbanken immer noch den Gegenpart spielen. Diese sind allerdings von den oben genannten Faktoren ebenso abhängig und werden erst dann aktiv, wenn sich dunkle Wolken am Konjunkturhimmel auftun. Das kann man, zumindest kurzfristig, für die EU und die USA nicht erwarten. Japan ist ein Fall für sich.

Wenn Sie sich für tiefergehende Analysen der oben genannten Faktoren interessieren oder einfach nur beraten werden wollen, kontaktieren Sie mich gerne hier. Ein weiterer Hinweis an dieser Stelle an alle Leser, die weniger erfahren sind. Generell gilt: Je mehr das Produkt gehebelt ist, desto enger sollte man sich absichern. Für unerfahrene Anleger sind ungehebelte Produkte daher die bessere Alternative.

Hinweis: Die in diesem Beitrag besprochenen Inhalte, stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Derivaten dar, sondern sind als allgemeines Research zu verstehen. In keinem Fall gibt der Verfasser Anweisungen zum Handel mit den im Beitrag genannten Produkten. 

Viel Erfolg!

David Iusow

Carry-Trades

Trading-Idee und warum Carry-Trades jetzt wieder greifen

Liebe Blogleser,

ich habe in der letzten Woche mich darüber geärgert, dass man in den breiten Medien immer alles auf Carry-Trades schiebt. Dass es diese gibt, bestreite ich natürlich nicht, nur muss man auch manchmal erkennen, dass sich eben nicht alles um Carry-Trades dreht.

Genau deshalb ist der Aktienmarkt ja auch trotz steigendem Yen weiter gestiegen. In einem normalen Carry-Trade Umfeld, müsste der SP500 in diesem Fall fallen. Jedoch hatten wir aufgrund der Quartalssaison und der weiterhin dovishen FED hier womöglich andere Impulse im Markt.

Um festzustellen, ob auf dem Aktienmarkt vermehrt Carry-Trades ihre Wirkung zeigen oder andere Impulse herrschen, könnte man daher auch folgendes tun. Man vergleicht die Korrelation zwischen der Rendite der zehnjährigen Treasury-Notes und dem SP500 Index.

Die beiden Werte weisen nicht nur aufgrund der Carry-Trade-Beziehung eine enge positive Korrelation auf, sondern sind auch generell positiv korreliert aufgrund der Risiko-Eigenschaften der beiden Asset-Klassen. Werden Aktien vermehrt nachgefragt, steigt die Rendite für Bonds und umgekehrt.

US 10-jährige Anleiherendite vs. SP500

 

Driftet die Korrelation auseinander, so ist das ein Zeichen dafür, dass hier andere Impulse als Carry-Trades vorhanden sind. Vor allem für den Aktienmarkt gilt das, denn er ist volumenmäßig kleiner als der Bond-Markt.

In diesem Fall dürfte sich der US-Markt in Form des SP500 Index für eine Zeit lang, aus den oben genannten Gründen entkoppelt haben, sowohl von der Rendite der zehnjährigen US Treasury-Notes als auch vom Währungspaar USDJPY. Besonders deutlich wird das im Zeitraum März-April. Die Rendite fiel hier rapide ab, während der SP500 Index weiter angestiegen ist.

USDJPY Chartanalyse

 

Zur gleichen Zeit fiel das Währungspaar USDJPY unter die psychologisch wichtige Preiszone von 110 japanische Yen je US-Dollar (siehe Chart). Die im Zuge des steigenden Yen erfolgte Auflösung der Carry-Trades zeigte sich also vermehrt im Bond-Markt aber nicht im Aktienmarkt.

Schwinden die zusätzlichen Impulse, so dürfte sich die Korrelation zwischen den beiden wieder nähern und zwar fällt in diesem Fall meistens der Aktienmarkt in Richtung der Rendite, wenn diese zuvor gefallen war. Das ist auch größtenteils der Grund, warum Aktien in der letzten Woche stagnierten. Somit zeichnet sich auch die positive Korrelation zwischen dem Aktienmarkt und dem Währungspaar USDJPY langsam wieder ab.

Trading-Idee

Das Währungspaar USDJPY steigt in dieser Woche wieder und so steigt auch der SP500 und der Dow-Jones-Index wieder an. Hier spielt also nicht nur der Ölpreis eine Rolle, sondern auch der wieder aufgenommene Carry-Trade.  Sollte sich der Trend weiter fortsetzen, und wichtig, nur dann!! So entstünde womöglich auch eine Trading-Chance im Bond-Markt.

