saisonale charts oktober

Saisonale Charts Oktober 2017

Liebe Leser,

im September performten die Indizes S&P500, DAX, Nikkei sowie die Preise für Öl und Gold folgendermaßen (in Klammern die Durchschnittswerte aus dem Beitrag „Saisonale Charts September 2017„):

  • S&P500: +1,71 % (-0,51 %)
  • DAX: +6,04 % (-1,86 %)
  • Nikkei: +3,41 % (-0,55 %)
  • Öl (WTI): +8,85 % (+1,69 %)
  • Gold: -3,40 % (+1,57 %)

Wie oben ersichtlich schlossen so gut wie alle Märkte entgegen der Saisonalität ab. Der größte Anteil der Stabilität ereignete sich allerdings in den letzten anderthalb Wochen und wurde maßgeblich durch das FOMC-Meeting und die geplante Trump-Steuerreform begünstigt. Bis zu diesem Zeitfenster liefen die Märkte nahe dem saisonalen Muster.

S&P500 Saisonale Charts Oktober

S&P500 Index Rendite Oktober

Der S&P500 Index hat im Zeitraum zwischen 1950 und heute im Monat Oktober eine Durchschnittsrendite von +0,89 % erzielt. Damit ist der Monat der viertschwächste in einem Jahr gewesen. In 63,64 % aller Fälle schloss der S&P500 Index im Oktober positiv ab.

S&P500 Index Rendite im Oktober

Schauen wir auf die täglichen durchschnittlichen Renditen, dann wird erkennbar, dass der Monat Oktober zwar insgesamt im positiven Bereich notierte, allerdings unter sehr volatilen Umständen. Die höchste durchschnittliche Rendite lag bei +1,31 %, die niedrigste bei +0,14 %.

DAX Saisonale Charts Oktober

DAX Rendite im Oktober

Der DAX Index hat in einem Zeitraum zwischen 1960 und heute im Monat Oktober, im Schnitt eine Rendite von +0,94 % erzielt. Damit ist der Oktober der viertschwächste Monat in einem Jahr gewesen. In 59,65 % aller Fälle performte der Index positiv.

DAX Oktober Rendite

Schauen wir auf die täglichen durchschnittlichen Renditen, dann wird erkennbar, dass der Index über den gesamten Monat hinweg eine Aufwärtstendenz verzeichnet hatte. Aber wie auch im Falle des S&P 500 Index durch erhöhte Volatilität begleitet. Die höchste durchschnittliche tägliche Rendite lag bei +1,68 %, die niedrigste lag bei +0,39 %.

Nikkei Saisonale Charts Oktober

Nikkei Index Renditen

Der Nikkei Index hat in einem Zeitraum zwischen 1950 und heute im Monat Oktober eine durchschnittliche Rendite von +0,32 % erzielt. Damit war der Monat der fünftschwächste in einem Jahr gewesen. In 53,74 % aller Fälle performte der Nikkei Index im Oktober positiv.

Nikkei Index saisonaler Chart

Schauen wir auf die täglichen durchschnittlichen Renditen, dann wird kein deutlicher Trend erkennbar. Die höchste durchschnittliche tägliche Rendite lag bei +0,51 %, die niedrigste lag bei -0,60 %.

Öl Saisonale Charts Oktober

 

Ölpreis Renditen Oktober

Der Preis für die nordamerikanische Rohölsorte WTI entwickelte sich seit 1982 im Monat Oktober, im Schnitt negativ. Damit war der Monat Oktober der zweitschwächste Monat in einem Jahr gewesen. Die durchschnittlich erzielte Rendite betrug -2,20 %. In 42,58 % aller Fälle schloss der Preis im Oktober positiv ab

Öl Renditen im Oktober

Schauen wir auf die täglichen durchschnittlichen Renditen, dann wird erkennbar, dass der Ölpreis besonders ab der zweiten Monatshälfte nach unten tendierte. Die höchste durchschnittliche Tagesrendite lag bei +0,05 %, die niedrigste wurde mit -3,22 % erzielt.

Gold Saisonale Charts Oktober

Gold Performance im Oktober

Der Goldpreis tendierte seit 1968 im Monat Oktober mit einer durchschnittlichen Rendite von -0,35 % negativ. Damit war der Monat Oktober der schwächste Monat in einem Jahr. In 47 % aller Fälle schloss der Goldpreis den Monat Oktober positiv ab.

