ist Alpha mit Stock-Picking überhaupt möglich?

Zwei Gründe warum Alpha mit Stock-Picking ein Wunschtraum bleiben könnte

Lieber Leser,

viele aktive Anleger sind überzeugt davon, dass positives Alpha mit Stock-Picking über einen langfristigen Zeitraum möglich ist. Auch ich bin aktiver Anleger. Jedoch lasse ich mich ungerne von Überzeugungen leiten, das sollten Sie als treuer Leser bereits erkannt haben.

Sie kennen die Debatte aktives versus passives Investment sicherlich zu Genüge. Die Debatte ist meiner Meinung nach nicht unbegründet und spätestens seit dem der Trend ETFs Einzug in den Kapitalanlagemarkt gehalten hat, ist die Fragestellung, ob aktives Management überhaupt renditestärker sein kann, durchaus berechtigt.

Positives Alpha mit Stock-Picking

Positives Alpha zu erreichen, bedeutet in der Regel den Markt in Form von beispielsweise dem S&P 500 Index nach Kosten zu schlagen. Sicher gibt es andere Formen Alpha zu berechnen, aber ich beschränke mich auf die wesentliche. Selbst ein ETF versucht nicht positives Alpha zu erreichen, sondern annähernd die Rendite des Marktes.

Ich habe mal einen Vergleich zwischen einem aktiv gemanagten Fonds sowie einem Portfolio aus ETFs hier in diesem Beitrag

Warum Sie mit Honorarberater investieren sollten!” 

angestellt. Das sollte Ihnen aufzuzeigen, wie viel alleine die Kosten von der Rendite eines aktiv gemanagten Fonds auffressen können.

Das Ergebnis macht Sinn und deutlich, warum man die laut vielen Anbietern von Fonds angeblich theoretischen Annahmen, bei der langfristigen Kapitalanlage ernst nehmen sollte. In der Praxis sind einige wenige Beispiele bekannt, die das dennoch schaffen, doch deren Edge liegt, wie ich denke woanders und ist eher die Seltenheit als die Regel. Dazu etwas weiter unten mehr.

Stock-Picking birgt im Vergleich zur Benchmark keinen Edge

Ein aktiv gemanagter Fonds betreibt also in erster Linie Stock-Picking. Das erhöht die Kosten. Das wäre ja noch nicht so schlimm, denn wenn derjenige Manager in der Lage ist die Aktien auszuwählen, die eine starke Überrendite zum Markt erzielen, dann können die Kosten bei einer erreichten Überrendite gedeckt werden.

Aber nicht nur die Kosten, sondern alleine die Auswahl könnte sich derweil als sehr schwierig darstellen. Dazu folgend ein Zitat aus einem Artikel aus dem Blog “The Fat Pitch”

“Using breadth to anticipate market”,

das ich aufgegriffen habe und das vordergründig zwar ein anderes Thema behandelt, aber auch hier ausschlaggebend sein könnte:

Indices have typically been driven higher based on a small number of stocks contributing disproportionately large gains. Over the past 20 years, just 4% of stocks have typically accounted for almost 70% of annual gains in the SPX.

Die Aussage lässt sich auf eine nachweisliche Auswertung stützen, die ich bereits in vielen Artikeln nachlesen konnte. Daher ist sie nicht einfach nur aus einem einzelnen Artikel herausgegriffen. Sie besagt frei übersetzt, dass in den vergangenen zwanzig Jahren lediglich 4 % aller im S&P Index notierten Aktien, für 70 % des gesamten Anstieges des Index verantwortlich waren.

Damit lässt sich einerseits, wie der Artikel darlegt, die gängige Interpretation der Marktbreite widerlegen (Sie sollten das wirklich lesen), doch was noch wichtiger ist aus meiner Sicht: Es macht deutlich warum Stock-Picking, statistisch betrachtet, eine geringere Wahrscheinlichkeit besitzt eine im Schnitt langfristige Überrendite zum S&P 500 Index zu erzielen. Sofern sich die größten Kursgewinne im Index tatsächlich weiterhin auf nur einige wenige Aktien konzentrieren.