Meiner Meinung nach dürfte sich die Rendite der zehnjährigen US-Anleihen im Idealfall ebenfalls weiter erholen und damit der Futures-Kurs (siehe Chart unten) der besagten Anleihe in Kürze wieder fallen. Da auf der Short-Seite oft schnellere Gewinne möglich sind, halte ich den Trade für die bessere Wahl, im Gegensatz zum steigenden US-Markt. Wie geht man aber nun an so einen Trade heran?

US 10 Year T-Notes Chartanalyse

So wie im Chart ersichtlich, sieht es zunächst danach auch, als würde hier ein Durchbruch aus dem Dreieck nach oben erfolgen. Sollte es wirklich dazu kommen, dann wäre es ideal, wenn es sich dabei um einen Fehlausbruch handelte. Ein Eintauchen wieder zurück in das Dreieck, wäre womöglich ein Signal für den Short-Trade.

Im anderen Fall muss man wohl oder übel versuchen die Markttechnik auf kürzeren Zeitebenen zu bedienen. Aber wie gesagt, das Ganze nur unter der Voraussetzung, dass der japanische Yen wieder schwächer wird und der Carry-Trade voll greift.

Viel Erfolg!

David Iusow

EZB Meeting, Mario Draghi

EZB-Meeting, Maßnahmen und Charts

Märkte erholen sich deutlich in Erwartung des EZB-Meeting. Risiken flauen ab. US-Rezession nicht bestätigt, US-Arbeitsmarktdaten, China weiter auf Lockerungspfad und Stimulation, EU-Deflation, Gold und Öl.

In dieser Woche kommt der Bericht leider etwas später und nicht wie gewohnt am Sonntag. Das soll eine Ausnahme bleiben, kann aber hin und wieder mal vorkommen.

So oder so, der Fokus in dieser Woche liegt sehr stark auf dem EZB-Meeting und der Pressekonferenz. Meine Einschätzung für den Verlauf der letzten Woche traf größtenteils ein und wer meine Beiträge regelmäßig liest, wird bis auf vereinzelte News nicht viel verpasst haben. Komme ich wie immer zu der Markttechnik.

EURUSD Chartanalyse

EURUSD Chartanalyse

Wie erwartet hat sich die Abwärtsbewegung zunächst fortgesetzt, konnte allerdings gegen Ende der Woche etwas korrigieren. Ich denke, dass sich die Schwäche im Euro auch in dieser Woche fortsetzt. Mehr habe ich zu dem Währungspaar aus der technischen Perspektive nicht zu sagen. Manchmal ist weniger mehr.

DAX Chartanalyse

DAX Chartanalyse

Bezüglich des DAX habe ich in den vergangenen zwei Woche mehrmals, sowohl hier als auch im Live-Trading Channel darauf hingewiesen, dass der Bruch der kurzfristigen Trendlinie (blau eingekreist) ausschlaggebend für einen dynamischen Push nach oben sein wird. Wer mir jetzt noch erklären möchte, dass Markttechnik nicht funktioniert, den nehme ich überhaupt nicht ernst. Sie funktioniert nur dann nicht, wenn man nicht weiss, wie man sie interpretiert.

Aktuell sind wir an der langfristigen Aufwärtstrendlinie angekommen. Ich sah vor ein Paar Wochen noch recht geringe Chancen, dass diese Trendlinie wieder nach oben passiert wird. Die Dynamik der Price-Action deutet allerdings daraufhin, dass ein Push darüber immer wahrscheinlicher wird.

Zu Beginn der Woche rechne ich allerdings eher damit, dass die Trendlinie hält und es zu einem Retest des kurzfristigen Ausbruchsniveaus kommt. Warum, erkläre ich am Beispiel des SP500. Lasse mich vom Markt aber auch gerne eines anderen belehren. Das ist eben der Vorteil, wenn man nicht, wie Hari von Mr. Market so schön sagt, an Prognosiritis leidet.