Gold saisonale Entwicklung im Oktober

Schauen wir auf die täglichen durchschnittlichen Renditen, dann wird erkennbar, dass sich die schwächste Phase in der zweiten Monatshälfte ereignet hat. Die höchste durchschnittliche Tagesrendite lag bei +0,95 %, die niedrigste wurde am mit -0,52 % erzielt.

Fazit für den Monat Oktober

Der Monat September schloss dank der oben genannten Gründe außerhalb des saisonalen Musters ab. Der Monat Oktober gehört zwar nicht zu den schwächsten Monaten bei Aktien, aber zu den deutlich volatileren. Ein Durchmarsch sollte daher möglicherweise nicht erwartet werden. Besonders fällt die saisonale Schwäche im Ölpreis auf. Hier dürfte die Zuverlässigkeit eventuell höher ausfallen. Auch beim Goldpreis gehört der Oktober zu einem der schwächeren Monate, wobei hier anders als beim Ölpreis die Volatilität höher ausfiel.

cfd-trader verlieren öfter als sie gewinnen

Die Geschichte eines CFD-Traders

Liebe Leser,

der Börsenhandel ist simpel. Sie können heutzutage mit einem kleinen Konto ab, sagen wir mal 500 Euro, bereits starten. Alles kein Problem mehr in Zeiten von CFDs, binären Optionen, Zertifikaten und Optionsscheinen. Früher war der langfristig erfolgreiche Börsenhandel nur Leuten vorbehalten, die sich Aktien von guten Unternehmen leisten konnten oder aber Zugang zu bestimmten Börsenplätzen hatten, der jedoch ebenfalls mit einer Mindestvoraussetzung an Kapital verbunden war.

Und ich spreche hier noch nicht von Kleinaktionären, denn an der Börse richtig Geld verdienen, bedeutet aus meiner Sicht eben nicht mal zehn Aktien von Microsoft zu kaufen und diese bis zur Rente liegen zu lassen. Um an der Börse seinen Lebensunterhalt zu bestreiten oder an Investments zu verdienen, benötigt man einen Batzen an Kapital. Denn es macht einen Unterschied, ob eine Rendite von 10 % auf 100.000 Euro erzielt wurde oder auf 1.000 Euro.

Was, wenn ich Ihnen sage, dass sich das bis heute größtenteils nicht verändert hat? Der Zugang, den der Kleinaktionär von damals heute zum Markt hat, scheint aufgrund der Digitalisierung offen zu sein. Doch die Produkte, die ihm hier angeboten werden, versperren ihm gleichzeitig den Weg zum erfolgreichen Börsenhandel. Am Ende ist meistens derjenige erfolgreich, der diesen Batzen Kapital hat und in solide Investments steckt, weil er sich diese leisten kann. Nicht derjenige, der sich mit CFDs oder gar binären Optionen abrackert.

Was für die früheren Kleinaktionär Penny-Stocks waren, sind für die heutigen Anleger oft Produkte wie CFDs, Zertifikate oder binäre Optionen. Börse für die Unterschicht so zusagen. Wahrscheinlichkeit auf Erfolg ist im Handel mit diesen Produkten verschwindend gering und dafür gibt es natürlich auch Gründe. Die Krönung des Ganzen wurde nun, meines Erachtens, mit der Erfindung der binären Option bewerkstelligt.

Lesen Sie dazu doch bitte diese beiden Beiträge:

Binäre Optionen- Was ist dran?

Zwei Gründe gegen binäre Optionen

Doch auch CFDs sind nicht unbedingt die besseren Produkte. Sicher sind CFDs nicht so schlimm wie binäre Optionen, doch die Eigenschaften eines CFDs reichen bereits aus, um diese Wahrscheinlichkeit auf Erfolg für den Händler zu verringern. Wie das?

It`s the Leverage, Stupid!

Es ist wie so immer der Hebel, der hier eine sehr große Rolle spielt. CFDs ermöglichen dem Händler sozusagen den Handel auf Kredit. Stellen Sie sich einen Anfänger CFD-Trader vor, der einen CFD auf die Apple-Aktie kaufen möchte. Er zahlt dafür in der Regel nur 10 % des Börsenpreises. Aktuell steht der Kurs bei 163 US-Dollar. Er würde für eine Long-Position in der Apple-Aktie mittels CFD also gerade einmal 16,3 US-Dollar zahlen (Transaktionskosten, Spread usw. nicht berücksichtigt).