Der Stock-Picker wählt also, wenn man es so will, freiwillig ein statistisch gesehen, niedrigeres Chancen-Risiko-Verhältnis, wenn er in andere Aktien, als die den Indexkurs größtenteils bestimmenden investiert. Das werden überzeugte Stock-Picker nicht gerne lesen oder hören, das ist mir klar. Und Gegenbeispiele für die oben aufgestellte These gibt es ebenfalls. Doch genau diese Gegenbeispiele bringen mich zu einem weiteren Gedankengang.

Gegenbeispiele haben einen nicht zu unterschätzenden Edge

Die oben angestellte Annahme bedeutet ja nicht, dass es nicht Fonds-Manger und Stock-Picker gibt, die positives Alpha über einen längeren Zeitraum erzielen können. Doch ich persönlich glaube, dass deren Edge woanders liegt, nicht im Stock-Picking selbst. Entweder sie sind in der Lage günstige Konditionen bei Banken und Brokern durchzudrücken oder sie sind in der Lage das richtige Timing zu treffen, also eine Aktie auch tatsächlich günstig zu kaufen und zu einem hohen Preis zu verkaufen. Oder beides.

Über günstige Konditionen brauchen wir uns als Kleinanleger gar nicht unterhalten, denn ich glaube selbst institutionelle Verwalter bekommen nur in Einzelfällen gute Konditionen zugesichert. Das Timing ist wahrlich nicht so einfach. Wenn man Warren Buffets Aussagen zum richtigen Timing kennt, dann ist es eigentlich unwichtig.

Das ist zu pauschal gedacht, denn Warren Buffet ist einer, der das richtige Timing bestimmt. Wenn Warren Buffet sagt, dass die Aktie günstig ist, dann ist sie das. Sein Timing ist also so gut wie immer richtig. Das ist sein Edge. Dass er bessere Konditionen bei Banken bekommt, davon können Sie ebenfalls ausgehen.

Ernüchterndes Fazit für Stock-Picker

Im Fazit lässt sich also sagen: Entweder sollte man sich eine andere Benchmark suchen. Das ist aber eher unwahrscheinlich, denn was sich erst einmal eingebürgert hat, lässt sich nur schwer wieder ändern. Oder aber wir als Kleinanleger sollten uns einen Edge aneignen, der in der Lage ist dem Markt ein Schnippchen zu schlagen. Meiner Meinung nach ist das überaus wichtig, wenn man positives Alpha erzielen will.

Denn nicht nur der Kostenfaktor spielt hierbei eine Rolle, sondern spricht auch die statistische Wahrscheinlichkeit im aktuellen Umfeld eher gegen eine Überrendite, sofern man Stock-Picking betreibt. Das Timing bekommt hier meiner Ansicht nach als möglicher Edge, durchaus seine Relevanz, auch wenn das viele Anleger nicht wahrhaben wollen.

Wenn natürlich positives Alpha zur gängigen Benchmark nicht das Ziel ist, dann muss das Timing auch nicht relevant sein. Aber dann können Sie auch ein Portfolio aus ETFs erstellen, sofern Sie mit den Risiken eines ETFs vertraut sind.

Viel Erfolg!

 

3 Kommentare
  1. EasyWISA
    EasyWISA says:

    Ich hatte zu dem Thema auch einmal einen Artikel verfasst und dort auf den Essay ‘The Superinvestors of Graham-and-Doddsville’ verwiesen. Darin beschrieb Warren Buffett, warum er nichts von der ‘Efficient Market’-Hypothese hielt und es doch einige Investoren gibt, welche den Markt dauerhaft geschlagen haben. Allerdings muss ich aus eigener Erfahrung sagen, dass zu so etwas viel Können und viel Zeit gehören. Und vor allem am Faktor Zeit hapert es (wie bei mir leider auch) oft. Von daher muss man einfach schauen, ob man mit einem ETF nicht besser bedient ist. Das meinte Buffett ja auch: dass man im Allgemeinen mit einem breit aufgestellten ETF bestens aufgehoben ist. Und wenn man doch einen aktiv gemanagten Fonds wählt, wäre mir persönlich wichtig, nach welchen Prinzipien dieser gemanagt wird (z.B. Value Investing-Prinzipien) und wie seine Gebührenstruktur aussieht (ggf. an Buffett Partnership orientierte Gebührenstruktur).

    Antworten
  2. alpha-invest.blog
    alpha-invest.blog says:

    Hi Markus,

    danke für Deinen Kommentar und den Tipp. Hast Du den Link zu deinem Beitrag mit dem Essay?

    Grüße
    David

    Antworten

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