Ein deutlicher Push über die Trendlinie könnte allerdings hohes Potential in Richtung 11.000 Pkt. bergen. Dieses Potential wäre im Vergleich zum SP500 deutlich größer. Eine Umkehr der technischen Lage sehe ich in diesem Fall. Während im SP500 die initiale Bewegung größeres Potential inne hatte, worauf ich auch hingewiesen habe, würde die anschließende Bewegung im DAX deutlich stärker und länger ausfallen als im SP500.

SP500 Chartanalyse

SP500 Chartanalyse

Auch hier verlief alles wie erwartet und die 2.000 Pkt. wurden innerhalb der letzten Woche erreicht. Doch es deutet sich erst einmal das Ende der Fahnenstange an, weshalb auch der DAX wohl etwas Gegenwind bekommen könnte. Dennoch, auch im SP500 war die Price-Action nicht zu verkennen und ein Push über die 2.000 Pkt. könnte das Ziel eines neuen tieferen Hochs auf die Agenda bringen, das in etwa bei 2.080 Pkt. liegt.

WTI Öl Chartanalyse

WTI Öl Chartanalyse

Auch hier das beste Beispiel, warum es fatal ist Markttechnik zu unterschätzen. In jeder der letzten drei Wochen, hat der Ölpreis einen Widerstand überwinden können. Die Wahrscheinlichkeit dafür war recht groß, aus der markttechnischen Perspektive, worauf ich jedes Mal hingewiesen habe. Die Dynamik der Price-Action deutet darauf hin, dass die Bewegung noch nicht zu Ende ist und der vierte Widerstand (zweite horizontale Linie) könnte in dieser Woche das Ziel werden.

Dennoch, es kann kurzzeitig zu einer Gegenbewegung in Öl kommen, was aber wohl allgemein an der überkauften Lage liegt, die sich über die gesamten Märkte (Indizes und Öl und Gold) zieht.

Am Rande ein Tipp. Wenn Sie die Price-Action lange genug beobachten, benötigen Sie am Ende keine Indikatoren, um zu sehen ob die Lage überkauft ist oder nicht. Ihr Gespür für den Markt können Sie so besser schulen, anstatt mit vermeintlich bestätigenden Indikatoren wie dem RSI oder dergleichen.

Gold Chartanalyse

Gold Chartanalyse

Gold. Wie war das nochmal, Chartanalyse ist Blödsinn? Ok, von mir aus. Diejenigen, die es besser wissen, schauen einfach auf das Chart für Gold und überzeugen sich selbst. Gold bewies weiterhin seine Stärke, trotz eines steigenden US-Dollars bereits über die zweite Woche hinweg. Also, wenn das kein Zeichen von relativer Stärke ist, dann weiss ich auch nicht.

Der zweite langfristige Abwärtstrend konnte überwunden werden. Leichte Schwäche im Trend, kann ich allerdings bereits erkennen, denn das letzte Hoch wurde nur geringfügig überwunden. Dennoch, die Wahrscheinlichkeit für die Fortsetzung der Bewegung schätze ich höher ein, als andersherum. Solange der Preis innerhalb der Aufwärtsrange bleibt, sehe ich keine besorgniserregenden Verkäufe aus der markttechnischen Perspektive.

Bund Future Chartanalyse

Bund Future Chartanalyse

Auch im Bund Future zeigt sich leichte Schwäche. Der Rumor um die EZB Zinssenkung hat sich wohl etwas abgeflaut. Meiner Ansicht nach aber ist auch diese Schwäche der allgemein überkauften Lage geschuldet und keine wirkliche Trendumkehr.

EZB-Meeting Rumor im vollen Gange

Bevor ich zu den EZB Maßnahmen komme, revidiere ich die letzte Woche. Wir haben viele Konjunkturdaten auf der Agenda gehabt, die wichtigsten waren jedoch die US-Arbeitsmarktdaten mit den vorher veröffentlichten ADP Non-Farm Arbeitsplätzen und den NFPs, sowie die Inflationsdaten aus der EU.

Wie bereits in der vorherigen Woche befürchtet, sollten die Inflationsdaten für die EU deutlich negativ ausfallen. Mit -0,2 % nach +0,3 % im Vormonat ist das natürlich ein starkes Zugeständnis an die EZB-Maßnahmen und die Erwartungen daran.