Steigt der Kurs nun, sagen wir mal um 10 % auf 179,3 US-Dollar, dann hat unser CFD-Trader nicht lediglich 10 % Gewinn gemacht, sondern bezogen auf den Kaufpreis von 16,3 US-Dollar, 100 %. Wow! Hört sich doch super an, oder? Und genau hier beginnt nun die Maschinerie an zu arbeiten. der CFD-Trader denkt sich: “Wenn ich mir zum Preis einer Apple-Aktie gleich zehn CFDs auf diese Aktie kaufe und dabei 100 % Rendite in kurzer Zeit erzielen kann, dann gehöre ich bald zu den Glücklichen, die an der “Börse” handeln und Geld verdienen, ohne dabei viel Kapital zu haben.

Wie gut, dass die Digitalisierung auch an der Börse Einzug gehalten hat. Unser CFD-Trader wird übermütig und denkt er hätte die Welt neu entdeckt und keiner wusste davon. Zumindest nicht in seinem Umfeld. Die Realität lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Denn der Hebel wirkt nicht nur in die eine Richtung, sondern auch in die andere.

Er bekommt es erstmals mit seinen negativen Emotionen zu tun, nachdem er merkt, dass ein 10 % – Wertverlust der Aktie schneller erreicht werden kann, als ihm lieb ist und dabei befindet sich die Aktie eigentlich immer noch im langfristigen Aufwärtstrend. Er fängt an zu begreifen, dass er an das Trading systematisch herangehen sollte.

“Aber hey, das wird schon. Mit ein wenig Mühe bekomme ich das hin. Andere schaffen das ja auch, und vor allem gibt es da diese coole Analysemethode, die technische Analyse. Da gibt es Bücher zu, die ich mir kaufe, studiere und dann geht es ganz bestimmt aufwärts. Ich werde reich und erfolgreich, schlau und beliebt. Auf geht`s!”

Er liest also zig Bücher zur technischen Analyse, liest etliche Blogs und schaut sich Videos an, stürzt sich also richtig in die Materie des Tradings und ist fest davon überzeugt, dass der Erfolg nur von seinem Können abhängt. Und wenn es nicht so richtig funktionieren mag, dann liegt das einzig und allein daran, dass er es noch nicht begriffen hat.

Denn, wie kann es sein, dass einem zwar solch eine Möglichkeit gegeben wird (den guten Banken und Brokern sei Dank) am Börsenhandel teilzunehmen, bei der anscheinend jeder zweite erfolgreich ist? Man selbst aber dort noch nicht angekommen ist? “Irgendetwas muss ich übersehen haben. Das Produkt kann es aber in keinem Fall sein. Es muss an mir selbst liegen.”

Es ist das Risiko-Management, Stupid

Da war doch noch etwas. Achja, ich weiss. Es ist das Risiko-Management. Wie kann man nur so doof sein? Ohne das Risiko-Management geht eben nichts. Irgendwo habe ich gelesen, dass man unbedingt einen Stop-Loss benutzen sollte, damit man eben nicht mehr pro Trade verliert als eingesetzt. Also weiter geht`s!

Kurzer Cut: An dieser Stelle sollten Sie nun langsam bemerkt haben, dass unser CFD-Trader in eine bestimmte Handelsstrategie gedrängt wurde. Er ist jetzt aufgrund des Stop-Loss, der ja auf jeden Fall notwendig ist, dazu gezwungen kurzfristig und hoch frequentiert zu handeln. Er hat es aber wahrscheinlich selbst noch nicht einmal bemerkt, denn an allem Misserfolg, den er bisher hatte, ist er ja selbst schuld.

Weiter unser CFD-Trader: Auch habe ich irgendwo gelesen, dass man neben dem Stop-Loss nicht mehr als 1-2 % seines vorhandenen Kapitals pro Trade einsetzen sollte um die Überlebenschance des Kontos zu erhöhen. Würde aber im Umkehrschluss zweierlei bedeuten: Entweder muss mein Kapital deutlich höher sein, damit die Rendite am Ende hoch genug ausfällt oder aber ich gebe mich mit der geringen Rendite zufrieden?