US-Arbeitsmarktdaten trafen größtenteils die Erwartungen, was die Headline Daten (Neu geschaffene Stellen) anbetrifft, die Details (Durchschnittliche Stundenlöhne) waren im Gegensatz zum Januar-Report schwächer, bei gleichbleibender Arbeitslosenquote. Eine Rezession wird also immer unwahrscheinlicher, nachdem immer klarer wird, dass die Stagnation in Q4 2015 in Q1 2016 sich nicht fortsetzt.

Zusammenfassend gibt es Anlass zur Annahme, dass das FED bei ihrem Pfad der Zinsanhebungen (zwei in diesem Jahr) bleibt, während die EZB starke Maßnahmen auffährt, um die Marktteilnehmer nicht zu enttäuschen. Die Divergenz ist also wieder “Full in Play”, was sich im EURUSD auch teilweise bemerkbar macht.

Dagegen sprechen umfragebasierte Inflationserwartungen in den USA, die William Dudley in seiner Rede in der letzten Woche erwähnte. Das Problem ist, dass es nicht die marktbasierten Erwartungen (wie Break-Even Inflations-Rate, die übrigens deutlich gestiegen ist, siehe auch meinen Beitrag dazu hier bereits vor ein paar Wochen) sind, die gemeint waren. Dennoch wirken sich diese auf die nächsten Dot-Plots aus, also auch die Erwartungen der FED-Mitglieder insgesamt.

Und China?

Wie ich bereits in der letzten Woche sagte, sehe ich aktuell die Risiken etwas abflauen, auch was China angeht. Eine Abwertung des Yuan wurde im Rahmen des G20 Meetings deutlich negiert, sodass hier die Risiken zunächst einmal etwas geringer erscheinen, zumindest für die nächsten ein bis zwei Monate.

Darüber hinaus wurden weitere Lockerungsmaßnahmen umgesetzt. Dass, das Risiko nun etwas schwindet, erkennt man auch an der Nicht-Reaktion der Märkte bei Veröffentlichung negativer Konjunkturdaten aus China. Das Thema wird uns noch eine Zeit lang begleiten. Das grundlegende Problem neben den faulen Krediten, ist die Überkapazität in der chinesischen Wirtschaft.

Durch eine Abwertung des Yuan würde China diese Überkapazität in die Welt exportieren und damit die globale Deflation vorantreiben. Erwägt China Gegenmaßnahmen, wie etwa aktuell mit dem Abbau der Kapazitäten im Stahlsektor, schwindet auch das Risiko einer Yuan-Abwertung. Das nur als grober Ansatz für die Ökonomieinteressierten.

EZB-Maßnahmen und die möglichen Folgen

Und jetzt zu den EZB-Maßnahmen im Rahmen des EZB-Meetings und den möglichen Folgen. Vorab, ohne sich über Details Gedanken zu machen. Ich persönlich gehe davon aus, wie auch viele andere, dass die EZB diesmal nicht enttäuschen wird. Ich denke aber gleichzeitig auch, dass es keinen „Sell the Fact-Effekt“ geben wird.

Zum Verständnis. Dieser Effekt entsteht, wenn vor einem wichtigen Event in Erwartung gekauft wird (in diesem Fall US-Dollar gegen Euro), sobald das Event jedoch eingetroffen ist, verkauft wird. Erwartungen entladen sich sozusagen in die entgegengesetzte Richtung.

Ich denke, dass sich ein erwarteter Ausgang dennoch weiterhin pro steigender US-Dollar auswirken wird. Das begründe ich für mich damit, dass wir im Allgemeinen nach den letzten Pressekonferenzen mehr Unsicherheit im Markt haben, was die nötigen Maßnahmen anbetrifft. Damit fällt auch der EZB-Rumor verhalten aus, sprich die Maßnahmen könnten nicht vollends eingepreist worden sein.

Sollte die EZB nun mit einer starken Maßnahme folgen und liefern, wäre diese Unsicherheit gebrochen, gleichzeitig müsste der Markt das direkt einpreisen und damit würde der Euro weiter Schwäche zeigen. Das dazu. Aber wie immer ohne Anspruch auf Wahrheit, gerne lasse ich mich vom Markt auch eines anderen belehren.

Welche Maßnahmen könnte die EZB beschließen?