Das war leider so mit dem CFD-Handel aber nicht geplant. Es gibt noch eine andere Möglichkeit: Ich lasse es mit den 1-2 % und versuche es mit 10 %. Ansonsten lohnt sich das Ganze für mich nicht, genauso als würde ich mir zehn Apple-Aktien ohne Hebel kaufen. Außerdem habe ich ja noch den Stop-Loss. Auf den kann ich mich ja verlassen. Tja, leider hat unser CFD-Trader aber immer noch nicht begriffen, dass der zumeist enge Stop-Loss für überaus wahrscheinliche Verlustserien sorgt und damit sein Erfolg über kurz oder lang begrenzen wird.

Wie ergeht es unserem CFD-Trader?

Wie man es dreht und wendet, der CFD als Produkt mag zwar transparent und an einigen Stellen flexibel sein. Doch alleine die Hebelwirkung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes enorm. Das führt unter anderem dazu, dass gewisse Risiko-Management Methoden zum Tragen kommen, die aber nur an der Oberfläche das Risiko minimieren, Stichwort Stop-Loss. Mehr noch, wird der Händler damit sogar in hochfrequentierte Strategien gedrängt, was ja auch im Sinne der Broker ist.

Eine einzige Möglichkeit, sich dem Risiko eines Hebels zu entziehen, ist es ihn zu entkräften. Das geht z.B. indem man die Positionsgrößen im Verhältnis zum bestehenden Kapital äußerst gering hält. Damit wäre man im Fall der Fälle flexibel, hätte die Möglichkeit zur Diversifikation und müsste sich entweder keine engen Stop-Loss Grenzen aufdrängen lassen oder aber wäre in der Lage Verlustserien zu überleben. Doch in diesem Fall benötigen wir, wie oben bereits dargelegt ein hohes Volumen an Kapital (was ja unser Kleinaktionär von damals oder CFD-Trader von heute eben nicht haben), damit die Rendite am Ende ausreichend ausfällt.

Sie sehen, Digitalisierung, CFDs, binäre Optionen oder schlicht und ergreifend Penny-Stocks, es hat sich kaum etwas verändert, wenn man langfristig erfolgreich an der Börse handeln möchte. Natürlich gibt es auch erfolgreiche CFD-Trader. Auch Futures oder Optionen sind mit einem Hebel versehen, der jedoch einen verhältnismäßig kleinen Teil der Händler nicht daran hindert erfolgreich zu sein.

Doch dieser relativ kleine Anteil (und sie wissen jetzt warum er klein ist) sind eben Profis, die sich Tag ein Tag aus mit dem Trading beschäftigen. Dennoch, erfolgreich sind die meisten davon mit hoher Wahrscheinlichkeit nur deshalb, weil sie den Hebel, wie oben dargelegt durch ein hohes Volumen an Kapital entkräften können.

Da man am Ende also so gut wie immer beim selben Ergebnis landet, frage ich mich warum man überhaupt noch CFDs oder andere Hebelprodukte handeln sollte. Es macht eigentlich nur dann Sinn, wenn man eingefleischter, kurzfristig orientierter Daytrader ist. Statistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit auf langfristigen Erfolg hier jedoch nur einigen wenigen vergönnt. Ich weiss nicht wie es Ihnen geht, aber ich für meinen Teil, möchte mich lieber auf Produkte konzentrieren, bei denen diese Wahrscheinlichkeit höher ist und nicht geringer.

Viel Erfolg!

Rally in den Metallpreisen – Zeit für einen Pullback?

Liebe Leser,

Ihnen ist mit Sicherheit die Rally in den Metallpreisen, allen voran den Preisen für Industriemetalle nicht entgangen. Der Kupferpreis erreichte in der vergangenen Woche ein Mehrjahreshoch und notierte kurzzeitig über 3 US-Dollar je Pfund. Auch der Aluminium-Preis notierte auf dem höchsten Stand seit 2014. Der Zink-Preis erreichte hingegen sogar ein Zehnjahreshoch: “Zinc prices highest in a decade as industrial metals surge” . Ich mache es wie gewohnt kurz: Drei wesentliche Faktoren sind für die Stabilität in den Preisen, meiner Ansicht nach, verantwortlich…

  1. Mittelfristig hatten Erwartungen an Trumps Infrastrukturmaßnahmen die Preise stabil gehalten.
  2. Der US-Dollar, der seit Dezember 2016 einen Abwärtstrend hingelegt hatte, beeinflußte alle Metallpreise positiv (siehe auch die Gold-Analyse hier “Spekulieren auf den Goldpreisanstieg?”.
  3. Chinas Maßnahmen zur Reduktion der Kapazität sind besonders für den letzten Teil der Rally mit verantwortlich.