  1. Zinssenkung
  2. Mehr QE
  3. Kauf zusätzlicher Assets
  4. Kapitalschlüssel anpassen
  5. Die Ausgabe-Limits für Banken aufheben
  6. QE bleibt unverändert

Da der Bericht nun sehr lang geworden ist, im Schnelldurchlauf:

  • Eine Zinssenkung von mindestens 10 BP gilt bereits als sicher. Eine Senkung von mehr als 10 BP würde ein deutliches Signal setzen und die Erwartungen teilweise übertreffen. Problematisch dagegen ist, dass eine tiefere Senkung auf Kosten der Ausweitung der Käufe gehen könnte.
  • Die EZB könnte beschließen ihre Käufe um 20 Mrd. Euro zu erhöhen. Das ist wahrscheinlich ebenfalls problematisch aus der praktischen Perspektive. Bisher entfallen 2/3 der Käufe auf Staatsanleihen, der Rest sind Covered Bonds und Asset-Backed Securities. Im Dezember wurde beschlossen Kommunalanleihen mit ins Repertoire zu nehmen. Das Problem ist, dass die Käufe an gewisse Limits gebunden sind. So dürfen nur Bonds (mit einer Laufzeit zwischen 2-30 Jahren) gekauft werden, deren Verzinsung höher ist als die Einlagenverzinsung. Darüber hinaus ist das mögliche Kauf Volumen auf 33 % bei jeder Anlageart limitiert. Daraus ergibt sich also auf der einen Seite ein Liquiditätsproblem, denn mit diesen Limits werden überwiegend Staatsanleihen erworben, die den Kriterien entsprechen. Dazu gehören Länder wie Deutschland, Peripherie-Länder fallen größtenteils raus. Nur 15 der 51 von Bloomberg betrachteten, in Frage kommenden Staats-Papiere, kommen unter diesen Voraussetzungen überhaupt in die engere Auswahl. Gemäß einiger Bank-Ökonomen, wird Deutschland spätestens im November ein Liquiditätsproblem bekommen, wenn die EZB nun die Käufe um 20 Mrd. € erhöht.  Ist das also unwahrscheinlich? Nicht unbedingt, würde aber wohl weitere zusätzliche Maßnahmen erfordern.
  • Weitere Arten von Assets, wie etwa Unternehmensanleihen mit aufzunehmen, wäre eine Option ist jedoch aktuell noch unwahrscheinlich, zumal es wohl auch in diesem Segment gar nicht genug Liquidität gäbe.
  • Die Anpassung des Kapitalschlüssels wäre im Sinne der Ausweitung des QE eine wahrscheinliche Maßnahme, die nicht nur aus Gründen der Liquidität eine Überlegung ist, sondern um die Peripherie-Länder vom QE insgesamt profitieren lassen zu können. Dass es aber direkt umgesetzt wird, ist nicht wahrscheinlich, es könnte aber durchaus angekündigt werden in diesem EZB-Meeting.

Alles in einem gibt es eine Menge an Maßnahmen, die beschlossen werden könnten. Der Fokus wird jedoch auf die Zinssenkung und der Ausweitung des QE gerichtet sein. Wann die EZB also enttäuscht und wann nicht, liegt eher im Detail. Der Punkt ist, dass der Markt das Detail erst im Nachhinein einpreisen wird. Bleibt eine Ausweitung des QE wiedermal aus, kann es der Markt durchaus als herbe Enttäuschung aufnehmen. In diesem Fall sollte die EZB den Einlagezins deutlich tiefer als nur um 10 BP senken, wenn sie dieser Enttäuschung begegnen will.

Viel Erfolg!

David Iusow

2iS

Brexit EURUSD

EURUSD und DAX, Brexit und EZB-Erwartungen

Wir haben in der letzten Woche gesehen, dass sich Sorgen um ein mögliches Brexit langsam bewahrheiten. Die Frage ist, wo ist das eigentliche Problem zu suchen? Ist es Großbritannien mit seiner möglichen Unabhängigkeit oder ist es im Allgemeinen die EU, die durch ein Austreten ein erneutes Mal in Frage gestellt wäre? Weitere Themen: Saudi-Arabiens Ölminister spricht Klartext zum Öl Produktions-Cut, EZB- Erwartungen, Chinas neuste Bemühungen, G20 Gipfel

Beginnen wir mit der Markttechnik, bevor ich zur Marktlage komme.

EURUSD Chartanalyse

EURUSD Chartanalyse

In der letzten Woche habe ich mir das Wochenchart angeschaut. Was auf mich den Eindruck einer SKS-Formation machte, wurde nun bestätigt. Der EURUSD-Kurs fiel nach dem politischen „Debakel“ in GB am vergangenen Sonntag. Die Price-Action sieht danach aus, als würde es in der nächsten Woche so weitergehen.

Ich bin was den EURUSD-Kurs angeht weiterhin etwas ratlos. Ist es das Britische Pfund, dass hier größtenteils den Einfluß hat oder Erwartungen an die EZB-Pressekonferenz in zwei Wochen, nach dem Motto „Buy the Rumor“? Oder gar die guten Konjunkturdaten aus den USA?

Nach den Kamikazemanövern der EZB im vergangenen Jahr, sehe ich eher einen schwachen „Rumor“ hier. Da sich der EURUSD weiterhin in der Range befindet ist das Rumgerate aber sinnlos. Es kann alles anders kommen als man denkt, das haben wir ja bereits öfter kennen gelernt. Zumindest sehe ich aber nach oben hin im Euro aus langfristiger Sicht, wenig Potential.

DAX Chartanalyse

[DAX30]Daily

Der DAX hangelt sich sehr langsam nach oben. In Anbetracht der Schwäche im Euro wundert mich das schon ein wenig bzw. würde nur meine Sicht bestätigen, dass der Rumor an die EZB eher verhalten ausfällt. Aus rein technischer Perspektive, bin ich bereits in der letzten Woche davon ausgegangen, dass ein näherer Retest des gebrochenen langfristigen Aufwärtstrends erfolgt, es allerdings dann auch erst einmal sein sollte.

Ausschlaggebend für einen Push nach oben, wird der Bruch des kurzfristigen Trends (Pfeil nach unten zeigend) sein. Doch selbst dann tue ich mir ehrlich gesagt schwer einen Durchbruch jenseits der langfristigen Aufwärtstrendlinie vorzustellen. Meine Skepsis wird wohl annähernd geteilt, denn der US-Markt ist um einiges dynamischer als der DAX. Sollte es aber wirklich über 9.800 Pkt. gehen so muss eine Neubewertung der vorhandenen Risiken erfolgen. Erst dann wird sich herausstellen, ob die aktuell verhaltene Stärke im DAX nur durch den US-Markt bedingt ist, oder die Risiken allgemein geringer ausfallen.

SP500 Chartanalyse

SP500 Chartanalyse

Die Lage im SP500 und die Dynamik in der letzten Woche machen einmal mehr deutlich, warum ich vom Daytrading die Finger lasse und meine Analyse auf das Wochenende verlege. Im Nachhinein erkennt man, dass die Aufwärtsdynamik weiterhin Bestand hat. Innerhalb der Woche gab der SP500 Future allerdings deutlich nach, bevor es wieder über die eingezeichnete Widerstandszone nach oben ging.

Ich vermute die 2.000 Pkt. werden in der nächsten Woche leicht überschritten, bevor es wieder abwärtsgeht. Der aktuelle Retest dieser Zone stellt wiedermal, wie in der letzten Woche ein passables CRV für einen kurzfristigen Trade dar. Den Hammer würde ich persönlich nicht überbewerten. Allerdings werden wohl einige nach dem Abtaucher kalte Füße bekommen haben.

Ich will denen nicht raten erneut einzusteigen, erfahrungsgemäß kann ich aber sagen, dass gerade solche Situationen dafür wie gemacht sind, um sie nochmals trotz vorherigem Ausgestopptwerden zu handeln. Warum der US-Markt aktuell stark ist, dazu weiter in der Markteinschätzung.

Gold Chartanalyse

Gold Chartanalyse

Schaue ich auf das Gold-Chart hat sich die Lage für mich nicht wirklich verändert. Wir haben ähnlich der Situation in Öl weder die Bullen noch die Bären am Drücker, was sich jeweils in höheren Tiefs und tieferen Hochs zeigt. Meinen SL habe ich nur minimal nach oben gezogen. Ansonsten gilt hier weiterhin abwarten. Solange die beiden Unterstützungen halten, ist alles im Lot. Ich schätze die Lage wie auch letzte Woche immer noch pro-steigender Preis ein, da trotz einem steigenden US-Dollar nicht wirklich Schwäche aufkam.