Die ersten beiden Faktoren, lasse ich erst einmal so stehen. Denn meines Erachtens nach, ist gerade der letzte Teil der Rally zu einem großen Anteil durch Chinas Maßnahmen auf der Angebotsseite beeinflußt worden. Allerdings scheint es jedoch, als würde die Nachfrage nach Industriemetallen ebenfalls leicht anziehen.

Chinas Maßnahmen nähren die Rally in den Metallpreisen

So haben der Bau-Sektor sowie der Automobil-Sektor zuletzt weiterhin solide performt, auch wenn die letzten Daten per Juli insgesamt wieder eine leichte Delle in der Industrie andeuten. Die Reduktion der Kapazität im Rahmen der Maßnahmen ist enorm und vor allem soll sie, wie ich verstanden habe, zum Großteil in die Zeit zwischen November und März nächsten Jahres fallen.

Was wir hier in den Metallpreisen sehen, könnten also wie so oft, Erwartungen an ein weiter fallendes weltweites Angebot während der Wintermonate sein. Ich will nicht bestreiten, dass die Rally in den Metallpreisen auch aufgrund einer wirtschaftlichen Erholung weiter geht, doch für eine insgesamt anziehende Wirtschaft, bräuchten wir eine Unterstützung auch seitens anderer Rohstoffmärkte. Wie unten im Chart ersichtlich unterstützt der CRB-Index die Rally in den Metallpreisen bisher jedoch nicht.

CRB-Index und Industriemetalle Index

Nun könnte es natürlich auch irgendwann einmal zu spät sein, wenn man auf die Unterstützung des CRB-Index wartet, keine Frage. Doch möglicherweise haben wir noch einen Pullback vor uns, nachdem Erwartungen an die chinesischen Maßnahmen eingepreist worden sind. Dass der letzte Teil der Rally in den Metallpreisen weiterhin für sich unabhängig von anderen Faktoren ist, macht auch der untere Chart deutlich.

US-Anleiherenditen vs. Industriemetalle

US-Anleiherenditen bestätigen Rally in den Metallpreisen ebenfalls nicht

Dieser vergleicht die Ratio zwischen den Industriemetallpreisen und den Edelmetallpreisen (weiß) sowie die Rendite der 10-Jährigen US-Anleihen (blau). In der Regel bestätigen sich beide, sofern Erwartungen an eine wirtschaftliche Erholung eine Rolle spielen. Zuletzt jedoch haben Anleiherenditen die Rally in den Industriemetallen ebenfalls nicht unterstützt.

Das zeigt einmal mehr, dass Erwartungen an eine sich insgesamt wirtschaftliche Erholung besonders im letzten Teil der Rally noch nicht gänzlich berücksichtigt sind und der hauptsächliche Faktor eben China und bei Kupfer auch einige Produzenten selbst sind.

Dennoch, wenn ich hier davon sprechen, dass Erwartungen an eine wirtschaftliche Erholung im letzten Teil der Rally nicht berücksichtigt sind, dann bedeutet es nicht, dass sie überhaupt nicht da sind. Denn zu Beginn der Rally sowohl in den Industriemetallen als auch in den Anleiherenditen, waren sie eben durchaus ausschlaggebend.

Die Frage lautet daher: Befinden wir uns in einer Konsolidierung, was Erwartungen an eine anziehende Wirtschaft angeht und es geht bald wieder aufwärts? Wird die Rally in den Metallpreisen demnächst durch weitere Faktoren unterstützt oder passen sich eher Metallpreise an die Konsolidierung an und korrigieren? Ich glaube mittelfristig an das erstere, kurzfristig aber, tendiere ich eher zum Zweiten.

Viel Erfolg!

value und warren buffett

Der deutsche Investor, Value und Warren Buffett

Liebe Leser,

immer wieder wird mir der Unterschied zwischen der US-amerikanischen und der hiesigen Anleger-Kultur bei meiner Recherche deutlich. Vor allem in der letzten Zeit, in der so viele deutschsprachige Blogs, insbesondere aus dem Value-Bereich, wie Pilze aus dem Boden schießen. Ich persönlich habe mir von Anfang an angewöhnt zum Großteil den Profis aus den USA oder GB zu folgen und Informationen auf Englisch zu konsumieren. Seien es Bücher, News, Blogs oder Podcasts. Der Kontrast, der mir auffällt, sollte nicht negativ aufgenommen werden. Er ist einfach da und ich wollte mit Ihnen teilen, wie sich dieser aus meiner subjektiven Sichtweise, darstellt.

Dass sich Blogbetreiber hierzulande überwiegend auf das Value-Investing konzentrieren, ist für mich das beste Beispiel dafür, wie der deutsche Anleger tickt. Er will vor allem langfristige Rendite mit Hilfe einer Strategie, die ihm so viel wie möglich Sicherheit bietet. Denn, was wenn nicht “Value”, hört sich nach Sicherheit an? Dass sich nun mittlerweile eine rege Nachfrage nach Börseninformationen etabliert hat, sei es im Value-Bereich oder anderen, ist schon mal eine Entwicklung, die sehr zu begrüßen ist. Mal sehen ob es dabei bleibt, wenn der seit 2009 bestehende Aufwärtstrend bei Aktien eine langfristige Korrektur hinlegt.

Warren Buffett als Allzweckwaffe?

Beim Value-Investing wird des Öfteren Warren Buffett erwähnt. Auch das ist mittlerweile ein durchaus etablierter Name, wenn es um das Sicherheitsdenken der Deutschen geht. Die Investment-Legende Warren Buffett hat das Value-Investing mitbegründet. Allerdings, wenn ich mir so seine Investments anschaue, dann kann man, aus meiner Sicht, ganz und gar nicht behaupten, dass Buffett stets nach ein und den selben Kriterien vorgeht.

Und ja, ich kenne seine “offiziellen” Hauptparameter bei der Auswahl. Dennoch, ich für meinen Teil sehe bei Buffett sehr viel Growth in seinem Portfolio und das macht natürlich auch Sinn. Wenn mir einer aus der betriebswirtschaftlichen Sichtweise eindeutig erklären kann, was der Unterschied zwischen Value und Growth ist, der bekommt von mir einen Kasten Bier ausgegeben.

Ich kann mir nämlich kaum vorstellen, dass ein CEO je behaupten würde, sein Unternehmen sehe kein Wachstum vor. Und da Value-Investoren Verfechter von fundamentalen Kennzahlen sind, frage ich mich immer wieder ob es nicht ein Widerspruch in sich ist, wenn man gerade als Value-Investor einen Unterschied zwischen Value und Growth macht. Nur so ein Gedanke am Rande zu den pauschalen Börsenbegriffen.

Aber wie dem auch sei. Fakt ist wahrscheinlich, dass der deutsche Anleger mit diesen Begriffen besser erreicht werden kann, denn er braucht diese Sicherheit. Das muss nicht negativ sein, denn Geldanlegen hat auch etwas mit einer speziell auf den Typ ausgerichteten Strategie zu tun, und wenn sich der Anleger mit dieser Strategie wohl fühlt, dann ist das auch o.k. so. Komme ich zum US-Investor.

Risikofreudiger heisst nicht gleich mehr Risiko

Mein Eindruck aus den vielen Büchern, Podcasts und Blogs von professionellen Händlern und Investoren ist, dass der US-Anleger natürlich auf der einen Seite risikofreudiger “erscheint”. Was aber auf der anderen Seite nicht heissen muss, dass seine Strategien unüberlegter oder gar schlechter sind. Das nimmt nämlich der angeblich “solidere”, deutsche Investor in der Regel fälschlicherweise an.

Doch heisst “Risikofreudigkeit” eines US-Investors auch tatsächlich mehr Risiko? Keineswegs. Risikomanagement-Methoden sind vielfältig und enden nicht mit einem Stop-Loss oder der Diversifikation. Viele der interviewten, erfolgreichen Manager sind grundsätzlich risikoscheu, sie haben nur einen anderen Weg als den klassischen gefunden, um mit dem Risiko umzugehen.

Ich habe auch oft das Gefühl, dass der US-Investor aufgrund seiner Leidenschaft zum Kapitalmarkt offener gegenüber anderen Denkweisen und Strategien ist. Er ist auch mal bereit gegen den Strom zu schwimmen, sofern sein Risk-Management das erlaubt. Während man uns hierzulande erklären möchte, der Erfolg ist nur denjenigen vergönnt, die entweder reines Trendfollowing betreiben oder eben Buy & Hold.