Bund Future Chartanalyse

Bund Future Chartanalyse

Auch im Bund wie erwartet kein Abtaucher wieder zurück in die Aufwärtsrange. Dafür sieht mir die Price-Action nach unten hin noch zu verhalten aus, auch wenn der RSI auf anderes hindeutet. Schwäche kann sicherlich in der nächsten Zeit aufkommen. Sofern sich der Kurs oberhalb der Range hält, ist hier jedoch eher Potential nach oben als nach unten, aus der markttechnischen Perspektive.

WTI Öl Chartanalyse

WTI Chartanalyse

Und zu Guter Letzt ein Blick auf den Ölpreis. In der vorletzten Woche wurde der erste Widerstand (mittelfristiger Abwärtstrend) überschritten, in der letzten Woche hatten wir den Durchbruch über den zweiten (Ausbruch aus Dreieck) und einen Abpraller am dritten (horizontaler Widerstand, orange). Also wie nach Bilderbuch. Hoffen wir, dass es in der nächsten Woche über den dritten geht. Ob ich das ausgehend von der Marktlage für wahrscheinlich halte, dazu weiter unten mehr.

Marktlage EURUSD, DAX , SP500 und Öl

Ich fange am besten damit an, was sich im Vergleich zu letzter Woche gravierendes verändert hat? Zum einen haben wir die Brexit-Panik im GBPUSD, die den Euro wohl oder übel mit nach unten ziehen dürfte. Anders als Panik-Auflösungen von Hedging-Positionen, die den Euro-Kurs nach oben treiben, geht es hier um systemische Risiken, die den Abverkauf des Euro aus der risikotechnischen Warte begünstigen.

Inflationsdaten und EZB Dissens

Darüber hinaus haben wir zwar für die EU im Januar einen wieder stagnierenden VPI, noch relevanter sind allerdings die stagnierenden Verbraucherpreise in Deutschland, die als Frühindikatoren für die Entwicklung der Preise in der gesamten EU gelten. Das sollte den EZB-Rumor wohl weiter bekräftigen und damit den Euro schwächen.

Aber wie gesagt, das Problem, dass ich und wahrscheinlich viele andere Investoren sehen, ist der Dissens innerhalb der EZB. Dieser verhindert eine genaue Einschätzung über den nächsten Schritt, zumal die Glaubwürdigkeit seit den letzten Konferenzen eh schon gelitten hat.

Auf der anderen Seite verzeichnete die USA den seit 2012 stärksten Anstieg der PCE-Kernrate, dem Wert, den das FED stark im Blick hat, wenn es um Inflationsentwicklungen geht. Neben dem gut ausgefallenen BIP für Q4 2015, wurden die Sorgen um eine Rezession somit nicht bestätigt und Erwartungen an einen baldigen Zinsschritt des FED sollten damit steigen, obgleich die Erwartungen an einen Zinsschritt im März eher gering sind.

Schwindet das China-Risiko?

Schaue ich nach China, so habe ich in den letzten Tagen gelesen, dass die Regierung weiterhin stark damit beschäftigt ist erneute Maßnahmen zu planen, die Investoren und somit das Kapital weiterhin im Land halten sollen. Zu erwähnen wäre da zum Beispiel der Zugang zum Aktienmarkt für ausländische Investoren, der bisher noch über das QFII geregelt ist. Diese Quoten sollen bald gelockert werden.

Darüber hinaus, sollen ausländische Finanzinstitute den Zugang zum chinesischen Interbankenmarkt bekommen. Ob das alles so umgesetzt wird, steht noch in den Sternen, das sollte neben weiteren Lockerungsmaßnahmen der PBOC kurz- bis mittelfristig Erwartungen an China-Risiken etwas eindämmen.

G20 Gipfel

Vom G20 Gipfel erwarte ich persönlich keine neuen Erkenntnisse. Es wird zwar debattiert, dass sich einige Länder zur Stützung der Märkte zusammenschließen könnten, wie es damals im Falle des Plaza Agreements geschehen ist, um die Dollar-Rally aufzuhalten. Verglichen mit damals, ist die aktuelle US-Dollar Aufwertung allerdings noch recht verhalten um ein Eingreifen zu rechtfertigen.

Will mich aber auch nicht sehr weit aus dem Fenster lehnen was das Thema angeht. Einige Länder wie Japan und Kanada haben im Zuge der Finanzkrise ebenfalls Stützungsinterventionen am Devisenmarkt im Verbund vorgenommen. So genau nehmen die Länder es mit den freien Märkten dann doch nicht.