Seit dem ich mich mit dem Börsenhandel beschäftige (bald sind es über zehn Jahre), gehören zu meiner Lieblingslektüre (mittlerweile in Form von Podcasts), Interviews mit professionellen Asset- und Hedge-Fund Managern, da diese einen Einblick in die Analyse-Praxis gewähren. Vor allem diese Interviews bilden für mich oft die Bestätigung dessen, dass ich mich mit meinem Handels- und Analyseansatz ganz und gar nicht auf dem falschen Weg befinde, auch wenn ich kein Value-Investing betreibe.

Der US-Investor handelt eine Story und das oft mit Erfolg

Ebenfalls fällt mir aus vielen gelesenen und gehörten Strategien auf, dass der US-Investor den Markt für narrativ hält, was ich unter anderem auch tue. Er scheut sich also in der Regel nicht davor, eine Story zu handeln oder in eine Story zu investieren. Erklären Sie mal einem deutschen Investor, sie kaufen eine Aktie, weil Ihnen die Story gefällt. Selbst, wenn diese durch fundamentale Kennzahlen unterlegt ist und das Risk-Management im Einklang mit der Strategie steht, so wird der Großteil das doch eher als Wetten ohne Sinn abtun. So als ob Value-Investing der heilige Gral im Investieren wäre und absolut risikolos ist.

Den Markt so zu betrachten, als würde er einem eine fortwährende “Story” aus Ereignissen der Ökonomie, Politik und der Geopolitik erzählen, birgt allerdings einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Der Investor ist damit oft in der Lage eine Einschätzung zu treffen, die nicht einfach nur aus der Historie herausgegriffen ist, sondern er kann die Zusammenhänge, die AKTUELL vorherrschen besser für sich einordnen. Also den derzeitigen Marktzustand einschätzen.

Das liegt daran, dass der Markt und damit seine Einflussfaktoren sich im stetigen Wandel befinden. Jemand, der dem Markt ebenso stetig dabei zuhört, kann diese Veränderungen viel früher wahrnehmen und darauf reagieren, als jemand der strikt davon überzeugt ist, es käme nur auf einige Kennzahlen und die richtigen Diversifikation an.

So gesehen sind wir doch alle auf der Suche nach DER Story, wollen es uns aber nicht eingestehen. Denn es hört sich ja viel sicherer an, wenn ich sage, ich investiere, weil das Unternehmen fundamental gut da steht und ich glaube, dass es in Zukunft ebenso sein wird. Das Problem dabei ist nur, dass dieses Sicherheitsdenken unsere Offenheit gegenüber chancenreichen Investments limitiert.

Gesunder Menschenverstand erfordert auch Offenheit

Als Warren Buffett sagte: “Du musst nicht den IQ eines Genies besitzen, um ein großartiger Investor zu sein. Alles was du dafür brauchst ist einfache Mathematik, das Wissen auf welche Zahlen du schauen musst und etwas gesunden Menschenverstand”. Dann meinte er mit Menschenverstand möglicherweise auch die Gabe, chancenreiche Trends zu erkennen.

Viele der Value-Investoren stützen sich oft auf Leitsätze von Warren Buffett. Gleichzeitig behaupten sie allerdings auch oft, sie würden beispielsweise nie in Bankenwerte investieren. Schauen Sie sich das Portfolio von Warren Buffet noch einmal genauer an und dann sagen sie mir, ob Bankenwerte gemäß der Strategie von Warren Buffett ein No-Go sind?

Gesunder Menschenverstand aus Sicht eines US-Investors bedeutet, dass man seine Augen vor Chancen nicht verschließen sollte. Wenn ich aber bestimmte Sektoren und Branchen von vornherein ausschließe, dann schwimme ich letztendlich weiterhin mit der nach Rendite gemessen, durchschnittlichen Masse und ganz bestimmt nicht mit Warren Buffett.

Alles in einem möchte ich aber am klassischen Value-Investing, zumindest in der Form, in der es uns hier in Deutschland immer wieder näher gebracht wird, doch einiges Positives nicht bestreiten. Und das ist tatsächlich der Umstand, dass es langfristig betrachtet, womöglich leichter umzusetzen ist, als andere Strategien. Und damit auch empfehlenswerter ist für Laien-Investoren. Wobei auch das nicht immer der Fall ist. Denn, finden Sie mal auf Anhieb eine unterbewertete Aktie.

Viel Erfolg!

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