Öl erholt sich

Der saudische Ölminister hatte Anfang der letzten Woche in Houston klare Worte für die Amerikaner:

„Senkt die Kosten, Leiht euch Geld oder liquidiert- Es wird keine Produktions-Cuts geben.“

Ein treffenderes Argument fand ich ebenfalls (grob übersetzt):

„Ihr könnt nicht überteuerte Fördermethoden auf Kosten des Angebotes etablieren und erwarten, dass das alle mitmachen. Das führt zur Verzehrung der Marktpreise. Wir sind bereit auch mit einem Preis von 20 US-Dollar pro Barrel zu leben, damit sich die Preise im Verlauf ihrem fairen Wert annähern.“

Nichtdestotrotz rechnen die Saudis und Russland damit, dass das kürzlich beschlossene Einfrieren des Produktionslevels den Ölpreis auf dem aktuell niedrigen Niveau stabil hält. Das bestätigt die oben gezeigte Markttechnik. Bricht der Ölpreis über den dritten Widerstand aus, so wird der Anstieg wohl dennoch verhalten bleiben, denn das Angebot ist auch in 2016 weiterhin sehr hoch.

Wichtig wird es zu sehen, ob die Nachfrage ebenfalls ansteigt. Das wiederum hängt zum Teil auch an der China-Konjunktur, hier ist dann grob gesehen der Zusammenhang zu suchen. Sollten sich also Anzeichen für eine sich erholende China-Konjunktur zeigen, so kann auch mit einer erhöhten Nachfrage nach Öl gerechnet werden. Die aktuell steigenden Metallpreise könnten Vorboten für diese Erholung sein. Schauen wir mal.

Gold weiterhin stabil

Ich schätze die Lage wie auch letzte Woche immer noch pro-steigender Goldpreis ein, da trotz einem steigenden US-Dollar nicht wirklich Schwäche aufkam.

Der ganze Metallsektor scheint sich zu erholen, der SPDR Trust, der größte Gold-ETF verzeichnet weiterhin Zukäufe. Das Handelsvolumen für Gold an der Comex stieg im Februar 2016 um über 50 % gegenüber dem Vorjahresmonat an.

Ich kann nur wiederholen, dass ich persönlich nicht davon ausgehe, dass wir es hier lediglich mit einem Push ausgehend von Risikoaversion zu tun haben. Eher glaube ich, dass man sich einfach nicht mehr sicher ist, wo das Cash sonst hinsoll, wenn Aktien überbewertet erscheinen und Anleihen kaum was abwerfen. Risiken verstärken eher das Ganze.

Fazit- Weiterhin auf unklarem Terrain

Also, im Großen und Ganzen. Im DAX stellt sich die Lage für mich weiterhin etwas unklar dar, wobei ich davon ausgehe, dass wir aktuell eine Erholung sehen, die sich in Grenzen halten wird, denn der EZB-Rumor scheint ebenfalls begrenzt zu sein, was dazu führt, dass der DAX nicht so recht nach oben ausbricht, trotz einer wieder steigenden Tendenz für den US-Dollar. Dennoch sehe ich die Risiken, die wir noch vor einigen Wochen hatten zumindest für einen kurzfristigen Zeitraum schwinden.

Im SP500 haben wir die Erholung im Ölpreis und die schwindende Angst der Rezession, trotz Panikmache von Zerohedge und Co. Was natürlich nicht heisst, dass wir im nächsten Quartal nicht doch in eine reinschlittern und in einen stärkeren Bärenmarkt übergehen.

Wie so oft kann ich für die aktuelle Lage nur raten sich auf die Markttechnik zu verlassen. Darüber hinaus hat The Fat Pitch hier einen treffenden Bericht, warum das Potential für die Fortsetzung der Erholung in der nächsten Woche nun hoch ist, Stichwort „Marktbreite“ (Marketbreath).

Soweit so gut. Im nächsten Bericht wird der Fokus wiedermal auf die EZB gerichtet sein. Ich werde versuchen einen Ablaufplan wie letztes Mal zu erstellen. Welche Maßnahmen könnten erfolgen? Und was wären die möglichen Auswirkungen auf die Kurse in Anbetracht des aktuellen Marktzustandes?

Viel Erfolg!

David Iusow

2iS